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Hanka und Eriks "World on 2 Wheels" - Reisetagebuch
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Bula! auf den Fidschis

16./18. Dezember 2003, Los Angeles – Nadi
34.017 km, S 17-47-54 / E 177-24-48

Der traurige Abschied von Paul und Yolanda hängt uns noch nach. Irgendwie war die Stimmung am Boden und wir denken im Flieger die ganze Zeit noch an die Tage mit den beiden. Todmüde landen wir morgens um 6 Uhr in Nadi (man sagt Nandi). Nach dem vorweihnachtlichen Chaos am Flughafen in Los Angeles hätte es uns nicht gewundert, wenn unser Gepäck nicht angekommen wäre, aber glücklicherweise zerstreuen sich die Zweifel, als schließlich doch noch unser Sack und Pack auf dem Gepäckband kreist. Schwer beladen hieven wir unsere Taschen dem Ausgang entgegen und werden dort von einer heiteren Runde Fiji-Gitarrensängern begrüßt. So etwa muss die Ankunft in Hawaii sein (nur dass die Blumengirlanden fehlten). Die Jungs sorgen dafür, dass jedem der übermüdeten Passagiere ein Lächeln über's Gesicht huscht - und sei es der bunten Fiji-Hemden wegen, der Blume im Haar oder der Sulu-Röcke (Sarongs), die man nicht unbedingt an Männerhüften kennt. Jedenfalls finden wir es ziemlich beachtlich, so früh am Morgen schon für gute Laune zu sorgen. Nach dem gelungenem Empfang irren wir scheinbar völlig orientierungslos durch die Flughafenhalle. Es dauert keine halbe Minute und ein Einheimischer nimmt uns ins Schlepptau. Da wir keinen blassen Schimmer haben, wo wir überhaupt hinwollen und was wir mit unseren 3 Wochen Fiji-Urlaub anfangen werden, erhoffen wir uns gutgläubig ein paar Informationen. (Wir hatten bisher weder Zeit noch Lust, unseren neuen Reiseführer zu studieren.) Doch wie befürchtet, ist der Mann nicht annähernd in der Lage, uns so etwas wie einen Überblick über die Inseln zu liefern. Wir sind nicht nur schlecht vorbereitet auf das Wirrwarr an Inselnamen, die sich kein Mensch merken kann - wir haben auch keinen Schimmer, wie sich die Inseln voneinander unterscheiden. Erik versucht hartnäckig, ein paar Anhaltspunkte aus dem Reisebüromenschen herauszukriegen, doch selbst die Hochglanzprospekte (auf denen lediglich bunte Fische und ein paar dunkelhäutige Volleyballspieler am Strand zu erkennen sind), sind nicht besser als das Gestammel des Types. Es wäre auf den Inseln überall schön. So kommen wir nicht weiter - der Typ ist jedenfalls haushoch beim Beratungsgespräch durchgefallen und wir sehen nicht ein, auf Krampf irgend etwas zu buchen, selbst wenn die Weihnachtsfeiertage bevorstehen. Stattdessen sind wir uns schnell einig, erstmal eine Nacht in Nadi abzusteigen und uns dort schlau zu machen. Mit einer Euphorie will der Typ doch tatsächlich das Hostel in Nadi für uns buchen. Er ruft auch an (oder tut zumindest so), aber angeblich wäre bis Samstag alles ausgebucht. Wir glauben kein Wort und sehen zu, dass wir die Bushaltestelle Richtung Nadi finden.

Draußen wird uns erstmal bewusst, in welchem Klima wir gelandet sind. Uns schlägt eine unglaubliche Schwüle entgegen - der absolute Tropenschock, wie wir ihn in Panama bereits erlebt haben. Zu allem Überfluss regnet es auch noch - Regenzeit - und alle daheim denken, wir sind in die Sonne geflogen...

Trotz der vielen Taschen geht das Busfahren ganz gut und wir finden uns in Nullkommanichts in dem dörflich anmutenden Nadi wieder. Wir haben uns für die erste Nacht extra eine internationale Jugendherberge ausgesucht in der Hoffnung, ein paar Fiji-erfahrene Traveller anzutreffen. Doch leider entpuppt sich das Hostel als üble Absteige, in der wir die einzigen Gäste zu sein scheinen. Von wegen alles ausgebucht ... bis Samstag! Pah! Allerdings haben wir auch keine Lust, uns in dem Klima mit dem Gepäck noch weiter abzuschleppen.

Wir laden nur unsere schweren Taschen ab und marschieren aufs Geradewohl ins Zentrum. Nadi gehört nicht gerade zu den Städten, die man gesehen haben muss. Aber durchaus sehenswert sind die gut gebauten, großen Männer (ja von wegen kleinwüchsiges Inselvolk), von denen die meisten zu unserer Belustigung in Röcken herumlaufen. Selbst Wachmänner tragen Hemd und Krawatte - und dazu einen Sulu.

Widerwillig schleppen wir uns ins nächste Reisebüro, allerdings erneut ohne überzeugenden Erfolg. Langsam aber sicher kriecht in uns das Gefühl hoch, dass wir eigentlich gar nicht hiersein wollen. Die Zeit mit Paul und Yolanda in Amerika war so schön - weshalb tun wir uns nur Fiji an? Es regnet sowieso den ganzen Tag, die Leute lügen einem ohne rot zu werden ins Gesicht, Nadi kommt uns schmuddelig und dreckig vor, wir fühlen uns antriebslos - und überhaupt!

