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Hanka und Eriks "World on 2 Wheels" - Reisetagebuch
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Unser Motorrad ist da!
 

11. März 2003, Puerto Natales - Punta Arenas

Heute soll unser Motorrad in Punta Arenas ankommen - wir sind gespannt und aufgeregt zugleich!

Wir wollen den Mittagsbus nach Punta Arenas nehmen. Inzwischen wurde in Chile die Uhr auf Winterzeit umgestellt - wahrscheinlich am Wochenende - jedenfalls haben wir von alldem nichts mitgekriegt und standen prompt eine Stunde zu früh am Bus.

In den drei Stunden Busfahrt hat Erik endlich die Zeit, sich mit dem GPS anzufreunden. Dank Hannes' phänomenaler Bedienungsanleitung konnte Erik schon bald sagen, mit wieviel km/h der Bus fährt, ob die eingeschlagene Route stimmt, wieviel km es noch sind. Wieder ein schönes Spielzeug in unserer Sammlung an High Tech Equipment :-)

In Punta Arenas erwartet uns die erste große Erleichterung: der Brief aus Santiago mit den Papieren für den Zoll ist in unserer Hospedaje angekommen. Ein Blatt Papier, um das wir so viel Aufregung hatten! Gleich am Nachmittag stehen wir vor den Toren des Hafens. Zwar ist hier alles sehr überschaubar, aber wo und wen fragen wir? Die größte Sorge ist jedoch: wie fragen wir ... mit unseren drei Brocken Spanisch!!!

Wahrscheinlich standen wir so verloren da, dass sich gleich jemand unserer erbarmte - und es schien genau der Richtige zu sein: Vladimir legte sich für uns unglaublich ins Zeug und telefonierte erst einmal eine Stunde mit seinem Handy rum bis wir wussten, dass unser Motorrad am 2. März in Valparaiso wieder verschifft worden und inzwischen auch in Punta Arenas angekommen ist. Der Container jedoch stand im anderen Hafen. Wir konnten gar nicht glauben, dass er uns jetzt auch noch zu dem anderen Hafen fahren wollte. Es kostete Vladimir drei Handschläge und wir standen mit glänzenden Augen in der Lagerhalle vor unserer unversehrten Motorradkiste. Genau 8 Wochen ist es her, dass wir das gute Stück in Hamburg auf die Reise geschickt haben. "Are you happy now?" war alles, was Vladimir genügte. Er gab uns noch seine Karte und das Angebot, ihn unbedingt anzurufen, falls morgen irgendwas bei der Abholung nicht klappt. Es war für ihn wohl auch noch Ehrensache, uns wieder zurück ins Stadtzentrum zu fahren. Wir fühlten uns so glücklich, dass wir uns zur Feier des Tages eine halbe Wassermelone gönnten - Yummi!

Das einzige , was uns heute nicht gelang, war einen Waschsalon zu finden. So langsam hatten wir frische Klamotten nötig - aber die Wegbeschreibung der Herbergsmutter half uns nicht weiter. So beschlossen wir, morgen unser Gepäck in ein anderes Hostel zu schleppen, wo es laut Reiseführer Laundry Service gibt.


12. März 2003, Punta Arenas

0 km, S 53-09-48 / W 70-55-03

Gleich morgens zogen wir ins Hostal Indepencia, wo wir gleich herzlich empfangen und uns das Wäscheproblem abgenommen wurde. Für gleiches Geld (4.000 Pesos) hatten wir es hier richtig gemütlich - außerdem gab es zwei (gepflegte) Hunde und einige Katzen. Unser Liebling wurde gleich "loco gato" Bebe, ein kleiner Rotfuchs, der wohl gerade dann geboren wurde, als unser Motorrad auf die Reise ging. Aber das Beste: Auf dem Hinterhof standen drei Motorräder. Wir waren schon gespannt, wer jeweils dazugehörte.

Doch bevor es einige Geschichten aus dem Motorradalltag zu hören gab, mussten wir erstmal irgendwie zum Hafen kommen. Unser Herbergsvater Eduardo gab uns einen guten Tipp und wir nahmen ein Sammeltaxi (für 250 Pesos, kann man auf einer festgelegten Route aussteigen, wo man will).

Am Hafen angekommen, stieg die Aufregung wieder in uns hoch. Man hört die gruseligsten Schauergeschichten über die Zollabfertigung in Südamerika bei Fahrzeugen. Entsprechend stellten wir uns auf einen behördlichen Spießrutenlauf ein - völlig unnötig, wie sich herausstellte! Die Zöllner versuchten ihr Bestes, uns ihr Anliegen begreiflich zu machen. Ausgerechnet heute streikte auch noch unser Translator, der uns sonst so gute Dienste tat. Anfangs schien es irgendein Problem zu geben, ohne dass wir erraten konnten, was es war. Auch unsere "Zauberkarte" von Vladimir half uns nicht weiter; er war erst in 2 Stunden wieder erreichbar. Wir wussten ja, wo unser Motorrad stand - so fragten wir, ob wir es vielleicht schon auspacken dürfen. Prompt schloss er uns die große Lagerhalle auf, Werkzeug raus und es ging los. Wir hatten in Hamburg ganze Arbeit geleiste: alles war heil und unversehrt. Zehn Minuten später stand der Zöllner vor uns und fragte nach den Fahrzeugpapieren. Ohne eine Ahnung, was denn das "Problem" gelöst hatte, fanden wir uns kurz darauf mit allen gestempelten Papieren wieder - wir konnten es gar nicht glauben: von Bestechungsgeldern keine Spur (nur die üblichen Lagergebühren von 6.680 Pesos - wie sich später herausstellte, wartete die Maschine schon 5 Tage auf uns ...). Jedenfalls hat das Ganze nur eine dreiviertel Stunde gedauert, so dass wir grinsend unsere mitgebrachte Tagesverpflegung wie ein Menü verspeisten.

