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Hanka und Eriks "World on 2 Wheels" - Reisetagebuch
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Indien – Vom Himalaya zum Goldenen Tempel


31. März 2005, Delhi – Shimla

75.346 km, N 31-06-52 / E 77-10-42 

Man hätte gut und gerne noch einen Tag in Delhi verbringen können, zumal wir quasi als „Stammgäste“ mittlerweile das schönste Zimmer des Hotels bewohnten. Im Trubel von Paharganj gab es außerdem noch so viel zu bestaunen und zu entdecken – man konnte sich immer wieder vom wuseligen Geschehen da draußen treiben und beeindrucken lassen! Allerdings würde uns die Trödelei in ein paar Wochen leid tun – spätestens in dreieinhalb Monaten sollten wir eigentlich zuhause sein. Kaum vorstellbar! Manchmal tat man besser daran, den Gedanken zu verdrängen, dass diese Reise in absehbarer Zeit ein Ende haben würde. Wie gut, dass der Himalaya sozusagen gleich um die Ecke von hier thronte – so gesehen fühlten wir uns noch irre weit weg von daheim. Mit Spannung blickten wir daher den nächsten Tagen entgegen, denn nach der brütenden Hitze in Delhi freuten wir uns auf die Schneegipfel. Nachdem wir wegen der jüngsten politischen Unruhen leider auf Nepal verzichten mussten, würden wir endlich doch noch ein Stück vom Himalaya sehen! 

Bis Shimla war es ein gutes Stück zu fahren, also brachen wir früh auf. Froh darüber, den Tank schon gestern aufgefüllt zu haben, registrierten wir, dass die Tankstellenstreiks zumindest in Delhi auch heute noch anhielten. Die Honda ließ uns spüren, dass sie sich schon lange danach gesehnt hatte, den Stop-and-Go-Verkehr der Hauptstadt endgültig hinter sich zu lassen. Zügig brachte sie uns auf dem Highway 1 Richtung Norden. Auf Bunny’s Empfehlung hin, fuhren wir mittags die Raststätte in Karnal an und wurden nicht enttäuscht: die Paneer Pasanda (Käsecurry) schmeckte großartig und füllte uns die Bäuche bis zum Abend. 

Hinter Chandigarh blieben von vier Fahrspuren nur noch zwei übrig und spätestens ab Kalka wurde die Strecke endlich interessant. Kurvig schraubte sich der Highway in die Berge, begleitet von einer beeindruckenden Schmalspur-Eisenbahnstrecke, die nach Shimla führt. Die Straße jedoch war weitaus befahrener, als wir gehofft hatten. Daher blieb uns nichts weiter übrig, als uns unter die stinkenden Rußschleudern von LKW’s zu mischen, die wegen ihrer hoffnungslosen Untermotorisierung im Ameisentempo die Berge hinauf schlichen. Nach indischer Manier wurde überholt, wann’s einem gerade so in den Sinn kam, so dass wir die Kurven nur mit Vorsicht genießen konnten und regelmäßig vom Gegenverkehr ausgebremst wurden. Für die kontinuierlichen Adrenalinstöße entschädigten jedoch die witzigen Affenhorden, die entlang der Piste auf die eine oder andere Futterration warteten. Angesichts ihrer leuchtend rosafarbenen Hinterteile konnte man mutmaßen, ob es sich um eine Pavian-Art handelte oder ob sich die Kerlchen die Hintern schon wund gesessen hatten... 

Anlass zum Schmunzeln gab heute auch die Straßenbeschilderung. Aller paar Kilometer tauchten neue Sprüche entlang der Piste auf, wie: „Speed thrills but kills“, „Whisky is risky“ oder „If you are married speed divorces“. Na ob sich das wohl ein Inder zu Herzen nahm?

Kurz vor Shimla äugten uns in der Ferne einige puderzuckerbestäubte Schneeberge entgegen. Der Blick war atemberaubend und entsprechend malerisch ist Shimla gelegen. Der Ort klammert sich wie ein Oktopus über sieben Bergkuppen an steile Kiefernhänge; im Hintergrund leuchteten dabei die Schneespitzen der ersten Himalaya-Ausläufer im Abendlicht. Wahnsinn! 