Obendrein tun wir uns extrem schwer damit, eine Entscheidung zu fällen und sind am Ende zwar nach wie vor skeptisch, aber auch erleichtert, endlich wenigstens die Fähre für morgen auf die Yasawa-Inseln und zwei Nächte in Nacula gebucht zu haben. Dann ist noch Einkaufen angesagt, denn die Versorgung auf den Inseln soll ziemlich miserabel sein, zumindest was Obst und Wasser betrifft. Anschließend schlafen wir erstmal unseren Jetlag aus - 5 Stunden Zeitverschiebung (und einen ganzen verlorenen Tag) schlauchen schon ziemlich.


19. Dezember 2003, Nadi - Nacula (Melbravo Resort)
34.017 km, GPS-Daten leider verlorengegangen

Die Fährabfertigung macht auf uns einen gut durchorganisierten Eindruck. Pünktlich holt uns der gelbe Sammelbus nach Port Denarau ab und ehe wir uns versehen, sitzen wir mit einem Haufen von bleichgesichtigen Backpackern auf dem gelben Katamaran zu den Yasawas. Das Inselabenteuer kann beginnen. Nicht lange nach dem Ablegen taucht auch schon die erste winzige Insel auf: Southsea Island. Die palmenbewucherte Sandbank mit einer Handvoll Hütten wird von türkisgrünem Wasser umspült und Hanka huscht ein Flackern über die Augen, während Erik mit Schrecken an Langeweile denkt mit der Aussicht, binnen 10 Minuten eine Insel abgelaufen zu sein und sich dabei auch noch einen Sonnenbrand zu holen. Für uns jedoch sollte es Robinson-Crusoe-Feeling auf eine ganze andere Art werden.

Während der Katamaran 4 Stunden lang im strömenden Regen Kurs auf Nordwest schipperte, nahmen wir nicht allzu viel von den restlichen Inseln und Resorts wahr, deren kleine Zubringerboote immer wieder durchgenässte Passagiere im Austausch gegen trockene zum Katamaran brachten. Schließlich schreckten wir erleichtert hoch, als endlich das Melbravo Resort ausgerufen wurde. Uns kam es schon komisch vor, dass wir als die einzigen Gäste in das Abholboot stiegen - und noch komischer, als im ganzen Resort nur ein Gast wohnte. Von wegen Weihnachten wäre alles ausgebucht... Wieder ärgerten wir uns über das Geschwätz der Fijis.

Unser "Lagerhäuptling" begrüßte uns mit einer Ansprache, bei der wir zwischen Lachen, Kichern und Gruseln schwankten. In einem gebieterischen Ton versuchte der Typ uns in gebrochenem Englisch mit einer finsteren Miene die Regeln des Hauses näher zu bringen und uns dabei klarzumachen, dass Melbravo jetzt unser neues Zuhause sei. Entweder stand unser neuer Häuptling total neben sich oder er verfügte noch über zahlreiche Kannibalen-Gene, die seine Kommunikationsweise steuerten. (Fiji war nach der Entdeckung durch James Cook in Europa unter dem Namen "Kannibalen-Inseln" bekannt und tatsächlich wurde Anfang des 19. Jahrhunderts noch der letzte Missionar gegessen.) Er endete seine Ansprache mit den Worten "Eat now!", was so viel heißen sollte, wie: "Ihr müsst doch Hunger haben - wir servieren ein spätes Mittagsgericht in Kürze - wir hoffen, es schmeckt Euch".

Unsere "Bure" (typische, einfache Unterkunft der Fijis aus Palmenblättern) war sehr einfach: eine Wachstuchdecke diente als Fußboden, ein Rohr in der Wand fungierte als Dusche, und Fliesen - was sind bitteschön Fliesen? Okay, wir werden uns schon daran gewöhnen, auch wenn Hanka lieber nicht an die ganzen Tierchen denken mochte, die sich sicherlich in den Ritzen und Ecken des Palmenblätterdaches überall versteckten.

Noch am selben Abend werden wir in die traditionelle Fiji-Küche eingewiesen. Es gibt Barbecue, Brotfrucht, Kasawa, Kartoffeln, Kürbisgemüse und Kokosnuss-Spinat - letzteres ist unser kulinarischer Fiji-Favorit. Danach bugsiert man uns in die Gitarrenrunde und wir dürfen uns glücklich schätzen, an der traditionellen Kava-Zeremonie teilzunehmen. Kava ist das Nationalgetränk Fijis. Die getrocknete Kava-Wurzel wird zu Pulver zerstampft, in ein Säckchen gefüllt und in einem großen Gefäß mit den Händen ausgewrungen. Das Ergebnis hat verblüffende Ähnlichkeit mit Schlammwasser - und viel besser schmeckt es ehrlich gesagt auch nicht. Nachdem der Kava-Pottich lange genug besungen und wahrscheinlich auch geheiligt war, wurde die trübe Brühe in eine Kokusnusshälfte geschöpft und reihum verteilt. Neugierig nahmen wir unsere erste "Bilo" in Empfang, klatschten brav einmal in die hohle Hand, erhoben die Schale mit "Bula!" und würgten das Zeug in einem Zug hinunter. Anschließend musste man dreimal in die Hände klatschen und "Maca" (Ma-Tha) sagen. Das Zeug schmeckte widerlich: eine Mischung aus kalkhaltiger Erde und chinesischem Medizin-Tee. Obendrein spürte man sofort, wie Zunge und Lippen leicht taub wurden, so als käme man vom Zahnarzt. Schon nach der ersten "Bilo" hatten wir eigentlich genug, aber keiner von uns wagte es, unserem "Resorthäuptling" zu widersprechen. Nachdem wir noch drei weitere Runden Kava über uns ergehen ließen, spürten wir deutlich die andere Wirkung von Kava: man wird müde. Ein guter Vorwand, um sich letztendlich höflich aus der Runde zu stehlen. Wir hätten nicht eine einzige Schale von dem Gesöff mehr hinuntergebracht! Dennoch klangen die Gitarren und die jungenhaft hohen Stimmen der Männer noch einige Zeit in die Nacht hinein. Und alles ohne Alkohol.


