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Hanka und Eriks "World on 2 Wheels" - Reisetagebuch
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Abenteuer Baja California


19.-20. November 2003, Fähre Mazatlán - La Paz - Strand an der Bahía La Paz

29.516 km, N 24-15-10 / W 110-36-29

Wir sind gut organisiert: morgens Packen, Checkout, zum Supermarkt, um Bordverpflegung zu kaufen und danach ab zum Hafen. Noch vertrauen wir darauf, dass uns die Truckfahrer irgendwie helfen werden. Die Fährüberfahrt für's Motorrad soll 750 Pesos kosten und der Amigo von der Abfertigungsstation hat nichts dagegen, wenn wir unser Glück erstmal bei den Truckern versuchen, um die Honda im Laderaum gegen einen Freundschaftspreis zu verstauen.

Mit der bepackten Maschine neben uns, postierten wir uns am Hafeneingang und bettelten jeden der Laster nach La Paz an, unser Motorrad mizunehmen. Die meisten meinten seltsamerweise auch erst "si, claro", änderten aber nach Kürze gleich wieder ihre Meinung. Der Grund sollte uns schleierhaft bleiben. Selbst der Hafenmeister half uns dabei, ein paar LKW-Fahrer anzuschwatzen - auch erfolglos. Angeblich hatten die Trucker Bedenken, dass wir Drogen schmuggeln oder ein geklautes Motorrad haben, versuchte der Hafenmeister sich zu rechtfertigen. In La Paz durchlaufen zwar alle Fahrzeuge eine Zollkontrolle, aber wir würden die Honda ja unmittelbar herunterladen, so dass nur wir letztendlich die Verantwortung für die Maschine tragen. Wahrscheinlich haben wir aber lediglich den "Gringo-Stempel" auf der Stirn, so unsere eigene Theorie. Und "Gringos" haben ja bekanntlich genug Kohle, also warum sollte uns einer den Gefallen tun? Ein winziger, stinkender Fischlaster (in den die Honda nicht mal reingepasst hätte) hielt sich für ganz clever. Mal abgesehen davon, dass er der einzige war, der überhaupt mit sich reden ließ, wollte er gleich einen Deal mit uns machen. Er fragte den Abfertigungstypen rotzfrech nach dem Fährpreis und wollte unser Motorrad für satte 400 Pesos mitnehmen... Eigentlich hatten wir uns das Ganze anders vorgestellt und schluckten erstmal die Enttäuschung. Man sollte den Vergleich nicht ziehen, aber in Chile hätte uns JEDER Truckfahrer mitgenommen, nur um zwei Travellern zu helfen. Nicht ärgern, nicht ärgern, nicht ärgern.

Zähneknirschend zahlten wir unsere Fährtickets, wurden dabei noch beinahe um 200 Pesos auf dem Kreditkartenbeleg geprellt, und stellten uns vor der Fähre an. Wie es aussah, blieben wir die einzigen Touristen an Bord, was uns ziemlich erstaunte. Die Jungs brauchten Ewigkeiten zum Verladen und wir schielten immer wieder auf die Uhr, die schon anderthalb Stunden Verspätung anzeigte. Natürlich schien die Zeitverzögerung niemanden zu interessieren; wir sind in Mexiko! Fast als die letzten durften wir dann schließlich auf's Deck fahren. Erst auf unser wiederholtes Bitten hin erbarmte sich schließlich einer der Decksarbeiter und brachte ein paar Spanngurte zum Vorschein, um die Maschine festzuzurren.

An Bord schauten wir uns erstmal um. Es gab vor Dreck triefende Toiletten, ein paar uralte Waschbecken vor der Tür, die als Waschgelegenheit dienen sollten. Auf dem untersten, nach Schiffsdiesel stinkendem Deck stand eine Reihe ausrangierter Autositze, die sich als bequemste Sitzgelegenheit herausstellte, einen verräucherten Baucontainer, der als eine Art Kantine diente und es gab schließlich noch ein windiges Oberdeck. Wie gut, dass wir uns wenigstens Abendbrot und Frühstück noch im Supermarkt besorgt hatten! So mampften wir unsere Schinkenbrote und schauten uns einen fabelhaften Sonnenuntergang an. Kaum wurde es dunkel, verstreuten sich die Truckfahrer an Deck. Jeder versuchte, ein einigermaßen windgeschütztes Plätzchen als Nachtlager zu finden und eine Mütze Schlaf zu nehmen. Natürlich waren die Truckfahrer die gleichen Fratzen, die uns im Hafen noch im Stich gelassen hatten, so dass wir uns unter den Passagieren nicht gerade wohlfühlten. Dennoch hatten wir wahrscheinlich das bequemste Nachtlager von allen, indem wir mit unseren Isomatten die Rettungswestenkiste in Beschlag nahmen. Somit blieb uns auch gleich die Übelkeit erregende Abgasfahne Schiffsdiesel erspart. Es sollte Hankas erste Nacht unter freiem Himmel werden.

Dem Sonnenaufgang entgegen linsend stellten wir morgens fest, dass wir immer noch auf dem Wasser sind - kein Land in Sicht. Die Nacht war zwar windig, aber mild, so dass wir einigermaßen ausgeschlafen uns über den mitgebrachten Rührkuchen hermachen. Während wir auf unseren Rettungswestenkisten sitzen und frühstücken, erzählt uns ein junger Ami von seinem Job (also doch wenigstens ein angenehmer Passagier). Er ist für die Stromversorgung beim Filmdreh zuständig und hat gerade Drehpause von Brad Pitts neuem Kinofilm "Troja". Der Star hat sich in der letzten Drehszene den Knöchel verstaucht und alles abgebrochen. In zwei Wochen wird dann das ganze Personal wegen einer einzigen Drehszene noch mal in die Baja California getrommelt: das sind Hunderte von Leuten - was das kostet!!! Während wir gespannt seinen Geschichten lauschten, näherten wir uns langsam der Küste. Eine bergige, gelbbraune Halbwüstenlandschaft aus Kakteen und Steinen empfing uns, gesäumt von glasklaren, türkisfarbenen Buchten - die Baja California, ein 1.150 km langer Halbinselarm, der an Kalifornien hängt wie ein Kamelschwanz.

Auch die Schiffsentladung dauerte eine nervende Ewigkeit - nach 21 Stunden Fährüberfahrt sind wir mittlerweile ungeduldig. Doch es ist Mittagszeit und wir trauen unseren Augen nicht, als einer nach dem anderen der Besatzungscrew erst mal in der Kombüse verschwindet. Das ist einfach nicht zu fassen! Jetzt ärgern wir uns erst richtig über die Fährpeise, die angesichts des vor Dreck triefenden "LKW-Kutters" völlig unangemessen sind.

Nach der Siesta dürfen wir dann endlich von Bord fahren und die Zoll- und Drogenkontrolle passieren. Zum Glück wird das ein Kinderspiel und keiner fragt nach unserer offiziellen Einfuhrgenehigung für die Honda, weil wir ja vom Festland kommen. (Für alle, die die Strecke in entgegengesetze Richtung vorhaben, empfiehlt sich, die Papiere an der amerikanisch-mexikanischen Grenze zu besorgen. Alles andere ist mit Rennereien in La Paz verbunden und wir haben mittlerweile von einigen Leuten gehört, dass ohne Einfuhrgenehmigung - selbst mit Carnet de Passage - kein Weg aufs mexikanische Festland geht.)

