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Hanka und Eriks "World on 2 Wheels" - Reisetagebuch
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Szenenwechsel in Ost-Timor

7. August 2004, Darwin - Dili
54.677 km, S 08-33-55 / E 125-34-17

Viel zu wenig geschlafen - punkt vier klingelte der Wecker und zügig mussten die letzen Sachen in den Taschen verstaut werden, ohne die schlummernden Zimmergenossen dabei aufzuwecken. In welchem der sieben Kühlschränke waren nur eigentlich unsere Frühstücks-Crumpets vergraben? Offensichtlich funktionierte um diese Uhrzeit das Erinnerungsvermögen noch nicht so recht und im Stress bugsierten wir nach einem blitzartigen Frühstück zwei Alukisten, zwei Taschen, Rucksack, Tankrucksack, Helme und Jacken zur Rezeption. Die Nachtwache eröffnete uns anschließend trantutig, das wir das Gepäck noch bis zur Haltestelle schleppen müssten. Kein Mensch hatte uns darüber aufgeklärt, dass der hier gebuchte Airport Shuttle nicht vor'm YHA hält... Um fünf nach fünf waren wir offensichtlich zu spät dran - aber zu unserer Freude sammelte uns der gutgelaunte Busfahrer nachträglich auf ("no worries - mate") und wir schlugen halbwegs pünktlich am Checkin-Schalter der Airnorth auf. Mit unseren allerfreundlichsten 6-Uhr-Minen (und natürlich den Anschein erweckend, als wären die Teile federleicht), hievten wir unsere vier Gepäckstücke galant auf die Waage. Kurz die Luft angehalten und --- siehe da, das Förderband lief weiter. Uff, das Sümmchen für Übergepäck hätten wir gespart! (Wir hatten lediglich 20 kg Freigepäck pro Person.) Bloß gut, dass kein Mensch unser überdimensioniertes Handgepäck wog! Da machte es uns auch nichts aus, als die "Saftschubse" in dem winzigen Flieger wahrhaftig ein Tütchen Kartoffelchips und einen Schokoriegel als Frühstück servierte.

Nach anderthalb Stunden setzten wir voller Erwartungen unseren Fuß auf den Boden von Ost-Timor. Als erstes wurden wir in einer winzigen Bretterbude um 60 Dollar für unsere Einreise-Visa erleichtert. Anschließend ging's zum Zoll, wo sich die Jungs ausgiebig für unsere Sturzhelme interessierten. Wo wir die coolen Dinger gekauft hätten, was die in Deutschland kosten und ob wir die Helme nicht für einen guten Preis verkaufen würden...? Dass in Ost-Timor kein Mensch mit Helm Moped fährt, lernten wir gleich als nächstes. Im püppchen- und klunkerbehangenem Taxi stadteinwärts konnten wir uns völlig dem Kulturschock hingeben: Schweine, Hunde, Hühner und Ziegen schienen nichts ungewöhnliches auf den Straßen der Hauptstadt - obwohl der Verkehr noch einigermaßen geordnet vonstatten ging. Eigentlich kennen wir ja schon Dritte-Welt-Länder, aber unsere Augen hingen (nach 8 Monaten in der westlichen Zivilisation) an jedem Müllhaufen, zerbrochenen Fußwegplatten, verlumperten Wassergraben, barfüßigen Kindern und klapprigen Straßen-Verkaufskarren fest. Fasziniert sogen wir jede "fremde" Einzelheit in uns auf und dennoch fühlten wir uns ziemlich erschlagen von der anderen Welt. Ohne Probleme setzte uns das Taxi schließlich am richtigen Innenhof ab, wo uns Volker und Kerstin mit gedecktem Frühstückstisch empfingen.