20.-21. Dezember 2003, Nacula (Melbravo Resort)
34.017 km, GPS-Daten leider verlorengegangen

In den beiden vergangenen Tagen begannen wir langsam, uns ein wenig einzugewöhnen, obwohl wir trotz des besseren Wetters uns noch immer fehl am Platze fühlten und Amerika nachtrauerten. Irgendwie standen wir auch weiterhin unter Strom und taten uns verdammt schwer damit, Fiji zu genießen und endlich mal auf Urlaub umzuschalten. Jetzt waren wir schon in der Südsee (von der die meisten Menschen nur träumen können) und wussten diese Station unserer Reise kein bisschen zu schätzen. Wie befürchtet, jammerte Erik auch noch der Honda hinterher und ertappte sich dabei, die Moskitos anzuschreien. Wir nahmen uns fest vor, einen Gang runterzuschalten und Fiji eine faire Chance zu geben.

Am Sonntag folgten wir unseren neuen Brüdern und Schwestern ins Dorf und nahmen am Gottesdienst teil. Die meisten im Dorf hatten sich ganz schick gemacht und folgten mit Würde der Zeremonie. Für uns waren nicht nur die Temperaturen in den heiligen Hallen anstrengend, sondern vor allem das lautstarke Gezeter des Predigers. Er muss wohl ziemlich böse gewesen sein oder versuchte den Leuten ein schlechtes Gewissen für irgendetwas einzureden. Wie üblich zappelten die Kinder in den ersten Reihen ungeduldig herum, während einige der Erwachsenen sogar einschliefen. Uns ging es wohl eher wie den Kindern und wir waren froh, als die Zeremonie zu Ende war. Danach postierten sich sämtliche Respektpersonen - und dazu zählten auch die Touristen - in einer Reihe vor der Kirche auf und schüttelten jedem die Hand.

Ein kleines Mädchen wählte uns anschließend als ihre Sonntagsgäste aus und nahm uns mit zu ihrem Haus zum Mittagessen. Die Kinder waren gerade für die Weihnachtsferien vom Festland aus den Schulen nach Hause gekommen, so dass es ein großes Fest wurde. Das Haus besaß drei Türen, uralte, welk gewordene, rahmenlose Fotografien zierten die Wände und in der Mitte des einzigen Raumes lag eine riesige geflochtene Palmenstrohmatte. Wie sich schnell erraten ließ, diente diese als Tisch, Stuhl und Schlafmatte zugleich - es gab nämlich keinerlei Möbel. Anfangs fühlten wir uns ein bisschen unbehaglich, doch die Kinder nahmen uns schnell jegliche Scheu und wollten, dass wir Fotos machten. Kaum hatte die quirlige Bande herausgefunen, dass wir eine Digitalkamera hatten, wollte jeder in den Fotoapparat und anschließend das Resultat auf dem Bildschirm ansehen. Diese Entdeckung verursachte ein Riesengedränge vor unserer Linse, so aufgedreht waren die Kleinen. Wir freuten uns mit den Kindern, denn wie oft passiert es einem, dass sich die Einheimischen nicht für Fotos genieren?

Wir wurden dann hereingerufen, um der ausschließlich Männern vorbehaltenen Kava-Zeremonie beizuwohnen. 'Oh nein, nicht schon wieder' ging es uns durch den Kopf, doch wir zeigten uns geehrt und nahmen die Bilo an. Anschließend gab es Mittagessen: Fischsuppe, Brotfrucht, Kartoffeln und Kasawa-Wurzeln. Man brachte uns eine Schale Wasser zum Händewaschen und einen Krug zum Trinken. Nachdem wir so vielen Leuten schon die Hand geschüttelt hatten, kam uns das Händewaschen ganz gelegen, obwohl wir keinen Schimmer hatten, ob das Händewaschen die erhoffte Wirkung hatte. Als jeder eine Schale Brühe mit einem in der Mitte halbierten Fisch darin vor sich stehen hatte (wir bekamen als Gäste ein Mittelstück, die Kinder mussten sich mit den Fischköpfen zufrieden geben), wurde gebetet und das Gelage startete. Wir schauten zunächst, wie die Fijis aßen - dabei immer bemüht, die vielen Hundert Fliegen von uns und Nahrung fernzuhalten. Wenn wir uns hier keine böse Darmüberraschung einfangen, dann sind wir wirklich gut abgehärtet. So ganz wohl war uns nicht bei dem Gedanken, zumal Weihnachten vor der Tür stand. Aber es war auch ein Erlebnis, Fischsuppe ohne Besteck mit den bloßen Fingern zu essen. Die Einheimischen stellten sich wesentlich geschickter an als wir, alle Beilagen in die Fischbrühe zu tunken und keine der zahlreichen Fischgräten mitzuessen. Wir aßen brav unsere Schüsseln leer - alle leeren Teller gingen postwendend nach draußen, um von Hund und Katze abgeleckt zu werden - und nahmen die ungewohnte, aber herzliche Atmosphäre mit vollen Sinnen auf. Es war schon etwas Besonderes, einfach so mit diesen Menschen zu sitzen und zu essen, ein Teil von ihnen zu sein. Wie oft wünscht man sich, irgendwo so hautnah ein Land und seine Menschen zu erleben!

