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Hanka und Eriks "World on 2 Wheels" - Reisetagebuch
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Endlich geht's los! - Die ersten Tage
 

1. März 2003, Hamburg - Buenos Aires

Wir haben's geschafft!! Nach kräftezehrenden letzten Tagen der Vorbereitung sind wir endlich "on tour". Völlig übermüdet zwar, erkältet und am Ende unserer Kräfte - aber egal. Hauptsache der Vorbereitungsstress hat ein Ende. Dabei könnte man meinen, wir hatten eigentlich genug Zeit gehabt. Doch die letzte Woche war noch einmal richtig schlimm. Hanka mußte noch bis einschließlich Freitag arbeiten und auch für Erik verging die Zeit wie im Fluge. Die letzte Nacht haben wir dann auch wieder durchgemacht. Ein schier unglaublicher Haufen Klamotten und Ausrüstungsgegenstände lag schließlich auf dem Boden unseres ehemaligen Wohnzimmers verstreut und wollte in zwei Alukoffer, eine Gepäckrolle und einen Tankrucksack verpackt werden. Irgendwie machten wir das Unmögliche möglich...

Der Test mit der Waage ließ allerdings schon wieder heftige Zweifel aufkommen: 85 kg Gesamtgewicht inkl. Motorradbekleidung! Zählt man die rund 25 kg Um- und Anbauten am Motorrad hinzu sowie etwa 150 kg Körpergewicht, macht das unterm Strich 260 kg Zuladung. Erlaubt sind 180 kg ... Doch was nützen solche Rechenspiele - die ersten Kilometer vollbeladen auf Chiles Wellblechpisten werden zeigen, ob wir gleich wieder ein großes Paket Ausrüstung nach Hause schicken müssen..

Der Abschied auf Hamburgs Flughafen war richtig rührend. Mit unserer Motorradkluft, Blitzlichtgewitter und einem richtigem Abschiedskomitee zogen wir einige Aufmerksamkeit auf uns. So wohl auch das der Sicherheitsbeamten, die unser Gepäck besonders gründlich durchleuchteten. Hanka musste sogar ihre Motorradstiefel ausziehen und röntgen lassen. So kann man schon fast von Glück sprechen, dass wir schließlich nur eine Spraydose mit Kettenfett zurücklassen mussten.

Im Flieger verfiel Erik sofort in Tiefschlaf und bekam weder vom Start noch von der Bewirtung etwas mit. Eine Stunde Flug nach London, dort 2,5 Stunden Aufenthalt, dann 13 Stunden (11.500 km) nach Buenos Aires. Wir schliefen die meiste Zeit tief und fest - die beste Art, so einen Langstreckenflug zu überstehen.


2. März 2003, Buenos Aires

Gegen 12 Uhr Ortszeit, d.h. fast 24 Std. nach dem Verlassen unserer Wohnung in HH waren wir in unserem Hotel in Buenos Aires. Es sind so um die 28 Grad, dazu weht ein angenehmer Wind. Wir fühlen uns, als ob wir Urlaub machen.

Den restlichen Tag verbringen wir damit, einen Eindruck von der Stadt zu gewinnen. Dabei laufen wir uns die Füsse wund und bekommen einen ersten Sonnenbrand. Buenos Aires erinnert uns an Barcelona, nicht ganz so schön vielleicht. Dafür gibt es auffallend viele schöne Menschen. Hanka gefallen vor allem die süßen Kinder, aber für Erik sind auch allerhand Augenweiden dabei ...

Zum Abendessen gibt es standesgemäß Steak, genauer gesagt: saftige Rindfleischbatzen, jedes so groß wie ein ... Wir schafften dann auch nur 2/3, trotz Bärenhunger. Im Hotel fielen wir wieder in komagleichen Schlaf.


3. März, Buenos Aires - Punta Arenas

Unsere größte Sorge war, dass wir mit unseren 85 kg Gepäck beim Flug nach Punta Arenas einen safigen Zuschlag fürs Übergepäck zahlen müssen.Das Round-the-World-Ticket von BA / Quantas erlaubt ein Gepäcklimit von 32 kg pro Person. Mit etwas mehr Handgepäck also kein Problem. Für den Anschlussflug mit LAN Chile waren dagegen nur 20 kg erlaubt. Wir brachten es tatsächlich fertig, 3 Gepäckstücke mit 45 kg zu packen und den Rest in 4 Taschen unterzubringen, die wir mit an Bord nahmen. Zum Dank spendierte uns LAN Chile für die 1. Teilstrecke nach Santiago ein Upgrading in die Business Class. So genossen wir in breiten Sesseln mit übereinandergeschlagenen Beinen bei Champagner und vorzüglichem chilenischen Wein den Flug über die Anden.


4. März, Punta Arenas - Puerto Natales

Nachdem wir gestern erst kurz nach 23 Uhr in Punta Arenas gelandet sind (die Flughafenhalle ist brandneu und nichts erinnert mehr an den "Agrarflughafen", den Hanka in Erinnerung hatte), waren wir heilfroh, dass uns ein Taxifahrer zu seiner Hospedaje schleppte. Jedenfalls mussten wir uns keine Gedanken machen, wie wir die 7 Gepäckstücke tragen wollen, auf die wir unser ganzes Hab und Gut verteilt hatten.

Heute haben wir gleich die Bustickets nach Puerto Natales gekauft (Bus Fernandez). Hanka kannte noch alle Fusswege und Geschäfte, als wäre sie erst gestern hier gewesen. Ist ja auch nicht schwer, in so einem Kaff wie Punta Arenas! Einen Blick auf den Hafen haben wir auch riskiert - hier soll am 11. März unser Motorrad ankommen ...

Am Nachmittag ging es auf nach Puerto Natales - schnell alle Vorbereitungen getroffen für den Nationalpark Torres del Paine, wie Bustickets (JB für 8.000 Pesos), Rucksack ausleihen, Lebensmittel für 6 Tage einkaufen, ... Heute haben wir einen ersten Blick auf unsere Homepage geworfen. Vielen Dank für die vielen Eintragungen in unser Gästebuch. Es ist gut zu wissen, wieviele Leute zuhause an uns denken!

PS: Am eindrucksvollsten ist die Windstille ... nachdem ich Erik monatelang auf die heftigsten Stürme seines Lebens vorbereitet hatte!!!

Hanka und Erik
 

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