Für den Rest des Tages stand Hankas Klappe nicht mehr still. Wissbegierig wurden sämtliche Details für Südostasien und Australien ausgetauscht, hinterfragt, notiert, auf Karten eingemalt usw. Dagmar und Peter (die per Landrover unsere bevorstehende Route gekommen waren: www.overland2oz.com), warfen noch hin und wieder ihre Tipps ein und wuselten ansonsten wie die Weltmeister mit dem Wasserschlauch herum, um ihre Ausrüstung für die australische Qurarantäne auf Vordermann zu bringen. Informationen aus erster Hand zu bekommen, ist Gold wert und so langsam entstand in unseren Köpfen ein konkretes Bild von den indonesischen Inseln Mit brummendem Schädel haute sich Erik nachmittags schlaftrunken auf's Ohr und verpasste somit das "Highlight" des Tages. Nebenan auf dem Hinterhof hielten die Männer Hahnenkämpfe ab und priesen lautstark ihre Wetteinsätze an. Neugierig kletterten wir mit unseren Kameras bewaffnet über den stinkend-dreckigen Wassergraben, um über die Mauer zu luken. Natürlich blieben Kerstins lange, blonde Haare dabei nicht unbemerkt und zu unserem Erstaunen wurden wir freundlich ermuntert, auf die andere Seite zu kommen (wir registrierten sofort, dass keinerlei Frauen oder Mädchen zugegen waren). Stolz possierten die Männer mit ihren Gockeln, die mit einem Strick am Bein nicht weglaufen konnten und nach allen Regeln der Kunst für den Kampf aggressiv gemacht wurden. Während man probeweise Hahn gegen Hahn aufstellte, liefen nebenbei die Kampfverhandlungen und anschließend ein wildes Gefeilsche um beachtliche Dollarsummen. Dass das Ganze kein Spaß werden sollte, begriffen wir spätestens, als die ausgesuchten Hähne mit einer rasiermesserscharfen Klinge am Bein versehen wurden. Danach sammelten sich blitzschnell alle Schaulustigen um die als "Arena" benutzte Stalleinfassung und begleitet von lautstarken Anfeuerungen gingen die Tiere aufeinander los. Es war schlichtweg grausam! Gebannt und angewiedert zugleich blieb einem beinahe das Herz stehen, als nach Sekunden bereits das Blut spritzte. Schwer verletzt duckte sich einer der Hähne auf den Boden, wurde aber erneut auf seinen Rivalen gehetzt bis der Sieg einstimmig anerkannt war. Das arme Tier landete anschließend halbtot im hohen Bogen in einer Tonne, wo es offensichtlich zugrunde gehen sollte. Geschockt versuchte Kerstin noch in Erfahrung zu bringen, ob die Tiere wenigstens im Kochtopf landeten (angeblich ja) - soviel zum ersten Tag in Ost-Timor; für Hanka ein Kulturschock im wahrsten Sinne! Uns lief für den restlichen Nachmittag jedes Mal ein eiskalter Schauer über den Rücken, wannimmer die laustarken Männerstimmen auf der anderen Seite der Mauer erahnen ließen, dass erneut ein Tier einen grausamen Tod - nur aus Unterhaltung - zu sterben hatte. Wenn die armen Tiere schreien könnten ... Schüttel!!!