Den Rest der Zeit verbrachten wir mit Schnorcheln, Paddeln und Nichtstun. Wir kundschafteten gleich am ersten Tag die restlichen drei Backpacker-Resorts auf der Insel aus, zumal wir gern in eine Bure mit elektrischem Licht gewechselt wären, um nicht jeden Abend zwangsläufig um 8 Uhr ins Bett gehen oder Kava trinken zu müssen. Oarsman's Bay ist vermutlich die beste Wahl auf Nacula, aber auch nicht ganz unsere Preisklasse. Den schönen Strand dort und das "Hausriff" gibt es auch gratis für Low-Budget-Touristen zu genießen. Dennoch fanden wir im Nachhinein unsere Wahl ganz gut, zumal es in keinem der Resorts so familär zuging wie im Melbravo. Hier kamen die Einheimischen zum Strand und man konnte sich stundenlang mit ihnen unterhalten oder mit den Kindern spielen. Man würde es nicht einmal merken, wenn eins der zweijährigen plötzlich anfängt, im Sand Hankas Fußnägel mit Nagellack zu bepinseln...

Im Nachbar-Resort gab's Kayaks zu mieten - wie wir fanden eine gute Gelegenheit, um einen Tag um die Inseln zu paddeln. Gesagt, getan - und schon saßen wir mit gut verpackter Kamera, einem Lunchpaket und reichlich Sonnencreme auf der Haut auf zwei wackeligen Plastikkayaks und schipperten mit Kurs auf Nanuya Lailai. Anfangs ging es ganz gut durch das seichte, türkisklare Wasser, durch das man sogar bunte Fische, Korallen und blaue Seesterne sehen konnte. Doch je weiter wir nach draußen paddelten, desto heftiger wurden die Wellen und die Strömung, so dass wir zunehmend Probleme hatten, Gleichgewicht und Richtung zu halten. Schwups, lag Erik auch schon im Wasser. Er gab sich alle Mühe, Rucksack, Paddel, Handtuch, Sonnenbrille und -hut zu sichern und gleichzeitig wieder aufs Kayak zu steigen. Hanka musste echt aufpassen, vor lauter Lachen nicht auch noch zu kentern. Schließlich schaffte es Erik nach einem zweiten Kenter-Stunt, wieder auf der Plastikschale zu sitzen, wobei der Hut auf nimmer Wiedersehen in den Wellen verschwand.

Kaum, dass wir unsere Kayaks ziemlich erschöpft an einen einsamen Strand gezerrt hatten und uns über das salzwassergetränkte Picknick hermachten, wurden wir auch schon vertrieben. Statt auf Nanuya Lailai waren wir auf der benachbarteten Insel, Turtle Island, gelandet. Wir mussten uns das Grinsen verkneifen, als wir mitten im Dschungel ein golfkart-ähnliches Mobil zwischen den Palmen entdeckten, auf dem die schwerreichen Touristen über die Privatinsel kutschiert wurden. Hier hatten wir natürlich nichts zu suchen und so paddelten wir weiter, am Wachturm vorbei, nach Nanuya Lailai. Von den vier Ressorts schien uns das Sunrise am lebhaftesten und wir reservierten die letzte freie Bure für Weihnachten. Anschließend ging es quer zurück durch die Strömung zur Oaersman's Bay, wo Hanka zu Eriks Erstaunen noch die Kraft aufbrachte, das Riff erneut abzuschnorcheln. Völlig kaputt und mit Blasen an den Händen quälten wir uns abends zurück zum Melbravo, wo wir uns einen letzten Abend von unserem seltsamen, aber inzwischen ins Herz geschlossenem "Resorthäuptling" bewirten ließen. "Eat now!"


23. Dezember 2003, Nacula - Nanuya Lailai (Sunrise Lagoon Resort)

34.017 km, S 16-56-46 / E 177-22-53

Die Tage im Melbravo Resort auf Nacula waren für uns trotz der fehlenden Gäste alles andere als langweilig. Dennoch befürchteten wir, dass uns Heiligabend nicht nur das Heimweh, sondern auch die Einsamkeit packte. Wir wolllten es nicht darauf ankommen lassen und nahmen uns ein Wassertaxi nach Nanuya Lailai. Im Sunrise fanden wir uns unter 24 Backpackern wieder, von denen die eine Hälfte gerade auf dem Weg von West nach Ost um die Welt und die andere Hälfte in umgekehrter Richtung unterwegs war - bis auf einen: Patrick. Der 27jährige Osnabrücker Geograph war schon ein Original: bereist mit Vorliebe Inseln, kann alle Hauptstädte der Welt benennen und bringt es auf 600 Gläser selbstgemachter Marmelade im Jahr! Zusammen mit Annika und Benedict (ein Lehrerpärchen auf Flitter-Weltreise) haben wir schnell Freundschaft geschlossen.


24.-29. Dezember 2003, Nanuya Lailai (Sunrise Lagoon Resort)