Leider schwand der bezaubernde Eindruck von Shimla gleich nach unserer Ankunft im Ort. Unsere erste Anlaufstelle wurde die Touristeninfo. Man sollte es nicht für möglich halten, aber solch eine Institution schien es auch in Indien zu geben! Kurz vor Geschäftsschluss stattete man uns mit einem Stadtplan und etlichen Unterkunftsempfehlungen aus. Leider versäumten wir zu hinterfragen, wie diese am besten zu erreichen waren. Wie sich nämlich herausstellte, schienen die meisten davon für uns absolut unerreichbar, da die steilen Berggassen für den Normalverkehr gesperrt und grundsätzlich nur mit polizeilicher Genehmigung zu passieren waren. Während uns gleich der erstbeste Polizist über diesen Umstand zu belehrten versuchte, fragten wir uns, wie denn eigentlich die Gäste zu ihrer Unterkunft kommen sollten? Das war genau das Stichwort für die lauernde Horde von Schleppern, die uns mittlerweile umringt hatte. Natürlich stürzten sie sich anschließend wie die Geier auf uns.  

In emsiger Euphorie, wie wir es noch nirgends erlebt hatten, wedelten die Typen mit Hotelflyern vor unseren Helmen herum. Wir fassten schon aufgrund ihrer aufdringlichen Art kein Vertrauen, doch loswerden sollten wir sie noch lange nicht. Mit einer unbeschreiblichen Penetranz rannten sie die Hauptstraße auf und ab neben uns her und ließen uns kaum die Gelegenheit, in irgendeinem Hotel alleine aufzuschlagen. Einige besaßen sogar die Frechheit, dem Hotelbesitzer gegenüber zu behaupten, sie hätten uns hergebracht. Wir waren stinksauer, weil mit dieser Meute im Schlepptau einfach kein vernünftiger Zimmerpreis auszuhandeln war. Es gab zwar eine große Auswahl an Hotels auch entlang der Hauptstraße, doch sowohl das Preis-Leistungs-Verhältnis als auch die Parkmöglichkeiten für die Honda schnitten dabei äußerst schlecht ab. So suchten wir weiter, und weiter, und weiter. 

Nach sage und schreibe zweieinhalb Stunden hatten wir immer noch nix gefunden, wo wir bleiben wollten. Dafür waren wir bis auf die Knochen durchgefroren (Shimla liegt auf 2.300 m Höhe) und Hanka triefte bereits die Nase. Eine Grippe konnte jetzt keiner von uns gebrauchen. Mit den Nerven fast am Ende, waren wir fast soweit, uns schließlich doch von einem der zahllosen „Touts“ abschleppen zu lassen, nur um endlich in ein Bett fallen und Ruhe finden zu können. Die Parkplatzsituation entlang der steilen Hänge, an denen die Hotels klebten, war uns mittlerweile schon lange egal. Wenn unsere neue „Tarnkappe“ von Motorradplane schon in Delhi funktionierte, dann dürfte es auch hier kein Problem sein, die Honda einfach irgendwo stehen und darunter verschwinden zu lassen. Sei es drum, dass sich in halb Shimla herumsprechen würde, wo ein „riesengroßes“ Motorrad stand. 

