| Übersicht Tagebücher | Hanka und Eriks "World on 2 Wheels" - Reisetagebuch |
Fortsetzung - Mittelerde Neuseeland 29. Januar 2004, Queenstown Der Regen hat uns wieder und wir sind um so erleichteter, dass wir den Routeburne Track zugunsten der Mt. Nicholas Road sausen lassen haben. Wir haben die gestrigen Eindrücke noch nicht ganz verdaut und fühlen uns sagenhaft glücklich, die Strecke bei perfekten Wetterverhältnissen erlebt zu haben. In Queenstown ist uns alles zu hektisch und zu touristich kommerzialisiert. Eigentlich ist es ein Wunder, dass wir noch nicht das Bedürfnis zum Adrenalintanken verspüren. Irgendwie bekommt man hier das Gefühl, man muss irgendeine der aufregenden Aktivitäten in und um Queenstown mitmachen. Wer nicht aufpasst, der wird hier schnell einige hundert Dollar los! Wir haben uns dennoch ein kleines Abenteuer vorgenommen: die 4-Wheel-Drive-Strecke in den Skippers Canyon zu fahren. Zwischen dunklen Wolken am Himmel machen wir uns auf den Weg zur alten, historischen Goldgräberstraße. Zwischen Felswänden und abschüssigem Gelände windet sich die Staubpiste in ein Tal hinunter, bis uns der wilde, türkisfarbene Shotover River zu den verlassenen Siedlungen der Goldgräber führt. Aus 102 m Höhe kann man sogar einen Bungy-Sprung von der Pipeline machen, die 1864 über den Shotover River errichtet wurde (natürlich nicht zum Bungy-Springen). Angeblich ist die Pipeline die längste und höchste "Hängebrücke" in der südlichen Hemisphere. Die restaurierten Goldgräberhäuser lassen erahnen, wieviel kleiner die Menschen damals gewesen sein müssen. Erik passt kaum durch die Türen, um die alten Zeitungsartikel an den Wänden zu lesen. Hankas Herz schlägt aber nur deshalb höher, weil sie draußen einige verwilderte Himbeerbüsche entdeckt hat, die sicherlich zur Hinterlassenschaft der historischen Vorfahren gehören. Die Früchte sind gerade reif und so fackeln wir nicht lange und schlagen uns die Bäuche voll. Am Ende müssen sogar noch zwei Tüten herhalten - Himbeeren zum Frühstück sind schließlich eine verlockende Aussicht! Auf dem Rückweg nach Queenstown erwischt uns wieder der Regen. Wir retten uns unter dem Blechdach der Campingplatz-Küche. Die Himbeeren haben die enge Schotterpiste mit sämtlichen Steinen und Schlaglöchern leider nicht so gut überstanden und so wirft Hanka den ganzen Matsch kurzerhand in den Topf und zaubert daraus eine himmliche Himbeermarmelade. Erik schimpft zwar, weil wir ab morgen zwei große Einweckgläser im Gepäck unterbringen müssen, aber wie Hanka ihr Leckermäulchen kennt, wird er als erstes vor den Marmeladentöpfen sitzen und futtern! Natürlich nur, um unser Reisegewicht wieder zu reduzieren... Und wie Erik am Morgen die Himbeersoße genießt!!! Das entschädigt doch glatt für die dunkle Regenwolke, die fieserweise kurz vor dem Zusammenpacken unser Zelt einweichte. Ob man eigentlich den Auspuff als Zelttrockengebläse verwenden kann? Wir sind heute ein wenig ziellos und entsprechend langsam kommen wir mit dem Packen voran. Wo war noch mal die Himbeermarmelade? Irgendwann gegen Mittag ist der ganze Krempel trocken und verstaut, so dass wir uns auf den Weg nach Wanaka machen können. Wenn wir gewusst hätten, was uns hinter den Cardrona Skibergen erwartete, wären wir lieber eine Nacht länger in Queenstown geblieben, wo das Wetter noch in Ordnung war. Im strömenden Regen biegen wir frierend in Wanaka auf den Supermarkt-Parkplatz, um unter dem Vordach stehend eine Lagebesprechung abzuhalten. Eigentlich gehört schon seit Jahren zu Eriks Träumen, einmal im Leben Fallschirm zu springen oder Gleitschirm zu fliegen. Beide Aktivitäten wären in Wanaka zu einem akzeptablen Preis zu realisieren - zumal die idyllische Kulisse um den Lake Wanaka das Fliegen zum Erlebnis machen soll. Wie wir gehört haben, kann man sogar in einem Tageskurs Gleitschirmfliegen lernen und sich anschließend alleine in die Lüfte schwingen. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf freute sich Erik schon seit Tagen auf Wanaka, aber es sah ganz danach aus, als würde die Sache ins Wasser fallen. In der Hoffnung, dass das Queenstown-Wetter zwischenzeitlich doch noch zu uns stößt, besuchten wir erstmal die schiefen Kammern des hiesigen "Puzzling Worlds". Die beiden Dresdner Ingo und Sylvia, die wir in Auckland kennenlernten, hatten uns ein paar lustige Stunden inmitten der Sammlung aus optischen Täuschungen und Kuriositäten versprochen. Recht hatten sie - völlig unglaublich, wenn man kerzengerade in einem schiefen Raum steht oder von großen Gesichtern aus jedem Winkel des Raumes verfolgt wird. Puzzling World war eine wundersame, gelungene Abwechslung - doch leider sah das Wetter noch immer feucht und neblig aus; Vorhersage nicht viel besser. Wir entschlossen uns, die Westküste nach Norden