34.017 km, S 16-56-46 / E 177-22-53

Heimweh tut nur halb so weh, wenn man die richtigen Leute um sich hat. Da war er nun gekommen: Heiligabend. Während Patrick jedes Jahr dem Weihnachtstrubel daheim entflieht, dachten Hanka und Annika wehleidig an die Lieben daheim. Wir fühlten uns so gar nicht weihnachtlich bei über 30 Grad, enorm hoher Luftfeuchtigkeit, Palmen, Sand und irgendwo in der Südsee. Natürlich kullerte auch die eine oder andere Träne, doch es gab auch genug Ablenkung. Nachmittags spazierten wir mit unseren Schnorchelsachen zur Blauen Lagune. Der gleichnamige Hollywood-Streifen über die türkisgrüne Bucht mit der jungen Brooke Shields als Hauptstar hat Fiji berühmt gemacht. Wir sind etwas enttäuscht, als wir um die Ecke biegen. Ein Teil des Strandes ist als Privatstrand gesperrt, wo die vornehmen Gäste der "Blue Lagoon Cruises" Picknick celebrieren. Der Rest des Strandes ist ein mehr oder weniger schmaler Sandstreifen, den nicht mal unser gemeinschaftlicher Sanddamm vor der Flut schützen konnte (Patrick baut mit Abstand die besten Dämme von uns fünf!). Wir saßen Ewigkeiten zusammen im flachen Wasser, beobachteten die Fische und Seesterne und hatten zusammen viel Spaß. Da wir alle fünf Taucher sind, waren wir ziemlich schockiert über das Riff vor der blauen Lagune. Entlang des Strandes ziehen sich riesige Korallenstöcke, die in einer Wand ins offene Meer abfallen - eigentlich traumhaft für Taucher - aber: allesamt tot! Statt farbenfroher Korallenpracht sahen wir nur graue, abgestorbene Korallen. Man braucht nicht zweimal darüber nachzudenken, wieso das Riff tot ist, wenn seit des Filmes die Boote in Scharen über die empfindliche Unterwasserwelt düsen, ankern und eingeölte Touristen ins Wasser springen und auf den Korallen herumtrampeln lassen (Dass sich selbst die Einheimischen nicht um Korallen scheren, haben wir später beim Schnorcheltrip hautnah erlebt.). Die Spuren sind jedenfalls nicht zu übersehen und schmerzen jeden, der einen vernünftigen Umgang mit der Unterwasserwelt kennengelernt hat.

Am Heiligabend überraschten uns Tui und der Rest der Sunrise-Belegschaft mit einem tollen Buffet nach Fiji-Art, zwei Weihnachtsliedern und einem windschiefen Ding von Zirbelkiefer oder ähnlichem, das in der Mitte des Raumes, mit einer bunten Lichterkette behangen, blinkerte. Wir genossen das Essen und die lieben Gesten sehr, wussten wir doch, dass alles auf diesen Inseln vom Festland hierher geschippert werden musste, da es außer Kokosnüssen und Muscheln einfach nichts gab (nicht mal einen Laden). Aus Sympathie zu den meisten Europäern, die alle am 24ten und nicht erst am 25ten Weihnachten feiern, sangen sogar die Engländer, Amerikaner, Neuseeländer und Australier mit. Wir waren ein Haufen bunt zusammengewürfelter Nationalitäten, von denen wohl alle mehr oder minder gerade an Zuhause dachten.

Nach dem Essen saßen alle erwartungsvoll am Strand, denn es sollte gleich eine spezielle Darbietung des Meka-Tanzes für uns geben. Wir nutzten die Zwischenzeit, um kleine Geschenke aus dem Ärmel zu zaubern. Obwohl wir zwei uns abgesprochen hatten, dass es dieses Weihnachten keine Geschenke gibt, durfte Erik den nächsten Reiseführer für Australien auspacken und Hanka freute sich über eine gefädelte Muschelkette und eine symbolische Einladung zum Sushi-Essen. Anscheinend konnten wir uns beide Weihnachten ohne die kleinste Überraschung für den Menschen, den man am liebsten hat, nicht vorstellen.

In den darauffolgenden Tagen passierte nicht viel Aufregendes und wir stellten fest, dass wir endlich in unseren Köpfen auf "Fiji-Time" umgeschaltet hatten und die Zeit ohne Stress genossen. Eigentlich war es mal schön, sich um nichts kümmern zu müssen, drei gute, warme Mahlzeiten am Tag serviert zu bekommen und sich höchstens zu ein paar Ausflügen aufzuraffen. Einer davon führte uns zu einer Höhle, durch die man schwimmen konnte. Anders als in Guatemala, war diese Höhle kein bisschen eng, dunkel oder gruselig. Es gab noch nicht mal fliegende Monster. Gruselig wurde es erst, als wir unter einem Felsvorsprung in den nächsten, fast dusteren Höhlenraum tauchen sollten. Der Innenraum war wunderschön und hatte eine großartige Akkustik, so dass Bene gleich ein paar gänsehautmäßige Mönchsgesänge zum Besten gab. Die muffigen Wände hallten nicht nur jede Schwimmbewegung wider, sondern reflektierten das helle, türkisgrüne Wasser vor dem Felsvorsprung. Die Tour war "really awesome", wie wir noch lange die Amis nachäfften.

Leider gab es auf Nanuya Lailai auch ein paar traurige Stunden. Zuerst reiste Patrick ab und kurz darauf mussten wir uns auch von Annika und Bene trennen. Die beiden wollen wir zwar am Dienstag auf Naviti wiedertreffen, aber uns fehlten sie trotzdem. Mit wem sollten wir uns jetzt im Kim's Teahouse den selbstgebackenen Schokoladenkuchen teilen, mit wem sollte Hanka echte Frauengespräche am Strand führen und überhaupt. Obwohl sich Hanka über sich selbst ärgerte, konnte sie das Schluchzen nicht unterdrücken, als Annika und Bene zum gelben Katamaran fuhren, der jeden Tag pünktlich um eins neue Backpacker auf die Inseln brachte und die Checkout-Gäste abholte. Ein tägliches Spiel von Abschied und Willkommen. Wieso schließt man auf Reisen manche Leute nur so schnell und tief ins Herz, wie es zuhause kaum vorstellbar wäre?


30. Dezember 2003, Nanuya Lailai - Naviti (Korovou Eco Resort)

34.017 km, S 17-06-20 / E 177-13-34

Naviti ruft und wir freuen uns schon auf Annika und Bene. Heute sind wir diejenigen, die zum gelben Katamaran müssen. Wir verabschieden uns von Tui und werden anderthalb Stunden später mit Gitarrenklängen, Begrüßungs-Bula-Song und einer frischen Kokonuss im Korovou Eco Resort empfangen. (Bula ist übrigens das wichtigste Wort auf Fiji. Es bedeutet alles Mögliche, wie Hallo, Willkommen, Wie geht's, Prost,...) Dann stehen da auch noch Annika und Bene und schwingen schon die Hüften im Takt - wenn das keine Begrüßung ist!