Jedenfalls haben wir heute den Wendekreis des Krebses überquert, mit dem wir vorerst die Tropen hinter uns lassen. In La Paz ist zwar noch nicht viel von gemäßigter Klimazone zu spüren, dafür bekamen wir aber endlich mit, dass wir bereits vor Tagen in Puerto Vallarta mal wieder ahnungslos eine Zeitzone gekreuzt hatten. In Tulum ist es uns auch schon passiert, dass wir erst nach etlichen Tagen zufällig feststellten, dass unsere Uhren eine Stunde später anzeigten. Kein Wunder also, dass unser "LKW-Kutter" gestern mit tierischer Verspätung ausgelaufen ist! Asche auf unser Haupt.

In La Paz steuern wir als erstes die vom Reiseführer heiß gelobte Seefood-Tacobude an. Die Mexikaner verstehen es wirklich, aus allem einen Taco zu machen! Gut gesättigt geht's zum Supermarkt, um jede noch so kleine Gepäcklücke mit Lebensmittelvorräten aufzustocken. Große Supermärkte sollen auf der Baja California rar gesäht sein und wir haben uns schon einige schöne, abgelegene Ecken zum Campen ausgesucht. Als wir mit Einkaufstüten beladen aus dem Supermarkt kommen, klebt ein Zettel an unserer Windschutzscheibe. Deutsche Urlauber haben unser Motorrad entdeckt und Grüße hinterlassen. Das ist ja ganz was Neues! Keine fünf Minuten später werden wir schon wieder von Deutschen angesprochen, wie wir die Honda nach Mexiko gebracht haben. Scheint so, als treiben sich hier viele Urlauber aus der Heimat herum.

Der erste Campingplatz haut uns nicht gerade vom Hocker. Der Übernachtungspreis kommt uns astronomisch vor, ohne dass es für Zelte ein Fleckchen Gras oder auch nur Picknick-Tische gab und das direkt mit der Geräuschkulisse des Highway 1. Ein Ami erzählte uns sogleich von einer guten Stelle am Meer, wo er seit 11 Jahren Campurlaub am Strand macht. Nachdem er uns derartig die Ohren heiß geredet hatte, konnten wir gar nicht anders, als genau dahin zu fahren.

Mit den letzten Litern im Tank biegen wir nach San Juan de la Costa ab. Letzten Monat hat ein Hurrikan um La Paz gewütet. An der beliebten Strandpromenade von La Paz gibt es keine Palme mehr, die nicht wie ein gerupftes Huhn aussieht. Man hat gerade damit begonnen, die Mosaik-Steine neu zu setzen. Auch die kleinen Nebenstraßen haben einiges abbekommen. Ohne Warnung stehen wir plötzlich vor einem gähnendem Loch - das war mal die Straße. 'Wie sollen da eigentlich Autos durchkommen?' geht uns durch den Kopf. Durch die sandige Steppe aus Kakteen ziehen sich tiefe, trockene Wasserrinnen wie ausgedörrte Flüsse. Man kann sich ungefähr ausmalen, wie das Wetter hier gewütet haben muss!

Der Strand, den uns der Amerikaner beschrieben hat, ist unversehrt. Allerdings können wir beim besten Willen nicht feststellen, was der Typ hier so besonders findet. Wenn dieses Fleckchen 11 Jahre lang seine Feriencamper-Traumdestination war, dann kann er uns nur leidtun. Überall liegt Müll, Bauschutt und der Strand ist voller Steine. Mangels Sprit bauen wir trotzdem unser Zelt zwischen den dürren, müllbeutelbehangenen Büschen auf. Wir wagen uns sogar auf den glatten Steinen ins Wasser, weil wir dringend eine Dusche nötig hätten. Das Meer ist eiskalt und wir müssen auch noch lernen, dass Seife im Salzwasser nicht schäumt. Das wird also nichts mit Haarewaschen heute! Zu allem Überfluss liegen zwischen den Steinen auch noch große Seeigel, so dass wir vorsichtig wie die Robben ans Ufer schwimmen bis wir mit den Knien aufsetzen. Oh Mann, 11 Jahre lang Ferien hier...!

 

21. November 2003, Strand an der Bahía La Paz - Strand bei San Carlos
29.797 km, N 24-48-17 / W 112-06-58

Morgens sind wir schon vor Sonnenaufgang hellwach und fit wie die Turnschuhe. Es ist halb acht und wir wundern uns schwer, ob uns unsere Uhren nicht schon wieder einen Streich spielen. Ach ja, das kann eigentlich nur die Zeitverschiebung sein - und wir sind ja auch ein ganzes Stück näher nach Norden gekommen.

Über Nacht haben die Mäuse doch prompt den dürren Ast irgendwie erklommen, an dem die Abfälle hingen und unsere Mülltüte in Stücke zerfleischt. Wie gut, dass wir die Tüte wohlwissend nicht in Zeltnähe gehangen hatten. Uns sind die schlaflosen Nächte in Chile noch gut in Erinnerung - Mäuseterror nennt man das!

Nachdem alles wieder an seinem Platz verstaut ist, brechen wir auf. Die Strecke entlang der MEX 1 ist langweilig. Wo man hinschaut trockene Steppe und Kakteen - nichts zu spüren von dem "Baja-Feeling", was einem die Motorradzeitschriften verkaufen. Auf der weit und breit einzigen Asphaltstraße reiht sich im Gegenverkehr ein Camper an den anderen und es scheint, als wäre die Baja California fest in amerikanischer Hand.

In Ciudad Constitución laufen wir gleich den nächsten großen Supermarkt an, stocken noch mal unsere Lebensmittel- und Trinkwasservorräte auf und folgen dem roten Kreuz auf unserer Landkarte. Die Bahia Magdalena ist vorgemerkt für Wale. Zwar wissen wir, dass sich die riesigen Säuger erst ab Mitte Dezember hier rumtummeln sollen, aber wir haben die Hoffnung, dass sich vielleicht schon mal einer etwas früher herverirrt hat.

Das erste, was wir jedoch von San Carlos sehen, ist eine stinkende Fischfabrik. Der Reiseführer beschreibt das Örtchen malerisch, eingebettet in weiße Baumwollfelder. Völlig daneben, wie wir finden. Die windschiefen Hütten locken mit Sicherheit keine Gäste an und Baumwolle? Wo soll all die Baumwolle sein? Es gibt auch nicht mal eine mexikanische Tienda, was ein sicheres Zeichen dafür ist, dass wir am A... der Welt gelandet sind. Leider entschädigen uns auch keine Wale für den Abstecher, also fügen wir uns dem Schicksal und schlagen unser Zelt am Meer auf. Es ist wohlbemerkt nicht so einfach, ein sichtgeschütztes Plätzchen fern der Straße zu finden. Schließlich entdecken wir dennoch eine Wiese, eingeschlossen von Mangroven. Letzte Nacht am Golf von Kalifornien - diese Nacht am Pazifik campen - was für ein Luxus! (Die Baja California ist kaum an einer Stelle mehr als 100 km breit!)