weiterzufahren. Schade nur, dass die als so traumhaft beschriebene Strecke unterwegs in den Wolken verhangen blieb. Wir konnten keine 100 m weit sehen. Klatschnass erreichten wir am Abend Haast. Es gab nur einen kleinen Supermarkt mit entsprechenden Provinzpreisen, von denen ein älteres, deutsches Pärchen auf Fahrrädern genauso wenig angetan war wie wir. Während wir die üblichen Worte austauschten (Woher? Wohin? usw.) labten sich die Sandfliegen bereits an den Radlerwaden. Manchmal ist so eine Motorradkluft doch ganz praktisch. Just in diesem Augenblick nahmen wir einen Souveniraufkleber wahr, der uns zu Denken gab: "I survived the sandflies in Haast". Anscheinend war das alles, womit das Kaff auftrumpfen konnte. Während die Radler nach einem Hotelzimmer Ausschau halten wollten, steuerten wir den nächsten Campingplatz an der Küste an. Wir erwischten die letzte freie Cabin mit Moskitofenstern und Heizung, um unsere Klamotten zu trocknen. Irgendwie überrascht es uns immer wieder aufs Neue, wie sehr man sich doch über derart kleine Angenehmlichkeiten freuen kann. Gerade beim Kochen strömte auf einmal ein Bus voller Jugendlicher in den Gemeinschaftsraum. Das war die Teenager-Variante für Rentnertouren, so schien uns. Die froschgrünen Busse von "Kiwi Experience" kutschieren sauf-und reiselustige Backpacker aus aller Welt über die Nord- und Südinsel. Dabei wird der adrenalingebeutelten Kundschaft das Gefühl gegeben, in 2 Wochen alles von Neuseeland gesehen zu haben. Irgendwie nicht so ganz unser Ding... Die Leute waren auch sichtlich enttäuscht, weil sie auf einem Campingplatz am A... der Welt übernachten müssen. Keine Kneipe, kein Supermarkt, kein Garnichts in Reichweite. Entlang der Westküste sind die Ortschaften echt rar gesäht und wenn die Jungs von Kiwi Experience ihr Programm schaffen wollen, zählt jeder Kilometer. Umso erstaunter sind wir, als wir inmitten der Truppe einen Typen erspähen, den wir vor Monaten im Hostal in Campeche (Mexiko) kennengelernt hatten. Er hatte damals gerade seine Auszeit begonnen, kommt jetzt von Australien und ist genauso verblüfft darüber, uns am anderen Ende der Welt auf einem gottverlassenen Campingplatz wiederzutreffen. Was ist die Welt doch für ein Dorf!!!
31. Januar 2004,Okuru - Franz Josef Als wir frühstücken, ist der grüne Bus bereits wieder auf Experience Tour. Um sieben war Abreise - Mann, das nennt man ein straffes Programm! Zurück geblieben sind lediglich ein paar Sachsen, die man ja erfahrungsgemäß überall antrifft. Die Dresdner quetschen uns ordentlich über unsere Reise aus und Hanka verfiel seit langem mal wieder richtig in den alten Slang. "Nu, mir steehn zu unsror Idendidääät!" Wir begannen den Tag zunächst mit einem Ausflug in die Gegend. Nigel hatte uns noch eine Schotterstrecke aufgeschrieben, die sich lohnen sollte. Keine Ahnung, ob wir den richtigen Weg erwischt hatten, denn plötzlich endete die Piste an einem Privatgrundstück. Schön war die Strecke trotzdem, entlang eines Flusslaufes durch dichte Farnwälder mit Ausblicken auf grüne Täler mit rostroten Gesteinshängen. Auf dem Weiterweg nach Norden überholten wir irgendwann hupend die beiden Radfahrer von gestern. Wahrscheinlich werden wir sie in Franz Josef wiedersehen, denn offensichtlich trifft man unterwegs an den touristischen Spotlights immer wieder die gleichen Leute. Nichtsdestotrotz waren wir schon gespannt auf den Fox Gletscher. Obwohl etlicher Kubikmeter mehr an Eis, ist der "kleine Bruder" des Franz Josef Gletschers nicht ganz so berühmt. In uns keimt die Hoffnung, dass der Fox Gletscher vielleicht nicht ganz so überlaufen ist. Hanka sieht sich bereits auf einem der beiden Gletscher Eiswandern, denn dieses Erlebnis haben wir in Südamerika irgendwie versäumt. Welche Geröllmassen so ein Gletscher mit sich bewegt, können wir uns lebhaft vorstellen, als wir unser Motorrad auf dem Schotter-Besucherparkplatz mitten im Nirvana abstellen (dort endete u.a. mal die Gletschzunge vor weniger als einem Jahrhundert). Von dort geht es zu Fuß über Steine und winzige Schmelzbäche eine halbe Stunde dem Gletscher entgegen bis wir vor ihm stehen: einer grau-dreckigen, mickrigen Eiszunge. Die Enttäuschung stand uns in den Gesichtern geschrieben, zumal es just in diesem Moment auch noch zu regnen anfing. Nach den massigen, südamerikanischen Vorbildern hatten wir uns eigentlich den Gletscher ein bisschen größer vorgestellt. Hanka musste erstmal schlucken und war erleichtert, dass wir nicht bereits im Vorfelde eine Gletschertour gebucht hatten. Uns kamen zwar bereits einige mit Wanderstöcken bewaffnete Ameisengrüppchen in gelben und in roten Regenjacken entgegen, aber wir zweifelten bereits daran, ob das was für uns wäre - nach der ersten großen Enttäuschung. Glaub, wir müssen noch mal nach Südamerika!