Das Resort ist um einiges größer und unpersönlicher, als wir es von den letzen beiden Inseln kennen. Dennoch wirkt der große "Garten" wie ein Paradies. Um Geld zu sparen, entscheiden wir uns für Campen. Schließlich schleppen wir schon die ganze Zeit Zelt und Schlafsäcke mit uns herum, das Wetter ist brilliant und es gibt genug schattige Plätze unter den rotblühenden "Christmas-Trees".


31. Dezember 2003 - 1. Januar 2004, Naviti (Korovou Eco Resort)
34.017 km, S 17-06-20 / E 177-13-34

Wir schlafen gut in unserem Zelt und fühlen uns auf Naviti ziemlich wohl. Wie wir schnell herausfanden, gibt es hier jedoch zwei grundsätzliche Probleme: eine massive Fliegenplage (so dass man keine ruhige Minute in der Hängematte verbringen kann) und eine ziemlich knappe Verpflegung. Angeblich gibt es so viele Fliegen, weil gerade Mango-Ernte ist, aber Hanka findet dafür eine eigene Theorie. Hinter der letzten Hecke gammelt der Müll vor sich hin, bis er von Zeit zu Zeit abgefackelt wird - ein wahres Fliegenparadies. Hingegen tummeln sich bei den Mangobäumen mit ihren süß-reifen Früchten kaum mehr Fliegen als anderswo. Mangos werden in diesen Tagen für uns eine willkommene Ergänzung zu den wirklich dürftigen Mahlzeiten. Weil keiner so recht satt vom Mittag, geschweige denn vom Frühstück wurde, stürzte sich jeder auf das Nachmittagsgebäck. Es kam schon einer Raubtierfütterung gleich und besonders die Männer lukten immer argwöhnisch gen Küche, ob da noch ein Teller käme. Schwimmen macht halt hungrig - und wir verbrachten Ewigkeiten im Wasser beim Schorcheln. Ein Stück weiter draußen gab es ein phantastisches Riff mit vielen Schluchten, Verzweigungen und Höhlen. Man wurde einfach nicht müde, immer wieder etwas Neues zu entdecken. Leider tat das Salzwasser Hankas Lippen nicht allzu gut und binnen Stunden wuchsen kleine Bläschen auf der Unterlippe. Herpes - also wohl oder übel Kuss- und Schnorchelpause! Unser diesjähriges Silvester wurde ein ganz Besonderes. Während man bei den Mahlzeiten der letzten Tage mit Sicherheit keinen Hüftspeck ansetzen konnte, gab's am Silvesterabend ein Buffet vom Feinsten. Anfangs luden sich alle noch die Teller voll aus Sorge, dass die leckeren Sachen binnen Minuten abgeräumt sind, aber es gab von allem gut und reichlich. Anschließend wurden wir Gäste die restlichen Stunden des Jahres mit allerlei Tänzen, Gesängen und Showeinlagen bei Laune gehalten - was den Jungs und Mädels vom Korovou großartig gelang. Das Animationsprogramm war noch herrlich unprofessionell - deshalb waren auch schon alle ganz verrückt darauf, den Bula-Tanz zu tanzen (ein scharfer Aerobic-Beat, der hier traditionell jeden Abend den neuen Gästen beigebracht wird). Anschließend gab's zur Amüsierung der Damen Kokosnuss-Schupsen. Dazu bekamen die Männer eine Kokosnuss zwischen die Beine gebammelt, mittels der sie eine zweite Nuss mit entsprechenden Hüftbewegungen ins Ziel zu schießen hatten. Bene hatte von allen das meiste Glück - oder natürlich den besten Hüftschwung - und gewann haushoch.

Aber der Höhepunkt des Abends war eindeutig der Feuertanz. Allein der Auftritt von Moses und den anderen Jungs in Baströckchen, Palmenblattstutzen, eingeölten Muskeln und Feuer-Hanteln ließen jedem den Atem stocken. Irgendwie waren die Jungs jedoch nicht in Hochform, denn die Gäste in den ersten Reihen bangten ganz schön um ihre Haut. Ständig rutschten ihnen die kreisenden Feuerhanteln aus den Händen, flogen im hohen Bogen umher und fackelten dabei um ein Haar die Palmenblatt-Sonnenschirme ab. ("Nach einer Tüte Marihuana klappt es immer besser", beschwörten sie hinterher, heute hatten sie noch keine.) Es war eine lustig-makabere Show - vor allem nicht mal ein Feuerlöscher oder Wassereimer in Sicht. (Wir ertappen uns kichernd dabei, unbewußt die Sicherheitslage abzuchecken - ist das nicht Deutsch?) Die Jungs waren jedenfalls der Knaller schlechthin! Bevor wir uns versahen, war es kurz vor Mitternacht. Man nahm es hier mit der Zeit nicht so genau und so fing irgendwann einer bei 60 an zu zählen. Der ganze Countown dauerte bestimmt 3 Minuten, aber egal. Schon flogen die Luftballons umher und alle fielen sich in die Arme. Unser erstes Silvester ohne Sekt und Feuerwerk - daheim steht wahrscheinlich gerade das Mittagessen auf dem Tisch und keiner verschwendet auch nur einen Gedanken daran, dass woanders in der Welt soeben ein neues Jahr begonnen hat. Na gut, wir wissen ja, wieviele bei uns in Gedanken sind - Happy New Year!!!

Den 1. Januar verbrachten wir zwar ausgesprochen nüchtern, fühlten uns aber dennoch ziemlich übernächtigt und mussten jede freie Minute in der Hängematte verbringen. Wahrscheinlich wäre heute niemand darüber böse gewesen, das 8-Uhr-Frühstück auf 10 zu verschieben. Was sind wir doch für Weicheier geworden, nur weil uns 'ne Mütze Schlaf fehlt...
 