 

22. November 2003, Strand bei San Carlos - Strand an der Bahía Concepción
30.122 km, N 26-38-16 / W 111-50-09

Gott sei Dank sind wir früh auf! Als wir aus dem Zelt klettern, steht das Wasser bis einen halben Meter vor dem Eingang - steigende Tendenz. Was gestern Abend noch wie eine harmlose Wiese aussah, entwickelte sich so nach und nach zu einem See! (Richtig, da waren doch Mangroven - wir hätten es wissen müssen!) Hektisch schnappten wir unsere Siebensachen, um sie auf dem vermeintlich höchsten Punkt der Wiese wieder fallen zu lassen (wie gut, dass sich unser Zelt im Ganzen transportieren lässt). Selbst der Boden unter der Honda wurde langsam aber sicher weich, so dass sie jeden Moment umzukippen drohte. Dabei konnten wir heilfroh sein, dass wir gestern nicht doch die weiche, grüne Kuhle als unser Zeltlager gewählt haben. Da saßen wir nun auf der kleinen Erhöhung, um uns herum nur Wasser, das sich Zentimeter für Zentimeter die kleine Insel hinaufarbeitete. Uns blieb nur zu hoffen, dass der höchste Flutpegel langsam erreicht war, denn es gab keinen Fluchtweg! Das Wasser stand schon wadentief und sämtliche Mangroven am Strand waren bereits in der Flut versunken. Auch unser kleiner Hügel, auf dem wir wie auf einer Insel festsaßen, schien nicht mehr lange trocken zu bleiben. Verzweifelt suchten wir nach einer Lösung. Endlich nahmen wir den schmalen Strandstreifen wahr, um den sich nach mexikanischer Manier Plastikflaschen und anderer Müll sammelte. Wenn man genauer hinschaute, konnte man sogar erahnen, wie weit das Wasser steigen würde. Das schien unsere letzte Rettung.

In der Hoffnung, dass wir uns nicht irren mögen, trugen wir unsere Sachen erneut durch das Wasser bis zum Sandstreifen. Auch die Honda schien uns dort sicherer aufgehoben, denn Salzwasser tut bekanntlich keinem Motorrad gut. Erschöpft ließen wir uns dann auf den schmalen Sandstreifen fallen. Was nun? Wir hätten mal in der Schule besser aufpassen sollen, wie das mit den Gezeiten funktioniert! Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein - wie wir da mit unserer Honda hockten, umgeben von Wasser wie mitten im Meer! Wir konnten nicht anders als lachen. Galgenhumor hatten wir schon immer.

Da wir keine Ahnung hatten, wie lange die Flut noch stieg, geschweige denn wann der Wasserpegel wieder fallen würde, mussten wir einfach abwarten. Nur eins war klar, hier kommen wir nur bei Ebbe wieder raus. Es war gestern Abend schon ein Riesenakt, die Honda durch den Sand bis zur Mangrovenwiese zu fahren.

"Abwarten und Tee trinken!" - schon zwei Stunden lang waren wir damit beschäftigt gewesen, unsere Sachen zusammen- und hin- und herzuräumen, so dass wir noch nicht mal gefrühstückt oder uns gewaschen hatten. Also packten wir in aller Seelenruhe den Benzinkocher aus und rührten Pancakes an. Wenn das kein guter Tag für ein ausgiebiges Frühstück war...

Als der erste Pfannkuchen fertig war, realisierten wir plötzlich, dass das Wasser um uns herum nicht mehr anstieg und kurz danach zog sich tatsächlich das Nass Zentimeter für Zentimeter zurück. Klasse, wir hatten schon befürchtet, dass wir bis zum Abend warten müssten. Binnen zwei Stunden war tatsächlich alles verschwunden und eine unschuldig ausschauende Mangrovenwiese kam erneut zum Vorschein. Nichts, aber auch nichts deutete darauf hin, dass hier vor kurzem noch 35 cm tief das Wasser stand! Selbst der sandige Boden fühlte sich trocken an. Na, jedenfalls hat unser Schutzengel mal wieder hart für uns gearbeitet! Wale gab es übrigens dennoch nicht.

In Constitución plünderten wir anschließend noch mal den Supermarkt, denn es sollte der letzte große für viele hundert Kilometer sein. Danach ging es schnurstracks auf die MEX 1, schließlich wollten wir heute noch einige Kilometer machen. Tatsächlich begann die Hauptverkehrsstraße auch langsam interessanter zu werden. Baumhohe Kakteen verzierten wie Säulen ein Tal nach dem anderen. Zu unserem Erstaunen ging es plötzlich bergauf und bergab und es wurde motorradparadiesisch kurvig. Dazu blitzte immer wieder der blaue Golf von Kalifornien auf - wir waren schon wieder auf der anderen Seite der Halbinsel. Schade, dass man von der Gebirgskulisse der Sierra de la Giganta wenig hört, denn wir hatten auf der Baja alles andere erwartet als Gebirge.

Das Stück zwischen Loreto und Mulegé gefiel uns besonders, wobei wir uns Mulegé für morgen aufgehoben haben. Erstmal müssen wir uns zwischen einer Zahl von idyllisch gelegenen Stränden entscheiden, um unser Nachtlager aufzuschlagen. Da in der Gegend viele Caravans und Motorhomes aus dem amerikanischem Nachbarstaat unterwegs sind, hofften wir eigentlich auf einen Platz mit Dusche. Doch daran war genau der Haken - nirgends gab es irgendwelche Facilities, noch nicht mal ein Plumpsklo, aber die Mexikaner wollten doch glatt pro Person 5 USD einsacken. Traumstrand hin oder her, wir sahen nicht ein, für etwas unangemessen viel zu zahlen, wenn man dasselbe auch umsonst kriegen kann. Die Kunst bestand lediglich darin, einen einsamen, zugänglichen Strand zu finden. Nach einiger Zeit fanden wir auch eine kleine Bucht, zu der ein Weg führte. Eine Riesenladung Steine sorgte dafür, dass kein Caravan bis zum Strand durchkam und auch Hanka schaute mehr als skeptisch. Sollten wir wegen 10 Dollar das Motorrad riskieren? Die Steine waren wirklich riesig, aber Erik nahm sachte einem nach dem anderen und schon stand unsere Honda an einem einsamen Strand.

Argwöhnisch glotzten wir zunächst die Mangroven an, die wir auf den ersten Blick als den idealen Wind- und Sichtschutz betrachteten. 'Verzichten wir mal lieber auf ein neues Flutabenteuer', dachten wir uns und stellten unser Zelt auf der anderen Seite der Bucht neben den Felsen auf. Gleich um die Ecke lag der wohl schönste Strand der ganzen Baja California. Eine schmale Sandbank verband den Strand mit einer Insel inmitten der Bahía Concepción. Während die Sonne so langsam unterging und den Himmel golden färbte, standen die Motorhomes wie unreal auf dieser schmalen Sandbrücke, umgeben von türkisgrünem, kristallklaren Wasser. Traumhaft!

Am Ende des Tages werden wir sogar noch von einem kleinen Naturwunder überrascht: während Erik sich im Dunkeln noch zu einem kurzen Bad entschließt, nimmt sich Hanka des Abwasches an und grinst einen durchs kalte Wasser springenden Nackedei an, der sich über fluoreszierendes Plankton freut.

 

23. November 2003, Strand an der Bahía Concepción - bei Santa Rosalía
30.272 km, N 27-24-17 / W 112-18-31

Obwohl es an der Golfküste vor allem nachts spürbar milder ist als am Pazifik, haben wir extrem schlecht geschlafen. Irgendwie steckte uns noch die Angst in den Gliedern, dass uns das Rauschen des Meeres in der Nacht zu nahe kommen könnte...