1. Februar 2004, Franz Josef Regen, Regen, Regen. Es bedarf eigentlich keiner weiteren Worte, um den Tag zu beschreiben. Wie aus Kannen hat es heute ununterbrochen und mit einer derartigen Intensität geschüttet, wie wir es noch nie erlebt haben! Die armen Backpacker, die heute morgen zur Gletscherwanderung auf den Franz Josef Gletscher losgezogen sind! Wir hätten eigentlich erwartet, dass die ersten gleich am Morgen zurückkehren, aber was ist an der Westküste schon schlechtes Wetter - noch lange kein Grund, 'ne Gletschertour abzusagen! Jedenfalls fand einer unserer Zimmergenossinnen das Erlebnis trotz des extremen Wetters ganz toll. Angesichts der Tatsache, dass man nicht mal fotografieren konnte, alles im trüben Grau verschwand und anschließend Reisepass, Flugtickets, Fotoapparat und alle Klamotten komplett durchnässt waren, haben wir begründete Zweifel, ob solch ein Erlebnis wirklich so toll ist. Glücklicherweise sind wir in einem wirklich netten Hostal gelandet (dank Flavias und Marcels Tipp), so dass die Zeit recht nett mit Tagebuchschreiben, Wäschewaschen, Lesen, Eiscremefuttern und Fernsehschauen verging. Ursprünglich wollten wir uns sogar im hauseigenen Whirlpool aufweichen lassen, aber Erik scheute sich vor den frierend-verschwitzten Backpacker-Ausdünstungen, die sich nach einem anstrengenden Tag auf dem Gletscher sicherlich im heißen Wasser wiederfinden. Uns schlägt der Regen aufs Gemüt und wir hoffen innigst, dass es morgen besser wird. Wenn uns noch so ein Tag erwartet, fällt uns die Decke auf den Kopf!
2. Februar 2004, Franz Josef - Greymouth Nachdem wir gestern nicht einen Schritt nach draußen machen konnten, um wenigstens mal im Supermarkt die Wetteraussichten in der Zeitung zu studieren, freuen wir uns morgens tierisch über einen neblig-grauen Tag. Wenigstens kein Regen! So sputen wir uns beim Packen, denn wer weiß, wie lange die Wolken noch dicht halten! Vielleicht können wir ja sogar dem schlechten Wetter davonfahren. Doch zuerst werfen wir einen Blick auf die Eismassen, um die in Neuseeland soviel Trara gemacht wird: der Franz Josef Gletscher. Wir hatten es fast schon befürchtet, deshalb hielt sich unsere Enttäuschung in Grenzen, aber der Gletscher war übervölkert von Touristengruppen. Die Massen haben den gestrigen Tag wahrscheinlich alle in ihren Hotels, Backpackers, Hütten und sonstwo drinnen verbracht und heute ging bei einigermaßen besserem Wetter der große Run auf die Gletscher weiter. Wir brachten nicht mal den Elan auf, direkt bis an den Gletscher heranzulaufen, sondern schossen von weitem unser obligatorisches Photo und machten auf den Haxen kehrt. Im Nachhinein waren wir ganz froh, keine der Gletscherwandertouren gebucht zu haben, obwohl alle davon schwärmen und sich Hanka fest vorgenommen hatte, die mehr als 100 Dollar dafür zu investieren. Wenn man den südamerikanischen Gletschern erst einmal gegenüber stand, können Fox und Franz Josef alle schon größentechnisch beiweitem nicht mithalten! Wenn man allerdings zum ersten Mal einen Gletscher zu sehen bekommt, ist Neuseeland sicherlich nicht die schlechteste Wahl - bei uns blieb jedenfalls die Begeisterung leider aus. Viel beeindruckender als den Gletscher selbst fanden wir ein paar verlorene Schilder auf dem Weg zum Parkplatz. Dort wurde angezeigt, wo sich der Gletscher vor so-und-so-viel Jahrzenten befand, damit man ungefähr eine Vorstellung bekommt, wie schnell die Eismassen dahinschmelzen. Beide Gletscher gehören jedenfalls zu den sich am schnellsten bewegenden Gletschern der Welt und es gibt bereits Prognosen, wievielen Generationen die Gletscher noch erhalten bleiben. Auf dem Weiterweg düste auf einmal ein seltsames Gefährt an uns vorbei. Wir hielten gerade für eine Überlegpause, ob wir nach Okarito abbiegen sollen, denn die Gegend an der Küste soll superschön zum Campen sein. Doch der Seitenwagen mit AW-Kennzeichen nahm uns die Entscheidung gleich ab. "Den will ich kennenlernen", rief Hanka, während Erik schon im Begriff war, auf die Honda zu springen und der Yamaha hinterherzujagen. Glücklicherweise wurden wir bemerkt, sonst hätten wir wohl die ganze Westküste hinaufjagen müssen, um die Ahrweiler einzuholen. Familie Schmitz war mit der dreijährigen Laura und der sechsjährigen Malin schon seit Ende letzten Jahres in Neuseeland unterwegs. ( www.schlumf.com ) Wir merkten schnell, dass das Familiengefährt genug an Gesprächsstoff bietet, um sich für den Abend am Campingplatz in Greymouth zu verabreden. Da die Wetteraussichten für morgen allerdings nicht gerade rosig ausschauten, wollten wir heute noch ein Stückchen nördlicher fahren und uns bereits die Pancake Rocks anschauen. Irgendwie ist das schrecklich, wenn man ständig seine Sightseeing- und Tagesetappen nach der Wettervorhersage ausrichten muss! In Hokitika fahren wir den Ahrweilern erneut über den Weg. In dem Künstlerörtchen wimmelt es nur so von Jade-Schmuckläden, die den grünen Stein Neuseelands in Mengen an die Touristen loswerden. Im Radius der Stadt befinden sich nämlich die Jade-Steinbrüche der Kiwis. An dieser Stelle müssen wir nicht erwähnen, wie sehr sich Erik für Schmuckläden interessiert... Wir wollen ja noch zu den Pancake Rocks fahren und deshalb heißt es: sputen, sonst schaffen wir es nicht mehr (gute Ausrede, was?)