Während wir gerade unsere Lage beratschlagten, rammte uns just auch noch ein PKW, der ohne einen Blick in den Rückspiegel rückwärts aus einer Einfahrt stieß. Der Typ bemerkte weder, wie er gegen den linken Seitenkoffer drückte, noch dass wir dabei mit der Honda fast umkippten. Dieses Szenario gab Hankas Nerven den Rest und ihr brannten schließlich die Sicherungen durch. Hysterisch schreiend versuchte sie vergebens, den ungeschickten Lenker aus seinem Tran zu reißen. Als wir dann endgültig auf die Seite gekippt waren und unsere Fuhre kaum noch mit den Füßen abstützen konnten, begriff der auch endlich, dass da was hinter seinem Auto gestanden haben musste. Hanka wäre dem Trottel am liebsten an die Kehle gesprungen. Wutentbrannt schrie sie den Fahrer an, ob er betrunken wäre und wann er denn endlich mal raffte, dass er sein verdammtes Auto wieder ein Stück vorfahren sollte, bevor wir endgültig im Straßengraben landeten. Wir waren beide nicht in der Lage, die Honda mit all dem Gepäck beladen wieder aufzurichten. Stotternd brachte der „Knallo“ und sein Beifahrer auch noch ein „yes, yes“ heraus. Hanka schnaubte vor Wut und heulte einfach völlig fertig los. Was taten wir uns hier bloß an? 

Gott sei Dank meisterten wir es irgendwie immer wieder, dass in brenzligen Situationen zumindest einer von uns die Nerven behielt. Heute war es Erik, der den kühlen Kopf bewahrte. Immerhin war ja nix weiter passiert und auch die Honda stand schon wieder auf den Rädern. Während Hanka mit einer Wut im Bauch frierend, schniefend und heulend die Straße auf und ab ging, schilderte Erik den Jungs unser derzeit größtes Problem. Jedenfalls halfen uns die beiden Verkehrssünder schließlich schuldbewusst und mit ehrlichen Absichten, eine Unterkunft zu finden. Gleich ein paar Meter weiter war ein sogenanntes „Rest House“, was als staatliche Einrichtung für Angehörige der Armee als Herberge diente, wie wir lernten. Dort brachte man uns schließlich zu einem guten Preis unter und wir bezogen ein riesiges, jedoch eiskaltes Zimmer. Wir hatten nicht den Eindruck, als hätte der Besitzer schon jemals ausländische Gäste beherbergt. Keiner der Angestellten sprach auch nur ein Wort Englisch. Daher sorgte unsere Ankunft für entsprechende Aufregung. Hanka war ganz und gar nicht in der Stimmung, einen netten und freundlichen Eindruck bei unseren Gastgebern zu hinterlassen und überließ Erik das Sagen. Dies war schließlich auch angebracht, denn mit militärischem Eifer machte sich einer gleich daran, unser Motorrad zu entladen und begriff nur schwer, dass wir unsere Sachen lieber selbst vom Bike zurrten.  

Nachdem wir all unser Gepäck auf unser Zimmer geschleppt hatten und die Honda unter der Plane verschwunden war, ließen wir uns erstmal auf das nach Mottenkugeln „duftende“ Bett fallen. Selbst die muffeligen Decken waren Hanka egal, denn nach diesem 12-Stunden-Tag im Sattel war sie einfach fertig mit der Welt und wollte nur noch die Rußmaske aus dem Gesicht waschen und vor allem eine heiße Dusche – sofern es denn warmes Wasser gab –­ drängte sich als nächster Gedanke auf [yiippieh, gab es]. Wir sollten jedoch bloß nicht glauben, der Tag wäre geschafft. Die erste Verschnaufpause währte nicht lange und da man uns keinen Zimmerschlüssel gegeben hatte, stand auch prompt kurze Zeit später ein Typ auf der Matte. Seine neugierigen Blicke auf unser Equipment verrieten, dass der Krug Wasser nur ein Vorwand war. Als nächstes wollte man unser Zimmer fegen, dann kam wieder einer und brachte uns ein großes Buch, in das wir unsere Daten schreiben sollten. Jedenfalls platzte immer wieder jemand wegen irgendwelcher Belanglosigkeiten in unser Zimmer herein. An Privatsphäre war einfach nicht zu denken – dazu waren wir eine viel zu interessante Abwechslung. Wir fragten uns, wo wir da bloß gelandet waren?  