Nach einem eiskalten Morgenbad im Meer gehen wir gemütlich ans Zusammenpacken. Es ist lustig zu beobachten, wie sich die ganze Zeit die Pelikane unermüdlich wie Flugsaurier ins Wasser stürzten. Die müssen Unmengen an Fisch verdrücken können! Es wäre doch traumhaft, irgendwo ein Kayak auszuleihen und in der Bahía Concepción herumzupaddeln. Das wollten wir schon immer mal ausprobieren und die Bedingungen sollen hier ideal sein. Also balancierte Erik hoppladihopp die Honda von unserem einsamen Strand wieder über die Steine auf die Hauptstraße zurück und wir hielten die Augen nach Kayaks offen. Das Wetter verwöhnte uns zwar mit Sonne, nur ein eiskalter Wind ließ uns grübeln, was wir denn auf so einem Kayak überhaupt anziehen sollen. Für Badehosen ist es zu kalt und die Windjacken fühlen sich bestimmt nicht gerade angenehm an, wenn wir das erste Mal ins Wasser gekippt sind. Tja, was tragen eigentlich Kayak-Fahrer?

Bevor wir auch nur einen einzigen Kayak-Vermieter sehen, sind wir schon in Mulegé. Der beschauliche Ort inmitten einer Palmenoase ist einen Stopp wert, nicht nur wegen der guten Meeresfrüchte-Tacos. Wie wir schnell bemerken, hat der Hurrikan auch in der Oasenstadt deutliche Spuren hinterlassen und eine Schneise entlang des Río Santa Rosalía geschlagen. Das Bild ist verheerend und gibt uns eine Vorstellung, welche Naturkräfte hier gewütet haben.

Der Strand am Leuchtturm ist über und über mit Muscheln besäht, wie wir es noch nirgendwo gesehen haben. Schade, dass wir keine mitnehmen können, denn manche sind handtellergroß und perfekt geformt, wie von Shell gesponsert. Vom Leuchtturm aus bietet sich uns ein phantastischer Blick auf den Fluss und das Meer. Wegen des eisigen Windes schwappt die ganze Bucht voller weißer Schaumkronen - ganz schön wackelig für blutige Kayak-Anfänger wie uns. Spätestens jetzt ist sicher, dass wir das Kayaken auf ein anderes Mal verschieben. Wir scheinen uns so langsam dem Winter zu nähern - und von wegen schnorcheln im November...

Ziemlich durchgefroren halten wir kurz in Santa Rosalía. Es dauert keine zwei Minuten und ein umgebauter Mercedes Caravan mit deutschem Kennzeichen stoppt vor uns. Heraus springen ganz aufgeregt Gisela und Heiner aus Heidelberg. Wir müssen wohl dermaßen erfroren ausgesehen haben, dass uns Gisela gleich mit Kaffee und Keksen verwöhnt und binnen Minuten eine heiße Suppe zaubert. Es ist fast wie bei Muttern. Die beiden kommen gerade aus Amerika; kaum zu glauben, aber mitten im Caravan steht eine fette Harley, mit der sie zum hundertjährigen Harley-Treffen waren. Sie sind von Baltimore bis an die Westküste gefahren und machen uns schon ziemlich Lust auf die Staaten. Irgendwie wissen wir nämlich noch nicht so recht, ob wir uns auf Amerika freuen sollen oder nicht. In sämtlichen Ländern, wo wir waren, haben die Amis einen derartig schlechten Ruf. Außerdem fragen wir uns, wie es ist, seit Bush die Zügel in der Hand hat und Schwarzenegger auch noch Governeur von Kalifornien geworden ist. Andererseits fühlen wir uns auch unter Mexikanern nicht allzu wohl, wie wir uns ehrlich eingestehen.

Wir verquatschten eine Ewigkeit mit Heiner und Gisela. Gerade als wir aufbrechen wollen, hält das nächste Gefährt mit deutschem Nummernschild (Augsburg). Das gibt's doch gar nicht! Da haben wir monatelang keine einzige Seele kennengelernt und in diesem Nest fahren sich plötzlich alle über den Weg...

Michel und Susanne sind mit ihrem Iveco-Minitruck auf dem Weg nach Südamerika. Natürlich sind sie scharf darauf, einiges von uns zu hören und bevor wir hier weiter neben der Tankstelle rumstehen, beschließen wir einfach, zusammen aus der Stadt zu fahren und ein Plätzchen zum Campen am Strand zu suchen.

Es war nicht ganz einfach, ein schönes und gleichzeitig windgeschütztes Fleckchen ohne allzu viel Müll zu finden. Der Wind hatte mittlerweile ziemliche Dreckböen auf Lager. Die beiden Caravans bauten schließlich eine Wagenburg, so dass wir einigermaßen sturmsicher unser Zelt hinter den Autos aufbauen konnten. In heftigen Böen wedelte uns der Sandstaub nur so um die Ohren, dass wir uns nicht mal trauten, ein Lagerfeuer zu machen. Bei Michel und Susanne war es auch ohne Feuer urgemütlich und Susanne zauberte gleich leckere Pasta auf die Teller. Wir hatten viel zu erzählen und zu lachen, vor allem über Michels Kollektion von 5-Dollar-Bestechungsuhren aus dem Wallmart für evtl. unwillige Polizisten in Südamerika, wenn es schließlich um Leben oder Uhr geht. Was die Leute doch für Vorstellungen von Südamerika haben... Wir sind schon gespannt zu hören, ob er sie auch wirklich braucht - wohl eher an den Grenzen Zentralamerikas! Schließlich krabbelten auch Heiner und Gisela mit in den Iveco und mit den Heidelbergern wurde es noch lustiger.

Als wir nach unzähligen Tassen Wein aus dem Iveco hüpften (auf den wir übrigens schon ein bisschen neidisch sind), hatte sich der Wind völlig gelegt. Heute gibt es zwar wieder keine Dusche, aber wenigstens haben wir eine ruhige Nacht in Aussicht!

 

24. November 2003, bei Santa Rosalía - Guerrero Negro
30.513 km, N 27-58-15 / W 114-02-44

Susanne und Michel verwöhnten uns zum Frühstück mit phantastischem Milchkaffee und sogar getoastetem Weißbrot. (Der ausklappbare Gitter-Toaster, zu verwenden auf offener Flamme, ist echt der Hammer!) Welch ein Luxus mitten im Nirvana! Natürlich brauchten wir beim Packen länger als die restlichen, obwohl wir uns beeilten, Matten, Schlafsäcke und Zelt zusammenzurollen. So ein Iveco mit ausklappbaren Zeltdach, das wäre doch phantastisch für die nächste Weltreise! Sogar Erik muss zugeben, dass ein derartiges Gefährt ideal für zwei Leute ist - und der Allradantrieb verleiht garantiert auch Abenteuerpisten-Feeling.

Nach dem Frühstück trennten sich leider schon unsere Wege. Heiner und Gisela düsten auf die MEX 1 und Michel und Susanne arbeiteten sich Offroad weiter gen Süden. Wir dagegen bogen erstmal ab ins Meer. So langsam fühlten wir uns arg individualtouristisch stinkend. Was immer auch der Tag bringen mag und egal, wieviele Deutsche wir noch treffen - heute abend brauchen wir ganz sicher eine Dusche mit Shampoo und allen Drum und Dran!!! Endlich ist es mal von Vorteil, den ganzen Tag einen Helm tragen zu müssen...