8.-15. August 2004, Dili
54.781 km, S 08-33-55 / E 125-34-17

Dili ist mit Sicherheit die verschlafenste Hauptstadt, die wir je kennengelernt haben. Hier fühlt man sich eher wie in einem Dorf und das überall herumstreunende Viehzeug trägt seinen Teil dazu bei. Es gibt noch nicht mal Straßenbeleuchtung. Ahnungslos streunten wir manchmal durch einen der wenigen "Supermärkte" ohne eine rechte Idee, was wir eigentlich kaufen sollten. Allein schon wegen der vielen UN-Helfer gibt es in Dili zwei Arten von Supermärkten: die lokalen, in denen man sich zwischen 40-Kilo-Säcken Reis, 10 undefinierbaren Fertignudel-Gewürzmischungen und eingestaubten Spirellipäckchen entscheiden muss und die westliche Variante. Aufgefüllt mit bunten Waren aus Australien und Singapur überlegt man sich reichlich, ob die Cornflakes, Schnittkäse oder Tim Tams die ausgepreisten Dollar wert sind. Obwohl es den Anschein erwecken könnte, ist Ost-Timor nicht gerade ein billiges Land. 12.000 UN-Leute haben die Preise satt anziehen lassen und wo immer der US-Dollar als Währung kursiert, schrumpft die Reisekasse schnell. Eine Stunde Internet kostet hier mind. 3 Dollar - halb soviel wie eine Nacht in unserem Gästehaus. Dabei hatten wir mit mit der Unterkunft wirklich Glück, denn man soll kaum eine Bleibe unter 20 Dollar finden können!

Von ehemals 12.000 UN-Helfern sind mittlerweile lediglich1.000 übrig geblieben und dennoch sind die weißen UN-Fahrzeuge in Dilis Straßen nicht zu übersehen. Man kann sich kaum vorstellen, wie es hier nach den letzten blutigen Unruhen 1999 ausgesehen haben muss. Halb Dili soll ausgebrannt gewesen sein. Nur hier und da sieht man noch ein paar wenige, schwarzgerußte Mauern. Die Menschen sind offenbar sehr bemüht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Ost-Timor ist übrigens die jüngste Nation der Welt! Zugegeben wussten wir bis vor ein paar Wochen nur äußerst wenig über Ost-Timor und wäre Dili nicht der am besten und schnellsten zu erreichende Hafen Südostasiens von Darwin aus, wer weiß, wohin wir unsere Honda stattdessen verschifft hätten. Wir sind quasi in ein Land gereist, in das wir gar nicht unbedingt wollten...

Apropos, am Donnerstag erfuhren wir enttäuscht, dass unser Frachtschiff erst am Samstag in Dili einläuft. Jetzt können wir die Honda erst am Montag durch den Zoll bringen. Nicht nur, dass wir uns ohne fahrbaren Untersatz völlig gehandicapt fühlen - wir haben es bereits nach zwei Tagen satt, allein in unserer Herberge herumzuhängen und uns von den aggressiven Blutsaugern auffressen zu lassen. Wir verkokelten in einer Woche mehr Moskitokeulen als auf unser ganzen Reise zusammen! Tja, seit Kerstin, Volker, Dagmar und Peter am Montag früh nach Darwin geflogen sind, ist es recht einsam hier geworden. Wir können uns bildhaft ausmalen, welch Kulturschock der anderen Art die vier gerade in Australien durchmachen: den Konsumrausch der zivilisierten Welt schlechthin, inklusive der geregelten Ordnung von Motorradparkplätzen, Recyclingtonnen und blitzsauberen öffentlichen Toiletten mit Klopapier. Klingt geradezu, als würden wir Australien nachtrauern, was? So ganz sind wir in unerer neuen Welt auch noch nicht angekommen.

Voller Erwartungen schlug Erik also am Montagmorgen im Büro der Schiffsagentur auf, während Hanka mit reichlich Eispackungen (wir hatten glücklicherweise den Luxus eines Gefrier-Kühlschrankes) ihr von einem Mückenstich zugeschwollenes Auge kühlte. Der SDV-Agent eröffnete ihm erstmal, dass der Frachter erst am Morgen angekommen sei und gerade entladen wird. Für die Zollabwicklung würden dann 50 USD anfallen, plus 25 USD Hafengebühr plus 3 USD für sonstwas - unterm Strich 78 USD. Das klang saftig! So wie es aussah, würde das Ganze ohnehin den ganzen Tag in Anspruch nehmen und Erik strich schon mal die 50 Dollar Agenturgebühren von der Liste; den Papierkram würde er schon selbst irgendwie hinbekommen. Bereitwillig erklärte der Typ sogar, wie Erik zuerst zum Zoll, danach zum Hafen laufen und Stempel einsammeln sollte. Anschließend dürfte er wieder zurück ins Büro kommen, um die Hafengebühr zu zahlen und schließlich das Papier zu erhalten, gegen das einem dann im Hafen das Motorrad ausgehändigt werden würde.