Echt dankbar zeigten wir uns allerdings für eine warme Mahlzeit, die man uns brachte, nachdem Erik mit Händen und Füßen erklärte, dass wir Hunger hätten und ob man irgendwo essen gehen könnte. Hankas angeschlagene Nerven versöhnte obendrein noch ein elektrischer Heizstrahler, der die kalten Knochen wieder auftaute und bis in die Nacht neben ihrer dicken Bettdecke auf Hochleistung lief. Der Temperaturwechsel von 38˚C in Delhi auf 16˚C in Shimla setzte uns zu. Das war aber auch ein Tag heute!!!


1. April 2005, Shimla – Mandi

75.558 km, N 31-42-18 / E 76-56-02 

Ursprünglich hatten wir die Absicht, einen freien Tag in Shimla zu verbringen, doch nach den gestrigen Erlebnissen war uns die Stadt nicht mehr wirklich sympathisch und wir konnten uns schwerlich vorstellen, noch eine zweite Nacht bei unseren neugierigen Gastgebern zu verbringen. Immerhin hatte man uns ohne Störungen bis halb neun schlafen lassen und anschließend sogar ein bescheidenes indisches Frühstück mit Eiern und Chai serviert. Ausgeruht fiel es uns heute bereits um einiges leichter, darüber hinwegzusehen, dass jeder Teller wieder einzeln abgeräumt wurde oder dauernd jemand kam, der unser Zimmer kehren wollte, Gläser aus dem Schrank holte oder sonst einen Blick auf uns zu werfen gedachte. So dauerte es einige Zeit, bis die Jungs verstanden, dass wir abreisten und auch nicht zum Mittag- oder Abendessen wiederkamen. Offenbar hatten sie uns schon richtig lieb gewonnen, aber uns war das Ganze auf Dauer zu anstrengend. 

Vor einem tiefblauen Himmel hebten sich die fernen Schneekuppen vom Grau der Berge ab und lockten mit einem fantastischen Fahrerlebnis. Das wurde es auch, zumal sich die Nebenstrecke über Tattapani – Karsog – Chachot fantastisch anließ. Bunny hatte uns nicht vorgewarnt, dass es ununterbrochen bergauf- und bergab ging: von 2.400 m Höhe auf 1.200 m herab und wieder auf 2.000 m hinauf. Nicht ein einziger Kilometer, den sich die kurvige Piste geradeaus zog! Im Gegensatz zur gestrigen Hauptroute waren auf der beschaulichen Nebenstrecke keine LKW’s unterwegs und wir hatten die Kurven fast für uns alleine, dass man seekrank dabei werden konnte. 

Aber nicht nur fahrerisch, sondern auch landschaftlich machte die Strecke absoluten Spaß. Wir hätten nie geglaubt, dass Kiefern und Kakteen, Palmen und Schneeberge, schließlich gar noch Affen – alle in einem Landstrich vorkommen können. Das alles passte irgendwie nicht zusammen und war dennoch überwältigend. Im saftigen Grün strahlten steile Terrassenfelder an den Hängen, zogen tibetisch aussehende Gesichter an uns vorbei, stürzten wilde Wasserfälle in die Tiefe und am Horizont lugten immer wieder blendend weiße Schneespitzen hervor. 

Allerdings kostete die Panoramatour Zeit – viel Zeit. Wir kamen gerade mal auf einen Tagesschnitt von knapp 30 km pro Stunde, so dass wir uns Manali für heute aus den Köpfen schlagen konnten. Kurz vor Sonnenuntergang trudelten wir in Mandi ein, wo wir uns ins erstbeste Quartier einmieteten. Das Hotel Partap Palace war zwar alles andere als ein Palast und ein Zimmer roch schlimmer nach abgestandenem Zigarettenqualm als das andere, aber nach den gestrigen Strapazen hatte keiner von uns Lust darauf, sich nach einer besseren Bleibe umzusehen. Immerhin war der Fernseher nicht zu verachten und wir bekamen sogar ein Raumspray gegen den Zigarettenmief!  