Unsere erste Station machen wir in San Ignacio. Auch dieser Ort ist eine Oasenstadt, einst von den Jesuiten gegründet, und wirkt unberührt und abgeschieden. Die einzigen Monate, in denen in der Stadt etwas los ist, sind Januar bis März. Dann ziehen in der Laguna de San Ignacio an der Pazifikseite die Grauwale vorbei. Leider sind wir zu früh für die Wale, obwohl wir liebend gern mal welche sehen würden. Misstrauisch werden wir von den Einheimischen beäugt und auch der kleine Supermarkt scheint sein Angebot völlig der Nebensaison angepasst zu haben. Noch nicht mal eine Taco-Bude gibt es in dem verschlafenen Nest, um dieses leichte Grollen in der Magengegend zu stillen.

Die fanden wir stattdessen einige Kilometer später irgendwo am Straßenrand. Sämtliche Trucker hielten hier, was wir als ein gutes Zeichen deuteten. Tatsächlich schmeckte die Ceviche auf Tostadas sensationell gut (es sollte die beste in ganz Mexiko für uns bleiben). Haben wir schon erwähnt, dass wir Mexikos Küche klasse finden nach zig Ländern, wo "pollo con arroz" (Huhn mit Reis) die einzige Mahlzeit zu sein scheint?

Den Nachmittag schlagen wir uns damit um die Ohren, in Guerrero Negro ein Zimmer zu finden. Nicht, dass es keine gäbe, aber uns scheinen die Preise für ein Bett und eine Dusche astronomisch! Dabei ist noch nicht mal Walsaison! Der ganze Ort ist eine einzige Katastrophe: Staub und Dreck wie irgendwo in der Wüste, kaum Straßenschilder, ein abgewrackter Supermarkt - und siehe da - ein völlig überteuertes Internetcafé. Der amerikanische Geldbeutel lässt grüßen!

Nach mehreren Stunden Sucherei können wir endlich die Honda abladen. Natürlich ist die Dusche ein Segen und wir fühlen uns anschließend wie neu geboren. Wie sehr man doch solch selbstverständliche Dinge zu schätzen lernt!

 

25. November 2003, Guerrero Negro - Strand bei San Francisquito
30.688 km, N 28-27-40 / W 112-56-45

Da wir sowieso zu früh für Wale sind, bepacken wir gleich morgens die Honda. Vollgetankt wollen wir es wagen, die Offroad-Tour nach San Francisquito zu machen. "Laster-Markus", den wir in Palenque trafen, hatte uns die Strecke wärmstens empfohlen und auch Erik flimmerte schon das "Offroad-Fieber" in den Augen. Wir haben die berühmte Baja-Ralley leider um nur eine Woche verpasst!

Mit den unterschiedlichsten Auskünften zur nächsten Tankmöglichkeit machen wir uns auf den Weg. Erik will es ohne Benzinkanister versuchen, denn bis Bahía de Los Angeles sollten wir mit der Tankfüllung erstmal kommen. Dort sehen wir dann weiter.

Bis El Arco können wir uns schon mal an Schotter und Wellblech gewöhnen. Danach wird die Piste wirklich abenteuerlich. Wir schlingern uns mehr schlecht als recht durch den Sand, aber die Landschaft rechtfertigt jeden Kilometer. Immer größer werden die Kakteen links und rechts der Piste und wir staunen über eine Artenvielfalt, von der wir nicht geträumt hätten. Es ist phantastisch, auch wenn Hankas Hintern auf dem rutschenden Hinterrad auf Eis geht. In San Diego ist erstmal wieder Reifenwechsel angesagt, denn von dem costa-ricanischem Profil ist nicht mehr viel übrig. Erik genießt die Sandralley in vollen Zügen, selbst wenn wir megaschlecht vorankommen. Das muss wohl an den jugendlichen Cross-Erahrungen liegen...

Irgendwo im Niemandsland sehen wir plötzlich ein Motorrad in unsere Richtung stieben. Offensichtlich hatte der Ami einen Rießenspaß daran, seine leichte Crossmaschine durch den Sand zu heizen. Er fuhr gerade die Baja-Ralley-Strecke vom letzten Wochenende nach und hatte nicht viel Zeit für uns (die Uhr läuft), kann uns aber gerade noch versichern, dass es in Bahía de Los Angeles Sprit geben soll. 6 Stunden und wir wären da. Dann sehen wir nur noch seine Sandwolke.

Wir dagegen schlingern uns Stück für Stück durch den Sand bis wir am Militär-Checkpoint landen. Die Jungs fragen nur nach dem üblichen Woher und Wohin, bestätigen auch noch mal die Tankmöglichkeit und dann dürfen wir weiter. Zu unserem Erstaunen interessiert sich keiner für unsere Obstvorräte, denn wir wissen, dass auf der MEX 1 strikte Landwirtschaftskontrollen gemacht werden. Dabei hätten die Jungs alle Zeit der Welt, um unsere Taschen zu filzen. Wir fragen uns ehrlich, wieviele Leute sich hier überhaupt hinverirren - muss ein elend langweiliger Job sein.

In Kürze erreichen wir den blauen Streifen am Horizont. Das Meer sieht phantastisch blau aus und auch der feine Sandstrand verlockt zum Camping. San Francisquito besteht eigentlich nur aus einem Restaurant, in dem der Wirt mit ein paar amerikanischen Hobby-Fischern einen Magarita nach dem anderen schlürft. Wir werden gleich nett von den Jungs eingelullt, die den frauenlosen Fishing Holiday offensichtlich genießen. Gehaust wird in Zelten voller Angelgeräte, Bierflaschen und Kühlboxen und jeder der Amis prahlt bereits damit, wieviel Fisch schon im Tiefkühlschrank vor sich hinfrostet. Bevor wir uns versehen, gibt es für uns einen Bestellzettel und wir werden gefragt, wieviele Magaritas wir wollen. Erik flüchtet erstmal in die Küche, um unseren Wassersack aufzufüllen und eine Lagebesprechung einzuberufen. Irgendwie passen wir nicht so recht in den Magarita-Angler-Verein und auch die 10 Dollar Zeltgebühren gefallen uns nicht. Okay, von irgendwas muss der Typ ja leben, aber der Strand ist so lang, dass man dämlich wäre, Zeltmiete zu zahlen.

Freundlich, aber bestimmt ziehen wir uns aus der Affäre und verabschieden uns von den Saufkumpanen, um auf eigene Faust ein schönes Übernachtungsplätzchen am Meer zu finden. Vorräte und Wasser haben wir ja dabei.

Wir brauchten eine geschlagene Stunde, um uns vom nächsten Abzweig die 16 km bis ans Meer heranzuarbeiten. Der Sand scheint mit jedem Kilometer tiefer zu werden und Kakteen wuchern so dicht an der Piste, dass wir einige Male mit zusammengebissenen Zähnen die stacheligen Gesellen streiften. 'Hoffentlich fahren wir uns keinen der herumliegenden Stachel ein', betete Hanka innigst. Ein Platten kurz vor Sonnenuntergang blieb uns Gott sei Dank erspart, nicht aber der Kraftakt, das Motorrad wieder aus dem Sand zu zerren. Ein kleiner Anstieg war im mittlerweile knöcheltiefen Sand zu viel des Guten. Das Hinterrad drehte einfach durch und grub die ganze Maschine ein. Irgendwie gelang uns dann auch, die Honda in der tiefen Sandspur zu wenden und den Anstieg wieder hinunterzuschliddern. Es wurde langsam dunkel und wurde höchste Zeit, dass wir unser Zelt aufschlagen - also warum nicht vor dem Hügel. Wir fanden ein windgeschütztes Plätzchen und begannen die übliche Arbeitsteilung: Hanka baut die Hütte auf und wirft den Kocher an und Erik sammelt währenddessen Holz für ein Lagerfeuer. Leider endete unser Paket frisch gekaufter Tortillas komplett im Lagerfeuer, weil bis auf zwei alle verschimmelt waren. Dabei hatten wir uns soooo auf Tacos mit Chorizo gefreut!