2. Januar 2004, Naviti - Kuata (Kuata Resort)
34.017 km, S 17-21-68 / E 177-08-06

Annika geht's leider gar nicht gut: auch sie plagt sich mit Herpes herum und ist völlig außer Gefecht gesetzt. Bei ihr schlagen bereits die Lymphknoten Alarm und über Umwege macht Bene auf der anderen Seite der Insel eine deutsche Ärztin im praktischen Jahr aus, die per Funk eine Ferndiagnose stellen kann. Leider gibt es weit und breit keinen Arzt oder Apotheker und man tut gut daran, lieber keinen zu benötigen, solange man auf den Inseln verweilt. Es blieb den beiden gar nichts anderes übrig, als zurück nach Nadi ins Krankenhaus zu fahren, damit Annika die richtige Medizin bekommt. Auch wir packen unsere Siebensachen, obwohl wir schon seit Tagen mit unserer Entscheidung zwischen dem Festland und der nächsten Insel schwankten. In 5 Tagen geht's nach Neuseeland und wir wollten auf jeden Fall die Zeit bis dahin noch genießen. Ist es uns doch anfangs so schwer gefallen, uns in Fiji wohlzufühlen, so bereuen wir inzwischen unseren Stopover kein bisschen. Sogar an die neuen Fiji-Hits von Docki Docki, die überall rauf und runter gespielt werden, kann man sich gut gewöhnen - wir werden sie auf jeden Fall vermissen.

Am Vormittag kraxeln wir noch auf den Berg zum Nathilau Point. Der Anstieg ist steil und extrem schweißtreibend, wird aber mit einem gigantischen Ausblick auf die ganze Soso Bay mit dem Schildkrötenfelsen und auf das Dorf belohnt. Der Gipfel wäre auch eine Fundgrube für Spinnenliebhaber. Unter den Bäumen hängen riesige Biester in ihren Netzen und warten auf Beute. Wohlgemerkt sind Fijis Spinnen nicht gefährlich (sagen die Einheimischen und ziehen dazu ein gelangweiltes Gesicht), wenn auch die großen Viecher immer wieder für Aufregung in den Bures sorgen, besonders unter den weiblichen Gästen.

Am Nachmittag schippern wir vier zusammen zum gelben Katamaran, der seine Tagesrunde zurück zum "Festland" macht. Relativ spontan entscheiden wir uns dann für einen letzten Zwischenstopp auf Kuata. Irgendwie graut uns vor den fetten Regenwolken , die schon seit Tagen über Vitu Levu (dem "Festland") hängen. Manche meinen zwar, man habe Fiji nicht gesehen, wenn man Vitu Levu nicht umrundet hat, aber wir wollen wenigstens einmal nicht gesehen haben, was man unbedingt gesehen haben muss. Es kann schon ziemlich anstrengend sein, was man sich selbst auf Reisen für Sightseeing-Zwänge auferlegt. Und tut man es nicht selber, so sorgen automatisch die anderen dafür, nach dem Motto: "Was, Ihr wart in Fiji und nicht da und da?" Hallo, es ist Regenzeit und überhaupt suchen wir einfach nur mal Ruhe...

Nach einer Stunde heißt es schon wieder Abschied nehmen von Annika und Bene. Während uns beide das kleine Boot vom Kuata Resort abholt und wir genau den Regenguss abpassen, winkt Bene noch lange vom Katamaran aus. Wieder einmal nimmt sich Hanka den Abschied viel zu sehr zu Herzen und ärgert sich über das nachfolgende Stimmungstief. Wenn man doch nur über seinen eigenen Schatten springen könnte!


3.-4. Januar 2004, Kuata (Kuata Resort)
34.017 km, S 17-21-68 / E 177-08-06

Mit den Abschiedstränen verschwand auch der Regen und wir verbrachten eine schöne Zeit auf Kuata. Die Sonnenauf- und -Untergänge waren die atemberaubendsten von allen Inseln. Es wurde regelrecht zur Gewohnheit, dass sich alle nach dem Abendessen am Strand einfanden, um den farbenprächtigen Himmel zu bestaunen. Wir waren eine kleine Gruppe von Gästen, die sich alle wie in einer Familie fühlten. Tim, unser Künstler aus Neuseeland, zeichnete sogar unsere Portraits in den Sand, während die Sonne unterging. Mariza und Tobias (ein australisch-schwedisches Pärchen) malten uns dazu Südaustralien in den schillernsten Farben aus. Vielleicht besuchen wir die beiden mal in Adelaide?

Neben diesen schönen kleinen Momenten, gab es auch zwei ganz große. Wir buchten (trotz Hankas Herpeslippe) einen Schnorcheltrip, da die Chancen gut standen, Haie zu sehen. Mitten im Pazifik sprangen wir genau da ins Wasser, wo sich die großen Wellen brachen. Uns erwartete ein gigantisches Riff mit schillernden Fischen und farbenprächtigen Korallen. Hanka entdeckte gleich den ersten Schatten am Meeresgrund herumschleichen - ein Hai - doch der alte Angsthase machte sich gleich aus dem Staub, bevor die anderen herangeschwommen waren. Kurze Zeit später schlossen dann alle Bekanntschaft mit drei weiteren großen White-Tip-Haien. Die Tiere waren wunderschön anzuschauen, wie sie da in sicherer Entfernung unter uns am Riff entlang kreisten. Es war so aufregend!!! Eigentlich hätten wir uns unsere erste Begegnung mit Haien extrem panisch vorgestellt. Stattdessen war von Angst keine Spur - nur Bewunderung, wie elegant sich die drei Tiere im Wasser bewegten. Man hätte am liebsten noch näher heran schwimmen wollen. Leider führte uns der Schnorcheltrip auch direkt wieder vor Augen, wie wenig sich die Einheimischen um ihre Unterwasserwelt scheren. Die Fischer zogen ihre Netze direkt übers Riff - ohne Rücksicht auf Verluste. Erik sah sogar, wie einer der Fischer mit seinen Flossen ein Riesenstück einer rosa Tellerkoralle abbrach. Bedenkt man, dass Fiji 10.020 qkm Korallenriffe hat mit 398 Korallenarten, so ist es erschreckend zu lesen, dass 68% der Korallenflächen gefährdet sind (zum Nachschlagen: www.coralcay.org)! Manchmal fühlt man sich einfach machtlos, wenn man so sieht, was der Umwelt angetan wird!