! In Greymouth registrieren wir lediglich das Schild zum Campingplatz am Straßenrand, zuckeln aber gleich weiter entlang der Küstenstraße nach Norden. Endlich ist die Strecke entlang der Tasmanischen See richtig schön zu fahren und endlich mal kommen die Felsen in der Brandung in den spätnachmittaglichen Sonnenstrahlen wenigstens etwas zur Geltung. Wir haben schon so viele Postkarten von der Westküste gesehen, dass wir eine Vorstellung haben, wie das alles bei richtig gutem Wetter mit blauem Himmel aussieht. (Vielleicht sind ja Neuseelands Postkarten für die Urlauber selbst gedacht, nach dem Motto: Tja, leider Pech gehabt, aber so sieht's hier manchmal auch aus...) 44 km später - der Parkplatz zu den Pancake Rocks. Wir machen uns auf den Sightseeing-Walk zu den eigenartigen Gesteinsformationen, die wie übereinander gehäufte Pfannkuchen aussehen. Leider ist es noch zu früh für die Flut, sonst wären wir zusätzlich noch in den Genuss eines Blow Holes gekommen. Bei Halbebbe spucken enttäuschenderweise nicht mal kleine Fontänen aus den Klippen. Dennoch sind die Steinsformationen schön anzusehen und man kann ein bisschen phantasieren, was die abgebrochenen Felsen für Figuren darstellen könnten. Zurück in Greymouth, sehen uns auf Anhieb Malin und Laura zum Campingplatz einbiegen und verraten uns sofort, wo wir unser Zelt aufbauen sollen. Neben der "Familienhöhle" mit zwei Schlafzimmern sieht unser Zelt echt winzig aus. Auch die Honda wirkt regelrecht mickrig im Vergleich zum Yamaha-Gespann, das Erik natürlich unter die Lupe nehmen muss (Yamaha FJ 1200, Gespannwagen EML GT 2001). Es wird lustig mit Familie Schmitz bei Steaks und Bier. Die Kinder nehmen Hanka gleich in Beschlag und es ist ein schönes Gefühl zu sehen, dass das Motorrad-Nomadenleben nicht zwangsläufig vorbei sein muss, wenn man Kinder hat.
3. Februar 2004, Greymouth Eigentlich sollte es heute weitergehen, aber beim Frühstück pratschte der Regen dermaßen aufs Dach, dass wir uns aus der Gemeinschaftsecke gar nicht heraus trauten. Nach 10 Minuten lief das Wasser langsam Richtung der Tische, wo wir mit den Schmitz' frühstückten, so dass wir unsere Sachen schnappten und nach drinnen umzogen.10 Minuten später war der ganze Spuk vorbei und uns strahlte ein blauer Himmel an - nicht eine Wolke in Sicht! Also Sonnencreme raus und eingecremt. Was machen wir nun? Doch weiterfahren? Es dauerte keine Viertelstunde und das gleiche Spiel begann von vorne. Aus dem Nichts tauchte eine gefährlich schwarze Wolke auf, öffnete ihre Schleusen und wich anschließend der Sonne. Es war unmöglich, auch nur zu versuchen, die Wolken vorherzusagen. Jedenfalls konnte das Wetter nicht bezeichnender für Aprilwetter sein, aber wir hatten stattdessen Februar, was "umgerechnet" Anfang August bedeutet! Die kurzen Phasen der sonnigen Abschnitte reichten allerdings nicht aus, unsere Zeltsachen zu trocknen, geschweige denn einzupacken. So beschlossen wir frank und frei, noch einen Tag auf dem Campingplatz zu verbringen. Uli und Frank hatten mit den Kindern auch nichts besseres vor als McDonalds zu besuchen, wo das Internet in Greymouth seltsamerweise am günstigsten ist. Hanka fand heute auch endlich Zeit, ihre Motorradhose am Hintern zusammenzuflicken und Erik tönte ihr nebenbei die Haare. Durch den Erfolg beflügelt, versuchte er sich anschließend zum ersten Mal daran, Hankas Haare zu schneiden. Das Ergebnis war eher mittelprächtig. "Jetzt kannst Du doch noch zum Friseur gehen!" war sein Kommentar. Arme Hanka! Gegen Abend wurde das Wetter endlich stabiler, so dass wir wenigstens einen Spaziergang am Strand unternehmen konnten, ohne gleich geduscht zu werden. Einmal mehr sinnieren wir über den weiteren Verlauf unserer Reise. Die Zeit, die uns noch in Neuseeland bleibt, scheint leider viel zu knapp und wenn wir weiter von derartigen Regentagen erwischt werden, wird es wirklich stressig! Vielleicht sollten wir doch unseren letzten Flug verfallen lassen und ein neues Round-the-World-Ticket kaufen? Vielleicht gibt es auch Schnäppchenpreise, um nach Australien zu fliegen, so dass es uns das wert ist?