Auf dem Zollamt gab es zunächst schlechte Nachrichten. Erik müsste erstmal zum Transportministerium, dort bekäme er dann einen Laufzettel mit dem er fünf weitere Behörden abklappern sollte, bevor der Zoll sich die Sache mal anschaut. Nach einigem hin und her fand sich dann aber doch noch ein Zöllner, der schon mal etwas von einem Carnet de Passages gehört hatte und es gelang ihm sogar, seine Kollegen zu überzeugen, dass sie damit weniger Arbeit hätten. Das Carnet wurde eine Weile herumgereicht, bestaunt und darüber diskutiert, wie man es am besten handhaben sollte. Erik stellte fest, dass er mit Spanisch noch am besten verstanden wurde (Ost-Timor war ehemals portugiesische Kolonie). Das lockerte auch die ganze Atmosphäre ein wenig auf und die Zöllner erkundigten sich freundlich nach dem woher und wohin. Alsbald gab es den begehrten Stempel auf's Carnet. Doch damit nicht genug. Einer der Zöllner begleitete Erik sogar zum Hafen und sprach mit den Hafenarbeitern. Der betreffende Container ist nicht mehr im Hafen sondern bereits im Depot der Reederei, hieß es da. Ein Bekannter des Zöllners fuhr gerade in die Richtung - kein Problem, die beiden mitzunehmen. Im Perkins-Büro wurde zuerst Eriks Helm bestaunt, dann nochmals das Carnet. Es sah wohl offiziell genug aus, zumal auch noch der Zoll selbst das Dokument nebst Eigentümer vorbeibrachte. Klar, dass das Motorrad auch noch einmal für einiges Aufsehen sorgte, als es aus dem Container gerollt wurde. Erik beantwortete geduldig alle Fragen, ließ sich noch beim Anschieben helfen (die Batterie hatte mal wieder schlappgemacht) und düste glücklich vom Hof. Die Sache hatte letztlich keinen Cent, nur einen halben Tag Rennerei gekostet.

Endlich wieder auf der Honda, sah die Welt gleich ganz anders aus. Wo wir tags zuvor noch schwitzend durch die staubigen Straßen gestiefelt sind, ließ es sich mit einer angenehmen Brise Fahrtwind um die Nase in Nullkommanichts entlangdüsen. Wir schnappten auf den mittlerweile vertrauten Hauptverkehrsstraßen Details auf, die wir eine ganze Woche nicht registriert hatten. Natürlich fielen wir unter den Bienenschwärmen von Scootern und Mopeds auf wie ein lilafarbener Hund und so manchem klappte die Kinnlade beim Anblick des "großen" Motorrads herunter. Keine 15 Minuten vergingen und wir lernten Gerd kennen. Der Deutsche ist in Ost-Timor für die UN tätig und wir konnten die nette Einladung zum kühlen Bierchen inklusive Abendessen einfach nicht ausschlagen.

Aus Dili mussten wir wenigstens erstmal für ein paar Stunden raus. Mit Taucherbrille und Schnorchel im Rucksack folgten wir der traumhaft schönen Küstenstraße gen Osten. Die Fahrt wird uns in Erinnerung bleiben: türkisblaue, menschenleere Buchten (und in Australien macht man ein Trara um die überfüllten Queensland-Strände, ha!), verschlafene Dörfer, in denen uns die aufgeweckten Kinder zujubelten und ihre Hände zum "Abklatschen" entgegenhielten. Es war ein tolles Gefühl und wir freuen uns schon auf einen Ausfahrt ins Hinterland. Gerd hatte neben interessanten Einzelheiten über die Arbeit der UN auch einen guten Ausflugstipp für uns parat. Laut Internet legt die nächste Fähre nach Flores am Freitag in Kupang ab. Das gibt uns zwei Tage Zeit, per Bike das Land zu erkunden, bevor wir an Hankas Geburtstag (wohl oder übel und hoffentlich mit indonesischem Visum) die Grenze nach Timor überqueren müssen.