Kurz darauf waren alle Teile am Motorrad an- und zusammengeschraubt. Sogar die restlichen Teile unserer Transportkiste durften wir gleich dalassen. Somit hatten sich all unsere Sorgen und Befürchtungen in Luft aufgelöst - ein schönes Gefühl!

Doch leider sollte die Freude nicht lange anhalten. Es kam der große Moment und Erik startete die Honda. Nichts tat sich. Neuer Versuch: wieder nichts. Hatten wir alles richtig angeschlossen? Hatte vielleicht die Batterie endgültig ihren Geist aufgegeben? Es lief doch bisher alles so gut! Selbst als 3 Hafenarbeier anschieben halfen, sprang das sonst so treue Gefährt nicht an. Inzwischen war auch die Batterie nach den vielen Startversuchen am Ende. So mussten wir den ersten Kilometer in Südamerika wohl oder übel schieben - zur nächsten Tankstelle, wo wir es mit einem Starthilfekabel versuchen wollten. Das war dann auch schnell zur Hand, da gleich neben der Tankstelle eine Werkstatt angeschlossen war. Nur starten ließ sich die Maschine trotzdem nicht. Inzwischen waren wir umringt von einem halben Dutzend hilfsbereiter Chilenos, die alle ihre Meinung zu dem Problem kundtaten - natürlich auf Spanisch. Da heißt es kühlen Klopf bewahren. Schließlich fand Erik den Fehler: eine abgeknickte Benzinleitung. Mit drei Handgriffen war die Sache erledigt und das Moto sprang ohne zu zögern an! Endlich aufsitzen - nun konnte unsere Worldtour starten!

Stolz wie Oskar fuhren wir mit unserem Motorrad vor das Host al. Jetzt gehörten wir also richtig dazu! Am meisten freuten wir uns darauf, unser ganzes Gepäck nicht mehr schleppen zu müssen und dabei viel beweglicher zu sein. Ob wir das Gepäck überhaupt alles mitbekommen, war schwer vorzustellen. Diese Generalprobe stand uns noch bevor ...

Zwei der Motorräder gehörten Torsten und R icarda (www.lebenlifelavida-suedamerika.de). Die beiden waren seit einem Jahr mit ihren BMW's in Südamerika unterwegs und hatten gerade die Entscheidung gefällt, ihre Motos auf Feuerland bei Freunden unterzustellen und für ein halbes Jahr nach Deutschland zurückzukehren. Inzwischen waren sie etwas "reisemüde" und wollten in Deutschland ihren Geldbeutel auffrischen - anschließend aber unbedingt wiederkommen. Natürlich mussten wir unsere neuen Freunde erstmal ordentlich ausquetschen. Es war sehr faszinierend, wie gelassen die beiden alles angingen. Wir sind schon neugerig daraif, wie uns diese Reise verändern wird. Jedenfalls hatten wir einen superlustigen Abend zusammen mit den beiden, einer Australierin und einem Engländer.


13. März 2003, Punta Arenas

5 km, S 53-09-48 / W 70-55-03

Heute lernen wir den dritten Motorradfahrer kennen, dem die Tenere vor der Tür gehört. Er ist Schweizer und seit 7 Wochen on the road. Noch immer fühlen wir uns "jungfräulich", merken aber schnell, dass der Typ nicht so auf unserer Wellenlänge liegt. Eins haben wir nämlich beschlossen: wir wollen die Augen offen halten und langsam reisen - uns Zeit nehmen für uns und die Welt.

Aus diesem Grund werden wir Eduardos Gastfreundschaft noch einen Tag länger in Anspruch nehmen und morgen erst starten.

Es ist ein guter Tag, um gleich ein paar Dinge zu erledigen, denn die Wolken kündigen Regen an. Am Nachmittag gießt es in Strömen, aber Erik hat in Eduardos Garage einige Provisorien am Motorrad vollenden können. Hanka hat inzwischen die von Torsten empfohlene Straßenkarte von Chile in der Stadt besorgt, eine neue Seifenschachtel aufgetrieben (wieder ein Wort gelernt: jabonera rest), e-mails gecheckt.

Hoffentlich wird morgen das Wetter besser. Wir wollen gleich um 9.00 Uhr die Fähre nach Povenir nehmen und Feuerland erkunden. Eigentlich wollten wir nur so schnell wie möglich Richtung Norden fahren, um in wärmere Gefilde zu kommen, aber Torsten und Ricarda haben uns doch neugierig auf "Tierra del Fuego" gemacht und jetzt sind wir einmal hier...

Hanka und Erik
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