4. Februar 2004, Greymouth - Gowan River Noch halb im Zelt schenken wir den ersten Blick dem Himmel. Beunruhigend dunkle Wolken zogen da lang, aber wir sollten uns lieber abgewöhnen, eine eigene Wetterprognose abzugeben. Lieber packen wir schnell zusammen und schaffen es doch tatsächlich, mit Ach und Krach alles zu verstauen, ehe der nächste Regen uns erwischt. Danach gibt's in Ruhe Regen-Frühstück bevor wir uns wieder aufs Motorrad wagen. Auch unsere Gespann-Familie zieht es weiter und wir verabschieden uns herzlich von den vieren. Vielleicht fahren wir uns ja weiter nördlich noch mal über den Weg, wer weiß? Je weiter wir uns von der Westküste in entgegengesetzter Richtung entfernten, desto besser wurde das Wetter. Nigel hatte uns erzählt, dass an Ost- und Westküste auf der Südinsel immer umgekehrt schönes oder schlechtes Wetter herrscht. Leider gibt es nicht allzu viel Auswahl an Straßen, um entsprechend schnell ins gute Wetter zu flüchten. Was soll's, freuen wir uns lieber auf einen endlich trockenen Tag. In Reefton wird getankt und wir halten am Supermarkt, um ein paar Lebensmittel zu besorgen. Mit großen Augen staunen wir die Kirschen an, die in der Obstecke glänzen - im Februar! Wo haben die die Kirschen bloß her? Natürlich ist der Kilopreis astronomisch, so dass wir uns lediglich eine klauen und mit Wohlbahagen auf der Zunge zergehen lassen. Hanka machte auch noch einen zweiten Fund: Buergen Soya-Brot. Das dunkle Körnerbrot ist ausgesprochen lecker und für uns Liebhaber von Schwarzbrot kein schlechter Ersatz. Jedes Körnerbrot ist zumindest besser als das fluffige Toastbrot, von dem sich die Kiwis offensichtlich ernähren. Wir müssen lediglich einen ganzen Schwarm Sandfliegen in Kauf nehmen, als wir unterwegs Picknick im Grünen machen. Irgendwas ist doch immer... Apropos, zufällig entdeckte uns heute ein Offroader beim Kartenlesen und hielt prompt an. Aha, deutsches Kennzeichen. Die Einladung zum Capuccino in Murchison nahmen wir ohne Zögern an, um die Geschichte von Norbert zu erfahren. Er hatte sein ganzes Hab und Gut in Deutschland verkauft und zieht jetzt per Toyota Landcruiser durch die Welt. Wir können uns allerdings nicht vorstellen, dass man in seinem Auto eine ausgewählte Bibliothek an Büchern mit sich herumschleppt. Was gibt es doch für unterschiedliche Auffassungen über essentielle Dinge auf Reisen??? Jedenfalls liegen Welten zwischen den Platzkapazitäten von Bikern und Offroad-Fahrern! Erschrocken schauten wir auf die Uhr, nachdem wir zwei Stunden in Nullkommanichts verplaudert hatten. Zumindest hatten wir es nicht mehr allzu weit bis zum Campingplatz am Gowan River. Obwohl uns Nigel den State Highway 6 zum Lake Rotoroa ans Herz gelegt hatte, finden wir nichts Nennenswertes an der Strecke - außer natürlich den Lake Rotoroa selbst. Friedlich eingebettet in eine Kulisse von Bergen liegt der See traumhaft. Erik wurde auch gleich scharf darauf, mit dem Motorrad den als 4-Wheel-Drive gekennzeichneten Pfad durch den Wald zum Aussichtspunkt zu fahren. Was sind schon Hankas Einwände gegen das Cross-Fieber, das Erik immer noch dann und wann packt? Die Piste ist so ausgewaschen und mit großen Steinen übersäht, dass Erik in einer steilen Kurve resignieren musste. Was für eine Genugtuung für Hanka, die angesichts der steilen, glitschigen Piste von Anfang an rot sah! Man möge es nicht glauben, aber selbst als Sozius weiß man nach einer Weile, was auf dem Motorrad zu zweit mit Gepäck machbar ist und was nicht. Wozu dann unsere Honda riskieren? Manche Dinge werden Frauen eben nie verstehen! Treubrav folgte Erik anschließend ihren Anweisungen zum Campingplatz. Auch diesen Tipp haben wir von Nigel und Kitty und die beiden Betreiber, übrigens ein Bikerpärchen, sind ganz entzückt von unserem Motorrad. Der Campingplatz ist wirklich mit Liebe betrieben und wir schnappen uns gleich ein Goldgräber-Set: zwei Waschpfannen, Schaufeln und leere Plastikfläschen, um Gold waschen zu gehen. Zuerst missverstehen wir allerdings die Wegbeschreibung zu dem Bach, der voller Gold sein soll. Mutig trauen wir uns durch die Weide voller Bullen, aber die schienen sich weder für Gold noch für uns zu interessieren. Als wir mit leeren Händen zum Campingplatz zurückkehrten, wissen wir anschließend, wo wir falsch abgebogen sind. Wir wollen es erneut versuchen und finden schließlich auch den Bach. Es dauert nicht lange, und wir entdecken die ersten, winzigen Goldschnipsel in unseren Waschpfannen. Oha, könnten die Schnipsel nicht ein bisschen größer sein? So brauchen wir doch ewig, um unsere Reisekasse aufzubessern! Weiter oben in den Bergen gab es sogar einen Mann, der sich mit Goldwaschen seinen Lebensunterhalt bis zum Tode verdient hat, erzählen uns sie Leute auf dem Campingplatz. Jedenfalls fanden wir die Goldwäscher-Erfahrung ziemlich einmalig (hey, Goldwaschen ohne Touristen und Kommerz ist in Neuseeland nicht so leicht zu finden) und wenn die Sonne nicht hinter den Bergen untergegangen wäre, hätte uns vielleicht sogar das Goldwäscher-Fieber gepackt. Stattdessen trotteten wir mit unseren winzigen Schnipseln zurück zum Campingplatz, wobei uns die Jung-Bullen auf der benachbarten Weide noch einen ordentlichen Schreck einjagten. Der eine nahm plötzlich Anlauf und steuerte genau auf uns zu - meine Güte, was hat Hanka gezittert! Zum Glück schreckte das Rindvieh vor dem Zaun zurück, sonst wäre jemand ziemlich gerannt und hätte womöglich alles Gold fallen lassen.