 

26. November 2003, Strand bei San Francisquito - Bahia de los Angeles
30.832 km, N 28-58-31 / W 113-32-49

Der Sonnenaufgang präsentierte uns den Strand in seiner vollen Schönheit. Weit und breit war keine Menschenseele. Aus diesem Grund beschlossen wir, unsere Badesachen trocken zu lassen und gleich im Adamskostüm ins kühle Nass zu springen. Der Golf von Kalifornien lag spiegelglatt und ruhig wie ein See - glasklares Wasser, wenn auch ziemlich kalt.

Während wir ausgelassen durchs Wasser plantschten, quiekte Hanka plötzlich auf. Irgendetwas hatte sie in den kleinen Zeh gebissen! Man konnte gerade noch erkennen, wie sich irgend ein Vieh in den Sandboden eingrub und verschwand. Unter brennenden Schmerzen humpelte Hanka erstmal an Land, während Erik immer noch an Spaß glaubte. Der Zeh blutete wie verrückt und ihr fingen die Lippen an zu zittern. Was war da bloß im Wasser? Erik begann allmählich, sich ernsthaft Sorgen zu machen. Das ganze Bein fühlte sich bis zum Oberschenkel taub an und zitterte, so dass Hanka nicht sagen konnte, ob dies vom Schock kam oder etwas Giftiges die Lähmung verursachte. Was nun? Der Schmerz hackte inzwischen so stark, dass Erik verzweifelt die Medikamententasche durchwühlte. Jodsalbe war erstmal gut, aber zu mehr war Hanka tränenüberströmt nicht zu überreden. Der Zeh schwoll ungehemmt an, verfärbte sich binnen Kürze auch noch violett und ein messerscharfer Spalt klaffte auf. Besorgt packte Erik schnell das Zelt zusammen - davon überzeugt, dass wir sofort zu einem Arzt müssen. Hanka verklebte erstmal die Wunde mit Pflaster, um anschließend noch in die Motorradstiefel zu kommen. Es ging irgendwie, dass wir weiterfahren konnten.

Die Tränen waren allerdings gleich wieder trocken gelacht, als wir an unserer Seitentasche dicke Kaktusknubbel entdeckten, die wir gestern prompt auf dem Weg abgerissen und aufgespießt hatten. Auweia - ausgerechnet den Ersatzschlauch haben wir der Seitentasche verstaut! Wenn der mal nicht gespickt ist!

Während der Fahrt kam der Fuß schön zur Ruhe und das Ganze schien nur noch halb so schlimm. Wir rauschten durch Sand und Steine der Küste entlang - immer wieder von riesigen Tälern voller haushoher Kakteen begleitet. Einsam arbeiteten wir uns durch die Wüste, bis uns erneut ein Motorrad entgegenkam. John aus Arizona erklärte uns in bewundernswerter Detailgenauigkeit den restlichen Verlauf der Piste bis Bahía de los Angeles. Er warnte uns auch vor den großen Löchern, die an manchen Stellen die Piste weggespült hatten. Man konnte in metertiefe Senken krachen, wenn man nicht rechtzeitig das Dilemma sah und in die Eisen ging. Dennoch fanden wir die Strecke atemberaubend, auch wenn sich Hanka schon wieder auf Asphalt freute.

Da wir auch heute nur arg langsam vorankamen, fuhren wir bereits im Halbdunkeln den Lichtern von Bahía de los Angeles entgegen. Die Tage scheinen immer kürzer zu werden! Statt wie erhofft ein günstiges Zimmer zu finden, landeten wir nach aussichtsloser Sucherei etwas außerhalb auf einem Campingplatz. Wir schlugen unser Zelt in erster Reihe zwischen gigantischen RV's von Amerikanern und Kanadiern auf, die schon mit ihrem Thanksgiving-Braten im Bauch vor ihren Flimmerkisten saßen und zu Bier übergegangen waren. Duschen müssen wir uns abermal für morgen aufsparen, denn in den Kabinen ohne Licht wimmelte es nur so von Kakalaken! Immerhin hat sich Hankas Zeh schon einigermaßen beruhigt - doch kein Giftbiss, na Gott sei Dank.

 

27. November 2003, Bahía de los Angeles - Strand bei Santa Maria
31.183 km, N 30-23-47 / W 115-54-15

Neugierig werden wir am Morgen von unseren Caravan-Nachbarn beäugt. 'Was, mit so wenig Gepäck kann man reisen?' Die Amis sind wahrlich mit ihrem halben Hausstand unterwegs, um ja auf nichts verzichten zu müssen. Wir haben schon viele Wohnmobile gesehen, aber die RV's der mexikanischen Nachbarn sind echt der Hammer! Natürlich scheinen wir die einzigen zu sein, die die Campingplatzdusche überhaupt benutzen, aber immerhin schaut sie im Tageslicht ungezieferfrei aus. Schon jetzt stellen wir uns darauf ein, dass die nächste Dusche bei den amerikanisch versauten Übernachtungspreisen in der Baja California evtl. auf sich warten lässt. Wir haben ja immerhin unser Zelt und wild campen lässt sich prima. Preislich graut es uns schon vor den Staaten - in den letzten Monaten haben wir uns deutlich nach oben gearbeitet, was das Übernachtungsbudget betrifft. Auf unserer Landkarte leuchtet auch schon ein dickes Kreuz, wo wir die heutige Nacht zu verbringen gedenken. In der Bahía San Quintín soll es ungewöhnlich schöne Muscheln am Strand geben, also auf zur Pazifikküste.

Der Typ im Ort, dem ein paar Benzinfässer gehören, ist schnell gefunden. Natürlich veranschlagt er den Gringo-Preis, aber wir haben ja keine Wahl, denn die nächste Tankstelle soll erst 230 km weiter in Cataviña sein. Anschließend kann es losgehen. Hankas Zeh ist zwar immernoch dick und lila, aber das wird schon wieder werden.

Kurz hinter Bahía de los Angeles stoßen wir auf Asphaltstraße - welch ein Segen nach zwei harten Tagen durch Sand! Wir machen gut Kilometer durch die Kakteen-/Steinwüste und finden uns in Kürze in Cataviña wieder. Der Ort besteht gerade mal aus einem Dutzend Häuser entlang der MEX 1 und zwei winzigen Tankstellen, wovon eine schon ziemlich verwaist ausschaut. Die andere Tankstelle ist geschlossen und während wir nach einem Besitzer Ausschau halten, kommen noch mindestens sechs andere Autos vorbei - alle auf der Suche nach Sprit. Nichts zu machen. Besorgt rechnen wir noch mal nach, ob weitere 190 km drin sind, denn wir wissen, dass es in El Rosario de Arriba ganz sicher eine große Tankstelle geben soll. Grinsend beobachteten uns einige Männer von der Straße gegenüber. Die Typen verkauften Benzin aus ihren Kofferräumen! Wieder zahlen wir den Gringo-Preis, doch dann haben wir das trockenste Stück der Baja hinter uns. Eigentlich sind wir ganz froh, dass es auch ohne einen extra Reservekanister geklappt hat, denn wir müssen schon Wasser und Lebensmittel mit uns herumschleppen.

