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Hanka und Eriks "World on 2 Wheels" - Reisetagebuch
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Torres del Paine


5.-10. März, Torres del Paine

Der wohl schönste Nationalpark Südamerikas hielt einige Überraschungen für uns bereit.
An dieser Stelle ein Lob an die Firma SALEWA - unser Zelt hielt sämtlichen Dauerregen, Staubwolken, Windstärken und sonstigen Wassereinbrüchen stand!

Am ersten Tag haben wir unser ganzes Gepäck (für Erik haben wir einen großen Rucksack ausgeliehen) bei Nieselregen 5 Stunden durch die Prärie geschleppt, um zum Lago Pehoe zu kommen. Die Campingplatzpreise im ganzen Park lassen sich mit guten Zimmerpreisen (inkl. Frühstück!) in Restchile messen. Na ja, der Torres del Paine hat schon einiges zu bieten.

Zunächst jedoch mussten wir zwei Nächte und einen Tag voll Regen und heftigster Windböen überstehen. Das Warten im Zelt hat sich dennoch gelohnt: wir wurden am dritten Tag mit schönstem Wetter und grandioser Aussicht auf den Gletscher Grey entschädigt. Obwohl wir 8 Stunden Fussmarsch hinter uns hatten und unsere Beine kaum noch spürten, werden wir die tollen Bilder immer im Kopf behalten! Man kann sich einfach nicht sattsehen! Da Hanka ja die Strecke zum Grey Gletscher mit Silke bei grösstem Mistwetter schon mal gelaufen ist, kam sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Damals sahen wir die Eismassen nur aus nächster Nähe aus dem Rettungsboot, dabei hat man schon Stunden vor Erreichen des Gletschers die tollsten Aussichten auf die drei Gletscherzungen, die uns damals wolkenverhangen verborgen blieben.

Am vierten Tag schien das ganze Spiel von vorne zu beginnen. Wir wachten schon nachts von den regenbegleiteten Sturmböen auf. Dennoch brachen wir unser Zelt ab und wagten den Fussmarsch ins French Valley, der Route des "W's" folgend. Nach einer guten Stunde gaben wir auf: der Nieselregen war in Dauerregen übergegangen und die Wolken hingen direkt vor uns. Völlig durchnässt (wir wandern ja in robusten Turnschuhen, da die Wanderstiefel partout keinen Platz mehr auf dem Motorrad haben), trockneten wir unsere Klamotten so gut es ging im Refugio am Lago Pehue. Um nicht noch eine vierte Nacht hier festzuhängen, beschlossen wir, den Katamaran am Abend zu nehmen und an der Hosteria Las Torres (der anderen Seite des "W's) unser Camp aufzuschlagen. Vielleicht haben wir dort mehr Glück.

Obwohl wir diesmal reichlich Zeit für den Torres del Paine kalkuliert hatten, schien das Wetter all unsere Pläne zunichte zu machen. Tatsächlich hörte der Regen am Nachmittag auf und wir hörten von einigen Leuten im Refugio, die ebenfalls umgekehrt waren, dass die Strecke zum French Valley aufgrund des Wetters gesperrt wurde. Falscher Ehrgeiz hätte also nichts genützt - auch wenn es Hanka schon gestichelt hat, das "W" bereits zum zweiten mal aufzugeben.

Am Eingang des Parkes angekommen, wurden uns die Ausmaße des schlechten Wetters erst richtig bewusst. Wo vor vier Tagen noch eine Brücke stand, war das komplette Tal geflutet. Gut organisiert, standen aber Schlauchboote zur Verfügung (wieder einmal Schlauchboote im Torres del Paine). Irgendwie wurden wir das Gefühl nicht los, das Hochwasser verfolgt uns ... Ziemlich spät kamen wir schließlich am Zeltplatz an. Die "Hardcore-Trecker" sprangen gleich mit Stirnlampen aus dem Minibus (natürlich zu unserer Belustigung), um ihre Zelte im Dunkeln aufzubauen. Wir teilten uns unsere gute, alte Taschenlampe und kochten anschließend Kartoffel-Pü mit Pemmikan - nach vier Tagen mittags und abends altbackener Brötchen hatten wir uns schon richtig darauf gefreut.

Der 5. Tag bescherte uns endlich wieder gutes Wetter, so dass die Torres (3 Felsblöcke, nach denen Nationalpark benannt ist) schon auf uns warteten. Der Anstieg war genauso anstrengend, wie Hanka ihn in Erinnerung hatte. Doch die Mühe wird mit einer fabelhaften Aussicht belohnt. Nach mehr als 8 Stunden Kraxelstrecke freuten wir uns nur noch auf die Isomatte und den kulinarischen Höhepunkt unserer mitgeschleppten Tagesrationen: Spaghetti mit Tomatensoße. Leider gingen damit auch unsere Vorräte zuneige, so dass wir uns am nächten Tag nur noch von Eiern und Keksen ernährten - aber auch das kann man aushalten :-)

Da wir nicht so recht im Bilde waren, wann die Minibusse am nächsten Morgen zurück zum Laguna Amarga fahren, lagen wir mit gepackten Klamotten erstmal zwei Stunden in der Sonne am Pistenrand. Unser Abreisetag sollte wettermäßig der schönste werden. Nachdem sich noch zwei Deutsche auf der Suche nach der "Bushaltestelle" zu uns gesellten, beschlossen wir, den Weg mit Sack und Pack gemeinsam zu laufen. Es stellte sich heraus, dass einer von beiden mit Frank (Entrich) in Hamburg zusammen arbeitet - die Welt ist klein!

Das Hochwasser am Rio Paine war auch nach zwei Tagen noch kein Stück zurückgegangen. Wir mussten also wieder mit dem Schlauchboot übersetzen, aber nicht ohne dass man uns 1.000 Pesos pro Pers. dafür abknöpfte - was blieb uns anderes übrig. Wir hörten sogar, dass in den letzten Tagen einige in den Park gekommen sind, natürlich Eintritt zahlten (8.000 Pesos) und ihnen anschliend eröffnet wurde, dass der Park aufgrund des Wetters gesperrt ist! Ganz schön hart!

Zum Ausklang unserer Tour trafen wir am Parkausgang zwei Amis auf Motorrädern. Beide waren seit 6 Monaten von Colorado bzw. Nevada Richtung Süden unterwegs und hatten nur Positives zu erzählen - natürlich waren wir gleich Feuer und Flamme - die Vorfreude auf unser Motorrad packte uns jetzt richtig. Hoffentlich kommt es heil an!

Zurück in Puerto Natales genossen wir gleich die Vorteile der Zivilisation: ein Bett zu haben, am Tisch zu sitzen, Internet, die Aussicht auf frische Wäsche und vor allem endlich wieder leckeres Essen (das gehörte zu unseren Lieblingsspielchen im Torres del Paine: "Was würde man am liebsten jetzt verdrücken?" - dabei ist Omas Hasenbraten noch gar nicht so lange her.) Frisch geduscht und nach einer "Gato Negro" (der ultimative Rotwein der Globetrotter) schliefen wir wie die Engel.

 

 
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