5. Februar 2004, Gowan River ( Ausflug Rainbow Road ) Obwohl unser Campingplatz super ist, lernen wir ein neues Ausmaß an Aggressionen an uns kennen. Sandfliegenalarm! Die lästigen Biester schwirrten zu Hunderten um uns herum, auf der Jagd nach frischem Blut. Da die Viecher im Gegensatz zu Mücken keinen Stechrüssel besitzen, beißen die stattdessen einen kleinen Fetzen aus der Haut, was einen roten Punkt und teilweise wochenlange, schmerzhaft juckende Pusteln hinterlässt. In Mittelamerika hatten wir ja bereits erste Bekanntschaft mit dieser Pest gemacht. In Neuseeland dagegen sind die Monster noch um einiges größer und entsprechend nervig fliegen sie penetrant um einen herum. Im Freien konnte man es quasi nicht aushalten, vor allem morgens und abends, wenn die Biester am hungrigsten sind. Ohne uns lange aufzuhalten, lassen wir das Zelt und unnötiges Gepäck stehen und schwingen uns aufs Motorrad Richtung Lewis Pass. Heute steht eine Offroad-Strecke auf dem Programm, von der uns wirklich alle Biker bereits vorgeschwärmt haben: die Rainbow Road! Das Wetter verheißt einen phantastischen Tag, so dass wir gutgelaunt der Offroad-Abkürzung durch den Farnwald auf den State Highway 6 folgen. Anschließend schindeten wir die Honda den Lewis Pass hinauf und hinunter, was sich allerdings spektakulärer anhört, als es wirklich ist. (Uns hat der Lindis-Pass trotz schlechten Wetters landschaftlich um einiges mehr beeindruckt.) Was wir uns jedoch nicht entgehen lassen wollten, waren die heißen Quellen direkt am Lewis River. Nigel hatte uns eine genaue Beschreibung gegeben, wie wir den Parkplatz und die nicht ausgeschilderten Quellen finden. Das gelang uns auch - allerdings konnten wir uns nicht dazu überwinden, unsere schützenden Motorradklamotten zum Baden abzulegen. Auch hier wimmelte es nur so von Sandfliegen, dass man besser soagar noch die Lederhandschuhe anbehielt. Schade, man hätte regelrecht in einem der heißen, blubbernden Pools sitzen und ein Bein im eiskalten Flusswasser baumeln lassen können. Allzu weit her war es mit dem Geheimtipp allerdings auch nicht, denn nach uns kamen noch einige Leute das Flussufer entlanggekraxelt, um zu den Quellen zu gelangen. (Gibt es eigentlich noch irgendwelche wahren Geheimtipps in Neuseeland, wo man weit und breit k e i n e Touris antrifft???) Nachdem wir den Lewis Pass hinter uns hatten, schlug urplötzlich das Wetter um und wir erreichten klatschnass und frierend Hanmer Springs. Am liebsten hätten wir uns jetzt in der noblen Skihochburg einen Tag im Thermalbad gegönnt, aber heiße Schokolade und eine ordentliche Portion Fish 'n Chips taten auch das Übrige, um uns wieder aufzuwärmen. Im nasskalten Nebel folgten wir anschließend den Abzweig zur Rainbow Road und danach der staubigen Piste durch unzählige Viehweiden. Viehzaun auf, Viehzaun zu, Viehzaun auf, Viehzaun zu. Obwohl wir uns schon fast mit unserem Schicksal im Nebel abgefunden hatten, wurde das Wetter mit jedem Kilometer besser und irgendwann tauchten wir aus dem Grau-in-Grau in strahlenden Sonnenschein ein. Der Ausflug hatte sich wirklich gelohnt: die als Rainbow Road bekannte Privatstraße führte uns durch farbenprächtige Gesteinslandschaften - Südamerika in Miniatura - grüne, Täler, Wälder und abenteuerlichen Kurven entlang eines kristallklaren Flusses. Diesmal waren wir auch fast für uns allein (über eine geführte Motorradgruppe in Gegenrichtung und ein paar Fahrradfahrer schauen wir mal großzügig hinweg). Schmunzelnd passierten wir schließlich den letzten Weidezaun mit einem Schild für die Wegbenutzungs-Gebühren: 20 Dollar Toll, Motorbikes 10 Dollar, Cycles 1 Dollar, Possums 20 Cent! Die armen Possums. Mal abgesehen von den vielen überfahrenen haben wir immer noch kein Possum gesehen. Die nachtaktiven, wuscheligen Baumbewohner sind aus Australien nach Neuseeland eingeschleppt worden und haben sich hier zu einer regelrechten Plage entwickelt. Weil die Baumbestände arg unter dem "Possumbefall" leiden, werden die Possums im Kiwiland gehasst wie die Pest. Oftmals müssen schon Giftköder in den Wäldern ausgelegt werden, damit das Ökosystem nicht vollkommen umkippt. Auf dem Rückweg zum Campingplatz holten uns leider die Regenwolken wieder ein. Hanka konnte sich aber dennoch nicht verkneifen, ein paar Pilze vom Wegesrand einzusammeln, die sie während der Fahrt erspäht hatte. Mit einer Handvoll Maronen kehrte sie zu einem schimpfenden Erik zurück. Es war nicht viel für uns beide, aber spätestens beim Abendessen mit Buergen-Brot und gebratenen Pilzen war Erik wieder versöhnt. Hmmm, das schmeckte ein kleines bisschen wie Zuhause!