Um etwas Positives der Fiji-Kultur mit nach Hause zu nehmen, überzeugte Hanka David, den Chefkoch, sie in seine Töpfe schauen zu lassen. Man kann auf den Inseln alles mögliche lernen: Armbänder, Lesezeichen und Körbe aus Palmenblättern zu flechten, die verschiedensten Arten, einen Sulu zu binden, die wichtigsten Fiji-Vokabeln usw. Was man leider (noch) nicht lernen kann, ist Fiji-Kochen. Fiji-Küche ist zwar für unsere Begriffe nicht besonders abwechslungsreich aber sehr lecker. Die Jungs waren von der Idee gleich ganz angetan und Hanka erfuhr nun endlich - als erster Gast in der Küche - die erste Kochlektion und das Geheimrezept für den Kokosnuss-Spinat. Das Kochen mit Koji, Joe und David machte total Spaß und Hanka war ganz platt, dass die Jungs extra den Speiseplan änderten, um ihr das Spinatrezept zu zeigen. (Also, Annika und Bene - wenn wir uns in Deutschland sehen, gibt's mehr von dem Zeug!) Sind solche spontanen Erlebnisse nicht viel berührender als Sightseeing?


5. Januar 2004, Kuata – Nadi

34.017 km, S 17-47-54 / E 177-24-48

Ein letzter Tag auf den Inseln - Fiji wird uns fehlen. In aller Ruhe bauen wir das Zelt zusammen, schütteln jedes Sandkorn ab und wischen den Sandstaub von den Heringen. Ausgerechnet in den letzten Tagen haben sich allerlei Raupen von den Bäumen abgeseilt, sich prompt darauf in jeder einzelnen Lasche oder noch so kleinen Nische unseres Zeltes verkrochen, um sich zu verpuppen. Die neuseeländische Landwirtschaftskontrolle wird begeistert sein, wenn Schmetterlinge aus unseren Taschen fliegen. Sogar in die kleinen Winkel der Taucherbrille haben sich die grünen Viecher eingenistet!

Wir werden rührend mit dem wohl traurigsten Lied in ganz Fiji von der Crew am Strand verabschiedet, "Ni sa moce". Jedenfalls haben wir alle das Gefühl, dass die Tränen echt sind und landen etwas geknickt auf dem gelben Katamaran, der uns nach Nadi bringt. Doch kaum, dass der Katamaran Gas gibt, schießt uns das Adrenalin in die Adern. Die See ist ziemlich unruhig und wir fühlen uns wie in einer Berg- und Talbahn. Bald wird Herumlaufen an Bord unmöglich, selbst im Sitzen heben wir ab mit jedem Wellenberg, auf den wir krachen. So langsam macht sich Unbehagen an Bord breit, Kotztüten werden verteilt und schreiende Kinder getröstet. Plötzlich hebt der ganze Katamaran ab, schießt kopfüber in die nächste Welle und das Wasser knallt auf die Panoramascheibe. Während die Leute vor Angst aufschreien, drückt das Wasser durch die Außentür und durch die Klimaanlage. Erik zückt zwar noch die Kamera, packt sie aber schnellstens wieder ein. Das Wasser spritzt von überall. Was uns anfangs noch spaßig vorkam, stand jetzt unmittelbar vor einem Panikausbruch. Der Kapitän drosselte erstmal die Geschwindigkeit, bis wir auf die nächste Welle aufklatschten. Wieder kam das Wasser durch alle Fugen hereingedrückt. Die Leute beteten, dass wir heil ankommen mögen - und das kamen wir auch anderthalb Stunden später. Noch wackelig auf den Beinen schwankten wir zum gelben Buss, der alle Awesome-Adventure-Backpacker auf die umliegenden Hostals in Nadi verteilte. Diesmal machten wir einen besseren Griff als am ersten Tag in Nadi. Spontan verabredeten wir uns noch zum Abendessen mit Tim, Mariza und Tobias, die in einem wahren Luxushotel mit Swimming Pool abgestiegen waren. Es wurde ein gemütlicher Abend mit den dreien und selbst den Pool brauchte sich Hanka nicht entgehen lassen. Wer weiß, wann wir mal wieder in einer lauen Nacht direkt unter einem Mangobaum im Pool sitzen werden. Da macht es auch nichts, dass Hanka bereits eine Schniefnase hat.


6. Januar 2004, Nadi
34.017 km, S 17-47-54 / E 177-24-48

Wir wollen den letzten Tag in Ruhe in Nadi verbringen. Schon seit Ewigkeiten freuen wir uns aufs Internet. Drei Wochen ohne Anbindung zum Rest der Welt!!! Es gibt viel zu lesen und die vielen Grüße und Wünsche lassen uns Weihnachten und Silvester gleichzeitig erleben. Es ist so schön zu wissen, wieviele Leute an uns denken. Wir haben Euch auch lieb!

 
Hanka und Erik
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