Mit dem notwendigen Sprit im Tank stürzen wir uns auf das angeblich landschaftlich schönste Stück der MEX 1. Urwüchsig ragen Disteln und Kakteen in der steinigen Wüste gegen einen blauen Himmel. Die schroffen Farbnuancen sind zwar faszinierend, aber wir haben unser schönstes Stück Baja California anscheinend hinter uns (es begann mit unserem Offroad-Abenteuer vor zwei Tagen in El Arco). Nach den Riesenkakteen im Niemandsland, wo höchstens einmal ein Esel oder eine Kuh hindurchstiefelt, haut uns die Ankündigung im Reiseführer nicht mehr vom Hocker.

Der Honda schlägt jedoch das Herz höher, als sie die große PEMEX-Station in El Rosario de Arriba wittert: endlich guter Sprit! Hier ist ziemlich Betrieb und zwei deutsche Auswanderer aus Kalifornien drücken uns witzigerweise gleich ihre Telefonnummer in die Hand. Tja, es ist tatsächlich nicht mehr weit bis Amiland.

Die Bahía San Quintín ist natürlich nicht ausgeschildert, aber wir schlagen uns irgendwie Richtung Meer durch das gottverlassene Kaff Santa Maria. Der Sand türmt sich schließlich zu feinstaubigen Dünen auf, zwischen denen jede Menge Müll gammelt. Es ist grotesk, aber der schöne Strand erstickt im Abfall und wir möchten nicht wissen, was alles noch unter dem Sand in den Dünen vor sich hinrottet.

Wir beschließen dennoch, unser Zelt aufzubauen. Inmitten der Dünen scheint es uns am besten und während wir aufbauen, schauen wir den Mexikanern zu, die gerade einen festgefahren Wagen aus dem Sand zu buddeln versuchen. Wir haben ja bereits einschlägige Erfahrungen mit Sand und diesmal die Honda lediglich bis zur Tiefsandgrenze getrieben. Problematisch ist für uns nur der Wind, der winzige Sandkörnchen über die Dünen und gleichzeitig auf unser Abendessen treibt. Doch dafür ist das mexikanische Unterhaltungsprogramm amüsanter als Fernsehen. Die Jungs brauchten Stunden, um zu graben, Gas zu geben, zu schieben, sich mit Taschenlampen anzufunzeln und schließlich das Abschleppauto auch beinahe festzufahren.

Die Nacht wird eisig und mitten in den Sanddünen ohne Lagerfeuer blieb uns nichts anderes übrig, als in die Schlafsäcke zu kriechen. Es ist erst acht und wir sind kein bisschen müde.

 

28. November 2003, Strand bei Santa Maria – Ensenada
31.437 km, N 31-51-52 / W 116-37-34

Mit Rückenschmerzen vom langen Liegen werden wir wach. Draußen ist es noch immer dunkel und etliche Grad kälter als im Zelt, so dass wir sehnsüchtig auf die ersten Sonnenstrahlen warteten. Um viertel neun können wir endlich aufstehen, ohne uns Frostbeulen zu holen. Mann, oh Mann, es ist wirklich nicht die Jahreszeit zum Campen! 13 Stunden im Zelt zu hocken ist nicht gerade romantisch.

Abgehärtet, wie wir sind, wollten wir gleich als erstes die frischen Wellen testen. Halt - da war doch was! Irgendwie konnte sich Hanka nicht überwinden, die restlichen neun Zehen auch noch zu riskieren und wir blieben lieber an Land. Der morgentliche Spaziergang hatte dafür auch etwas: am Strand lagen Hunderte kleine, weiche Schildkrötenpanzer. Die Schildkrötenbabies müssen erst kürzlich in den Sanddünen geschlüpft sein - einige fristeten offensichtlich nur ein kurzes Schildkrötenleben. Es ist für uns schwer zu begreifen, dass die Kinderstube der Schildkröten von Tonnen vor sich hinrottenden Mülls umgeben ist! Es schert sich einfach niemand darum. Ach, irgendwelche besondere Muscheln (wie im Reiseführer angekündigt) konnten wir nicht ausmachen. Wahrscheinlich exisert die Spezies schon nicht mehr - wegen Umweltverschmutzung!

In der nächstgrößeren Stadt, San Qintín sollten wir die Nase entgültig von Mexiko voll haben. Eigentlich ist es ein Wunder, dass es nicht schon früher passierte. Die mexikanischen Straßenverkehrsteilnehmer sind bisweilen das schlimmste, was wir je erlebt haben. Rücksichtslos und ohne Spiegel heizen die ältesten Rostkarren rußspuckend kreuz und quer über Stock und Topes. Auf zweispurigen Straßen wird vierspurig gefahren usw. - wahrscheinlich ist nur Asien noch schlimmer als das. Jedenfalls überholt Erik gerade eine dieser Blindschleichen, als der Pickup sich überlegt, er könne doch mal links abbiegen. (Müssen wir eigentlich anmerken, dass Blinker entweder aus Faulheit nicht benutzt werden oder um Batterie zu sparen. Meistens funktionieren sie wahrscheinlich ohnehin nicht.) Jedenfalls haben diesmal unsere telepathischen Fähigkeiten versagt! Während wir links neben dem Pickup herfahren, kommt der Trottel immer näher heran, um seinen Turn zu machen. Erik hupt wie ein Wahnsinniger, um den Typen aus dem Tran zu reißen und anzudeuten, dass wir schon fast auf dem gegenüberliegendem Fußweg fahren. Alles umsonst, der Typ will partout links abbiegen - es kracht mörderisch und wir taumeln und schlittern uns bei vollem Verkehr bis auf den gegenüberliegenden Gehweg. Mit zittrigen Knien kommen wir schließlich zum Stehen. Keine Ahnung, wie Erik die Honda aufrecht halten konnte. Das war jedenfalls verdammt knapp!