6. Februar 2004, Gowan River - Nelson Das Zusammenpacken war heute morgen der absolute Graus! Völlig entnervt von den fiesen Sandfliegen, die überall herumschwirrten, endete Hanka zum Schluss mit dem Helm auf dem Kopf, um die Viecher wenigstens aus dem Gesicht zu bekommen. Es nützte leider nicht viel und am Ende musste sie sogar die Visirscheiben auseinanderfriemeln, denn selbst dazwischen waren welche hineingekrabbelt und hinterließen eine matschige Schweinerei. Sorry, aber wir wollten nichts wie weg vom Lake Rotoroa. Im Nu erreichten wir Nelson - nicht mal 140 km Tagesstrecke, ach, tat das gut! Allein die großen Obstplantagen um Nelson verrieten, dass die Nordseite Neuseelands Schönwetter-Rekorde hält. Blenheim und Nelson sind bekannt für einen überdurchschnittlich guten Temperaturdurchschnitt und so wundert es nicht, dass die Grundstückspreise hier entsprechend überdimensioniert sind. Es wären auch alle glücklich und zufrieden gewesen, wenn da nicht plötzlich eine Biene kurz vor dem Ziel aus Panik, in einen Sturzhelm geraten zu sein, in Eriks Kinn stach. Hanka hat noch nie erlebt, dass Erik dermaßen auf die Eisen geht. Überrascht und ahnungslos fragt sie sich, wieso er sich anschließend seinen Helm wie ein Geisteskranker vom Kopf reißt, bis ihr irgendwann das Dilemma schwante. Zum Glück hatten wir mal wieder eine Zitrone in der Lenkertasche, die eine schmerzende Schwellung einigermaßen verhindern konnte. Good old lemon! Bei strahlendem Sonnenschein bogen wir dann auf den Campingplatz ein, wo wir Markus und Andy treffen wollten. Paul in Amerika hatte die Website der beiden im Internet aufgestöbert und wir waren schon gespannt darauf, die Worldtrucker kennenzulernen. Leuchtend orange strahlte uns bereits ihr Magirius Deutz entgegen - ein Riesenlaster, umgebaut als Wohnmobil. Da die beiden noch nicht wieder "zuhause" waren, bauten wir in Ruhe unser Zelt neben "Maggie" auf und inspizierten die anderen lustigen Dauercamper. Im Gegensatz zu allen anderen Campingplätzen, die wir bisher kennengelernt hatten, haben sich hier die witzigsten Typen als Dauergäste (sogenannte Permanents) niedergelassen. Die Fotos sprechen für sich: angefangen von bemalten Bussen bis hin zu urigen Eigenbau-Modellen fanden wir alles, selbst gescheiterte Existenzen, die ihren Lebenunterhalt in einer Bretterbude mit Shuttlediensten und zusammengezimmerten Fliesentischen zu verdienen versuchten. Die reinste Kuriositätensammlung! Irgendwann kreuzten Andy und Markus mit einem uralten roten Mercedes auf, ihrem "Zweitwagen". Weil wir uns bereits per E-Mail angekündigt hatten, gab es ein großes Hallo und die Geschichten nahmen kein Ende. Andy und Markus waren auf dem Landwege nach Neuseeland gekommen und es sieht so aus, als hätten sie hier eine neue Heimat gefunden. (Wie wir später feststellen sollten, dienen Campingplätze immer wieder als erste Basisstation für Auswanderer – mal abgesehen davon, dass es manche nie darüber hinaus schaffen.)
7. Februar 2004, Nelson Wir müssen schon zugeben, dass uns der Laster schwer beeindruckt. Was für ein Luxus, eine eigene Dusche zu haben, Laptop, einen DVD-Player und Fernsehen, Küche, Kühlschrank und richtige Betten! Einziges Problem sind die Verschiffungen. Da Maggie in keinen Container passt, frisst der Transport des Gefährtes ein Vermögen auf! Neuseeland ist nicht zuletzt auch aus diesem Grund für die beiden eine Endstation. Mit Andy und Markus konnte man stundenlang sitzen und plaudern. Die beiden hatten so viel zu erzählen und Hanka sog alle Informationen zu ihrer bisherigen Route wie ein Schwamm in sich auf. Ehrlich gesagt entsteht gerade die Idee in Hankas Kopf, auf dem Landwege zurück nach Hause zu fahren. Nächste Station ist für uns Australien und wir könnten ja versuchen, die Reisekasse mit Gelegenheitsjobs aufzubessern. Hey, Markus und Andy – Ihr habt uns tatsächlich inspiriert!!! Bereits ein bisschen Feuer und Flamme sponnen wir den Faden weiter. Es gab schon einige Argumente, die für Indien, Pakistan und Iran sprachen. Fakt ist, dass wir diese Länder nie per Urlaub erkunden würden, also warum nicht jetzt??? Ausnahmslos jeder erzählt uns von superfreundlichen Menschen, interessanter Kultur und krassen Landschaftsstrichen - eine völlig andere Welt. Wäre das nicht DIE Gelegenheit, um seine pauschalen Vorurteile abzubauen und es einfach zu versuchen? Erik dagegen ist sich überhaupt nicht sicher, ob er noch auf ein solches Reiseabenteuer Lust hat. Momentan fühlt er sich ziemlich reisemüde; wir hetzen immer nur durch die Länder, haben viel zu wenig Zeit für das Wesentliche, nämlich ein Land mal wirklich richtig kennenzulernen. Hanka will Erik auch keinesfalls zu irgend etwas überreden, zumal man nicht aus heiterem Himmel beschließt, durch den Nahen Osten zu fahren. Wir einigen uns darauf, uns mit einer solchen Entscheidung Zeit zu nehmen. Die Idee sollte erstmal reifen und vor allem sollten wir weitere Informationen sammeln. Da sind noch so viele Fragen zu klären, politische Situationen zu berücksichtigen, und, und, und. Auf jeden Fall wäre unsere Familie nicht begeistert, wenn wir erst nächstes Jahr nach Hause kommen würden... Schauen wir mal - noch ist alles offen. Wer samstags in Nelson weilt, sollte unbedingt den lokalen Markt besuchen. Wir haben selten so schöne Stände gesehen und die deutsche Bratwurst ist nicht von schlechten Eltern! Auch das deutsche Schwarzbrot (mit dem sich ein Auswanderpärchen hart ihren Lebensunterhalt verdient) musste gleich probiert werden. Jetzt können wir immerhin verstehen, dass Markus und Andy hier nichts vermissen!