17. August 2004, Dili - Com
55.010 km, S 08-20-35 / E 127-02-37

In einem Punkt behielt Gerd auf jeden Fall Recht: die Leute auf den Dörfern sind wirklich ein anderer Menschenschlag als in der Hauptstadt. Die jubelnden Gesten des Vortages - vor allem von den Kindern - wiederholten sich prompt und zauberten ein permanentes, fasziniertes Lächeln auf unsere Gesichter. Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung in Ost-Timor sind jünger als 14 Jahre alt. Natürlich registrierten wir auch, wie arm die Leute in den Provinzen leben. Die einfachen, windschiefen Hütten sind mit Palmenwedeln gedeckt und alle Generationen - inklusive Viehzeug - scheinen unter einem Dach zu wohnen. Das Kauen der roten Betel-Nüsse ist noch immer weit verbreitet. Dennoch wirken die Menschen sehr freundlich und glücklich: Kinder spielen alle möglichen simplen Spiele: Fangen oder Gummihüpfen, ziehen zerbeulte Spielzeugautos an Stöcken und Stricken hinter sich her oder haben sich ein Minibilliard aus Stöckchen und Glasmurmeln gebaut. Keins der Dörfer wirkt auf uns elendig - im Gegenteil, die Kinder verbreiten einen sprühenden Optimismus. Vom Fotografieren sind die Leute total begeistert, was die Sache für uns einfach macht. Anders als in Süd- oder Mittelamerika protestierte nie jemand gegen unsere Schnappschüsse. Kichernd fragten sich die Menschentrauben wahrscheinlich, was es denn so Besonderes zu knipsen gäbe. Zweifelsohne waren wir für sie mindestens genauso interessant wie ihre Umgebung für uns.

Zufällig entdeckten wir in einer kleinen Bucht entlang der sich traumhaft windenden Küstenstraße eine Gruppe Taucher ins Wasser steigen. Da musste es irgend etwas zu sehen geben und wir hatten bisher vergebens die Schnorchelspots des Reiseführers gesucht. Gewendet und hinein in die Badehosen! Tatsächlich begann wenige Meter vom Strand entfernt ein steiniges Riff, das wie eine Wand in die Tiefe abfiel. Leider konnten wir die Meeres-Fauna nicht uneingeschränkt genießen, denn im Wasser trieben sich beinahe unsichtbare Schwärme von kleinen Quallen herum, die auf der Haut brannten. Uns ging ein Licht auf, weshalb Dagmar und Peter Apfelessig mit sich herumschleppten!

In Nullkommanichts war der Tag herum. Trotz (oder vielleicht sogar wegen) der ganzen Eindrücke war die Fahrt ziemlich anstrengend. Wir legten so einige Vollbremsungen hin, weil plötzlich ein Schlagloch oder einer unserer geliebten "Topes" vor uns auftauchte. Oh ja, die netten, grauen, motorradständer-rammenden Betonhuckel sind wieder da! Was hatten wir die ollen Dinger nicht schon vermisst... Nicht zuletzt tummelte sich alles auf dem Asphalt, was mindestens zwei Beine besitzt. Erschöpft glaubten wir schon gar nicht mehr daran, dass wir es noch vor Dunkelheit nach Com schaffen würden, doch plötzlich tauchte ein Schild auf und kündigte die letzten 15 km an. Auf Anhieb fanden wir den Puderzuckerstrand, von dem Gerd so geschwärmt hatte. Eigentlich hätten wir nicht erwartet, dass wir so bald wieder unser Zelt aufbauen würden. Anderseits gibt es nichts schöneres, als an einem einsamen Strand zu zelten und beim Lagerfeuer den Wellen zu lauschen.