Als wir langsam absteigen, machen wir uns instinktiv auf das Schlimmste gefasst. Der Aufprall war ziemlich heftig und es fühlte sich an, als wäre die ganze hintere Hälfte des Motorrades hinüber. Schon fast erstaunt darüber, dass es lediglich den rechten Seitenkoffer erwischt hat, laufen wir auf die Straße zurück. Der Pickup hatte tatsächlich angehalten und vor seiner Stoßstange lag zusammengeknüllt wie eine Bierdose unser Alukoffer. Die Innentasche hat es Gott sei Dank im Ganzen herausgeschleudert, sonst wäre unsere gesamte Koch- und Elektronikausrüstung zerquetscht worden. Verdattert stierte der Typ auf seine Stoßstange, dann auf den Alukoffer und das Motorrad. Der Schreck saß auch ihm in den Gliedern und im Nu war ein ganzer Pulk Mexikaner um uns versammelt. Die Situation ist nicht ganz eindeutig: wir wissen, dass wir zweifelsohne innerhalb der Ortschaft zu schnell waren, andererseits hat der Typ auch echt beim Abbiegen gepennt und weder Hupen noch Rufe wahrgenommen. Die Männer möchten von uns wissen, ob wir die Policia herrufen wollen. Da wir keine Einfuhr- noch Versicherungspapiere haben und vermutlich bei Schuldklärungen im Ausland ohnehin die schlechteren Karten haben, verzichten wir dankend, worüber die Schlafplinse gleich erleichtert scheint. Nun spielen sich gleich mehrere der angeblichen Unfallzeugen damit auf, die Sache in die Hand zu nehmen. Als erstes werden wir darauf hingewiesen, dass wir über die durchgezogene Mittellinie gefahren sind. Dieses Argument bringt uns wirklich zum Lachen. Die Mexikaner wollen uns nicht etwa tatsächlich was über Straßenmarkierungslinien erzählen! Vielleicht, wenn man viel Phantasie aufbringt, kann man die blasse Mittellinie noch erahnen. Dann behauptet doch einer aus den hinteren Reihen, dass man in Ortschaften grundsätzlich nicht überholen darf. Uns reicht's; wir schnappen unsere Tasche, den zerknitterten Koffer samt Deckel und einer findet sogar noch das abgebrochene Kofferschloss. Der Typ mit seinem roten Chevy ist inzwischen sang- und klanglos verschwunden. Die Schrammen an seiner Stoßstange scheinen ihn nicht zu interessieren, waren bestimmt schon einige dran.

Geknickt schleppen wir unser verunfalltes Gepäck 100 m weiter zum nächsten Karosseriebauer. Man kann den Laden kaum als Werkstatt bezeichnen, aber der Besitzer und sein Sohn lassen sofort alles stehen und liegen und machen sich eifrig daran, auf unserer Kiste herumzuklopfen. Erik wollte sich eigentlich nur einen Hammer borgen, aber die Jungs legten gleich voll los, während uns die beiden völlig eingedreckten Enkelkinder neugierig inspizierten. Unglücklich schüttelte Hanka nur den Kopf: das kriegen die nie im Leben hin! Das Ding ist doch Schrott. Wir sollten überlegen, wo wir einen neuen Alukoffer herbekommen. Alles andere hat doch keinen Zweck...

Anderthalb Stunden später hat der Seitenkoffer zwar einige Beulen mehr, aber auch fast wieder die herkömmliche Form. Nur der Deckel passt nicht so recht und die obere äußere Randverstärkung ist durch die Schläge abgebrochen. "No problema" für die Jungs, von denen einer gleich zur Ferreteria wetzt, um Blechschrauben zu kaufen. Mehr schlecht als recht werden dann die Schrauben abgezwackt, was schöne scharfe Kanten hinterlässt. Mangels einer Feile in der Werkstatt versuchen wir es mit Malerkrepp, das großzügig übergeklebt sogar zu halten scheint. Etwas Brauchbareres ist nicht zu finden, aber es sollte so erstmal provisorisch gehen. Für 150 Pesos (ca. 15 USD) haben die Jungs mit ihren Mitteln gute Arbeit geleistet!

Nachdem wir uns von dem ersten Schreck erholt haben, geht es mit festgebundenem Gepäck weiter. Zu allem Überfluss hat es die Kofferaufhängung derartig abgerissen, dass alles nur wackelig auf dem Träger hängt. Gut, wenn man immer ein paar Spanngurte giffbereit hat. Wenigstens können wir erstmal weiterfahren. Nur raus aus diesem Nest!

Obwohl die Sonne schon tiefsteht, nehmen wir den Abzweig nach La Bufadora. Michel und Susanne haben uns einen Zugang zum "Blow Hole" verraten, bei dem wir uns sowohl Park- und Eintrittsgebühren als auch die nervigen Souvenirbuden ersparen. Leider ist die Flut nicht auf dem Höchststand, aber die unterirdische Höhle, in die die Brandung gedrückt wird, lässt doch hin und wieder meterhohe Wasserfontänen vor den Augen der Touris in die Höhe schießen. Für uns ist es jedenfalls das erste Blow Hole und war damit den Abstecher wert. Wie zum Abschied von Mexiko taucht die Sonne anschließend den Himmel in ein fabelhaftes Licht und überlässt uns dem Verkehrschaos von Ensenada. Stoßstange an Stoßstange steht der Verkehr in der Stadt und wir reden diesmal von einer richtigen Stadt mit Leuchtreklame, großen Supermärkten und allem Dreck und Chaos nach mexikanischer Manier. Einziger Unterschied: diverse Verkehrsschilder und selbst die "Topes" werden bereits in Englisch angekündigt, speziell für die kalifornischen Tagesausflügler.

Wir brauchen Ewigkeiten, bis wir uns erstmal ins Zentrum durchgearbeitet haben. Dort sollen gleich neben der Hauptgeschäftsstraße die günstigsten Unterkünfte sein, so dass wir uns ziemlich auf ein Bett freuen. Wie immer bleibt einer von uns draußen am Motorrad stehen, während der andere die Preise auskundschaftet. So richtig geheuer ist Hanka die Gegend jedenfalls nicht und Erik kommt und kommt einfach nicht wieder. Während Hanka eine coole Miene aufzusetzen versucht, geht vor dem Hotel der Punk ab! Wir scheinen mitten im Rotlichtviertel gelandet zu sein und Hanka hofft innigst, dass Erik uns nicht bereits fest eingebucht hat. Draußen stiefeln die Prostituierten auf und ab und es dauert keine zwei Minuten, bis ein scheinheiliger Typ Hanka Crack anbietet. Wie wimmelt man am besten einen Drogendealer ab, wenn man doch auf der Stelle warten soll? Während Hanka noch hin und her überlegt, ob sie die Honda alleine samt Gepäckladung um den Block fahren kann, kapiert der Typ letztlich doch recht schnell, dass er nicht mit ihr ins Geschäft kommt. Wo bleibt Erik bloß?! Ohne Skrupel drückt der Dealer schließlich direkt vor Hankas Augen ein Geschäft mit einem Kunden ab. "Ich glaub das alles nicht", flüstert Hanka als Erik endlich aus dem Hotel herauskommt. Gott sei Dank hat er auch schon mitbekommen, was für Volk hier ein- und ausgeht und sogar die Rezeptionistin war ehrlich genug zuzugeben, dass ein Motorrad hier nicht sicher sei - nicht mal im Zimmer. An dieser Stelle sollten wir mal den Reiseführer zitieren, in dem das Hotel Río folgendermaßen beschrieben ist: "ist das beste Hotel unterer Preisklasse vor Ort. Die Zimmer sind gerade noch annehmbar, aber das Klima ist freundlich und außerdem verfügt das Hotel über einen sicheren Parkplatz". Nur soviel zum Thema Reiseführer und den täglichen, kleinen Schwierigkeiten des Reisens.

Weil wir zur mittlerweile späten Stunde keinen Nerv mehr haben, uns irgendwo außerhalb eine Campinggelegenheit zu suchen, quartieren wir uns kurzerhand schräg gegenüber in eine etwas teuere Absteige ein. Wenigstens ist der Besitzer freundlich, die Honda steht direkt vor dem Fenster der Rezeption und alles ist abgeriegelt. Wir bauen vorsichtshalber doch lieber sämtliche Seitentaschen ab, auch wenn das morgen früh mehr Arbeit beim Packen bedeutet. Was für ein Tag!!! Wir wissen nur eins: dass wir uns tierisch auf Amerika freuen!

 

 
Hanka und Erik
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