8. Februar 2004, Nelson (Ausflug zum Abel Tasman N.P.) Noch immer kreist die Overland-Idee in unseren Köpfen. Klar ist, dass wir uns zuvor genau über die Sicherheitslage in den betreffenden Laendern informieren müssen. Glücklicherweise gibt es dazu gute Foren im Internet und sicherlich erfahren wir auch noch hautnahe Details der Lage von "Overlandern", die gerade aus der Richtung kommen. Wir sind uns nach wie vor einig, dass wir der Entscheidung Zeit geben. Vielleicht wird kurz vor den Neuwahlen in Amerika Bin Laden endlich gefasst - keiner weiß, was alles noch passiert. Möglicherweise müssen wir sowieso alles wieder vergessen, weil die Grenzen dicht gemacht werden - who knows! Eigentlich hatten wir gehofft, dass die Lippstädter nachmittags mit uns auf einem Ausflug zum Abel Tasman Nationalpark kämen. Aber als wir nach unserer morgendlichen Internet-Session auf den Campingplatz eintrudelten, waren die Jungs schwer mit Maggies Ölwechsel beschäftigt. (Genauer gesagt, mit dem Ölwechsel des hinteren Differentialgetriebes. Neben Motor-, Getriebe- und Differentialgetriebeölen sind an dem Truck regelmäßig noch verschiedene Hydraulikflüssigkeiten zu wechseln. Da sind wir doch wieder froh, dass wir mit unserer genügsamen Transalp unterwegs sind.) Wir wollten uns das traumhafte Wetter jedenfalls nicht entgehen lassen und machten uns auf den Weg nach Marahau. Allein die Fahrt entlang der Küste gab uns einen Vorgeschmack auf goldene Sandstrände entlang türkisblauer Buchten. Abel Tasman ist ein Paradies für Kayakfahrten und Wandertouren. Wir begnügten uns mit einem Spaziergang durch die feuchte Kühle der dichten, Schatten spendenden Wälder und wateten durch die Sand- und Wasserschleier, deren phantastische Muster die Ebbe entlang der Küste zog. Trotz dass an diesem Wochenende Unmengen an Leuten auf den Beinen waren, genossen wir die Kulissen. Man kann 3-5 Tage durch den Nationalpark wandern und sicherlich gehört die Tour bei stabilen Wetter zu den Highlights in Neuseeland. Aber wir sind auch nicht böse, es bei einem Spaziergang zu belassen. Es war ein wunderschöner Ausflug mit intensiven Naturschauspielen und ebenso intensiven Gesprächen. Immer wieder stellen wir bewundernd fest, wie glücklich wir zwei doch sind. Eine Welt ohne den anderen können wir uns einfach nicht mehr vorstellen!
9. Februar 2004, Nelson - Waikawa Bay / Picton Heute ist nicht viel passiert - dennoch gehört der Tag zu den Tagen, an denen uns einige der beeindruckendsten Landschaftsbilder von Neuseeland im Kopf bleiben werden. Markus und Andy waren schon längst auf den Beinen, als wir uns mit dem vertrauten Ritsch Ratsch der Reißverschlüsse aus dem Zelt schälten. Routinemäßig wird alles zusammengepackt und danach ab auf die Honda. Bis Picton sind es nur 140 km, aber wir wollen noch einen Ausflug an die Strecke heranhängen, sobald das Zelt in Picton aufgeschlagen ist. Das Wetter ist noch immer phantastisch - falls wir keine Überraschungen erleben, wollen wir ein Stück der Fjordarme erkunden, die zum riesigen Marlborough Sound gehören. In Havelock beginnt auch schon der Zauber. Nachdem wir uns in Serpentinen den Abzweig nach Moenui hinaufgeschraubt haben, erreichen wir den ersten schönen Aussichtspunkt über die atemberaubende Fjordlandschaft des Mahau Sounds. Danach steht die Kamera nicht mehr still. Immer wieder folgen traumhafte Aussichtsschneißen auf die zerklüftete Wasser-/Waldlandschaft mit Inselchen, Segelbooten und turkisfarbenen Sandbuchten. Es ist ein Tag zum Bildband-Fotografieren! Nachdem das Zelt - auf dem scheinbar einzigen, geraden Stück Wiese des Campingplatzes - direkt vor den Damentoiletten steht und die Wäsche in der Sonne wedelt, geht's für uns ein Stück weiter entlang des legendären Queen Charlotte Sounds. Das erste Stück Piste ist ziemlich stark von Holzlastern frequentiert, die mit voll beladenen Anhängern und quietschenden Reifen nach dem Zufallsprinzip zum Stehen kommen. In jeder Kurve ist gerade mal so viel Platz, dass neben einem Motorrad wie unserem gerade noch ein Possum hindurchpassen könnte, aber nicht mehr. Erschreckt fragen wir uns, wie die zahlreichen Camper ohne Blechschäden hier durchkommen... Als es dann auf Schotter und Wellblech weiterging, waren wir die Holzlaster endlich los und konnten die Landschaft genießen. Uns kam sogar ein Bikerpärchen entgegen, allerdings hielten die beiden nicht an (es waren Robbie und Shona, die wir später kennenlernen sollten). Nach endlosen Kurven bergauf blickten wir schließlich auf die riesige Bucht Port Underwood. Uns verschlug es regelrecht den Atem - hier strecken sich die letzten Fjordarme in den Südpazifik und wir stehen einige Minuten wie angewurzelt vor der zauberhaften Kulisse. Kurz nach der Robin Hood Bay müssen wir an den ersten reifen Brombeerbüschen Halt machen. Prompt pflücken wir eine ganze Schale voll und mit lila-farbenen Fingern wird 2 Minuten vor Ladenschluss der Supermarkt in Picton noch für Zucker gestürmt. Nach Hankas gelungener Himbeermarmelade in Queenstown sehnte sich Erik schon längst nach selbstgemachtem Nachschub. Jetzt liegt er gerade im Zelt und freut sich auf's morgige Frühstück während Hanka in der Campingplatzküche einen süßen Duft verbreitet. |
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Hanka und Erik |