18. August 2004, Com - Dili
55.258 km, S 08-33-55 / E 125-34-17

Ist es nicht ein bisschen wie Urlaub, dem feuerroten Sonnenaufgang über dem Meer vom Zelt aus entgegen zu blinzeln, während das Türkis des Wassers und das Weiß des Strandes von Minute zu Minute inteniver werden? Am liebsten hätten wir das Zelt stehenlassen und den Tag mit Schnorcheln verbracht. Leider bestimmte diese Woche die Freitagsfähre nach Flores unseren Zeitplan - schöner Strand und 30. Geburtstag hin oder her. Beides gibt es sicherlich noch irgendwo anders nachzuholen.

Unser früher Start zahlte sich aus und wir kamen gut voran. Im Gegensatz zu gestern schien es, als wären viel weniger Ziegen, Schafe, Schweine, Hühner, Hunde und sonstiges Getier auf den Straßen unterwegs. Erneut winkten und liefen uns die Kinder von überall in den Dörfern entgegen und wir genossen die Augenblicke, mit freudestrahlenden, großen Augen bestaunt zu werden. Was kann es für ein großartigeres Glücksgefühl geben, als diese Kinder strahlen zu sehen, bloß weil man ihnen auf der Straße ein paar Bananen oder ein kleines Spielzeug schenkt! Leider sind unsere Platzkapazitäten für derartige Überraschungen sehr beschränkt, aber falls wir mal mit einem LKW reisen sollten...

Schon bald durchstreiften wir die terassenartigen Reisfelder von Baucau und schlängelten uns die fantastische Küstestraße hinter Manatuto entlang. Um drei sollten wir in der indonesischen Botschaft aufschlagen und als Hanka schweißgebadet die heiligen Hallen betritt, wird gerade Eriks Namen in gebrochenem Akzent von der Liste vorgelesen. Auf der Botschaft geht es wie in einem Chaotenladen zu. Querbeet werden aus einem winzigen Schalterloch heraus die Namen der Leute vorgelesen, die ein Einreisevisum für Indonesien beantragt haben. Natürlich drängelt sich eine ziemliche Menschentraube vor dem Schalter, Taxis hupen und der Verkehr rollt vor der offenen Tür durch den Staub, dass man seinen eigenen Namen kaum versteht. Offensichtlich war unser Timing ziemlich perfekt und nach nicht mal 10 Minuten haben wir unsere Pässe in der Hand. 60 Tage Indonesien - ein riesiger Stein fällt uns vom Herzen, denn ohne Rückflug- oder Fährticket bekommt man nirgendwo sonst ein Visum für Indonesien ausgestellt (haben wir mittlerweile mehrfach gehört). Also - beim nächsten Mal Ost-Timor: Verschiffung so timen, dass man gleich ein Fahrzeug hat und eine Woche entspannt in Com verbringen kann, während die indonesische Behörde damit beschäftigt ist, die nötigen Visa-Sticker in die Pässe zu kleben.

Zurück in Dili beziehen wir gleich wieder unser altes Zimmer und erledigen anschließend noch einige Besorgungen kreuz und quer durch die Stadt. Zum letzten Mal mit 29 Jahren sah Hanka heute - ehrlich gesagt ein bisschen deprimiert - die Sonne untergehen. Ihren 30. Geburtstag hatte sie sich immer anders vorgestellt! Doch Erik hatte eine wunderbare Idee und wir leisteten uns als kleine Geburtstagsvorfreude ein mega-leckeres Abendessen in einem chicen Thai-Restaurant. Schauen wir mal, was morgen so kommt!

 

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