Geschafft trotteten wir anschließend zum Marktplatz, um uns nach etwas Essbaren umzusehen. Der hygienische Eindruck der kleinen, siffigen Thali-Bude ließ leider zu wünschen übrig. Doch es war die am besten besuchte Lokalität am Platze und so hofften wir, dass der rege Kundenverkehr wenigstens für frische Zutaten sorgte. ‚Manchmal wäre es dennoch eine gute Idee, wenigstens einen eigenen, sauberen Löffel in der Hosentasche stecken zu haben’, gestanden wir uns ein. Ob bewußt oder unbewußt – mittlerweile berührten wir Essbesteck nur noch minimal mit den Lippen. Vielleicht half die Einbildung, sich auf diese Weise vor Montezumas Rache in Acht zu nehmen... 

Gesättigt zogen die restlichen Abendstunden vor dem Fernseher an uns vorbei. Morgen waren dann die voraussichtlich letzten 100 km in nördlicher Richtung fällig. Weiter als nach Manali würden wir um diese Jahreszeit wahrscheinlich nicht kommen. Anfang April waren die Pässe sicherlich noch tief verschneit. Wir konnten den Schnee schon förmlich riechen, obwohl die grünen Knospen und weißen Kirschblüten entlang der sonnigen Talhänge auf eine zauberhafte Weise den Frühling verkündeten.


2. April 2005, Mandi – Manali

75.674 km, ohne Koordinaten

Dem Flusslauf des Bea Rivers folgend, schrauben wir uns von Mandi erneut die Berge hinauf. Obwohl die Schneespitzen schon ein ganzes Stück näher gerückt waren, konnte die Strecke nicht mit der gestrigen Traumroute mithalten. Einfach zu viel Verkehr klebte auf der Bergstraße nach Manali – wir spürten deutlich, dass wir wieder auf der Hauptroute gelandet waren.  

Obwohl wir die Frühlingsluft genossen und das erste Mal seit etlichen Monaten das vertraute Gefühl von Jahreszeiten erleben durften, fielen die Temperaturen bei jeder Wolke vor der Sonne in den Keller. Die umliegenden Schneehänge schmolzen zwar schon, aber kurz hinter Manali herrschte noch immer Winter. Man sagte uns, dass der Rohtang Pass (3.978 m) noch mindestens vier Wochen gesperrt und die Strecke nach Leh sogar erst frühestens im Juni passierbar sei. Wie befürchtet würde der Weg nach Manali für uns eine Sackgasse bleiben. Keineswegs einfach, immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Dabei soll die Strecke nach Leh durch Ladakh und weiter nach Srinagar eine der atemberaubendsten Touren überhaupt sein (4 Hochpässe!!!). Noch immer hörten wir Ken’s begeistertes „Srrrrrinagar“ und seine faszinierenden Stories in unseren Ohren nachklingen. 

Da Manali abseits unserer „Overlander-Route“ lag, gab der Reiseführer „Istanbul – Kathmandu“ nichts über diesen Ort preis, obwohl hier der Tourismus offensichtlich starken Einzug gehalten hatte. Was die Unterkunftssuche betraf, waren wir jedenfalls leider einmal mehr auf uns selbst gestellt. Wieder einmal waren wir an dem Punkt angelangt, wo uns die ständige Suche nach einer Bleibe ziemlich auf den Wecker fiel – aber das brachte so ein Nomadenleben halt mit sich. Nach den Reinfällen der letzten beiden Nächte war es uns jedenfalls ein Anliegen, möglichst einen Tag lang auszuspannen und irgendwo halbwegs nett unterzukommen.  

Zunächst wurden wir von der Flut an Hotelbeschilderungen fast erschlagen, als wir gegen Mittag den Ort passierten. Nun galt es nur noch, auch die richtige Preiskategorie zu finden, denn Manali ist ein bei reichen Indern beliebter Wintersport-Ort und übersäht von hässlichen 4-Sterne-Hotels. Dann gab es auch noch das andere Extrem, nämlich Herbergen voller lautstarker, meist israelischer Backpacker. Seit Südamerika hatten wir gelernt, solche Hostels möglichst zu meiden. Je mehr wir von Manali sahen, desto weniger gefiel uns dieser „hochgezüchtete“ Urlaubsort. Dankbar für den Tipp, es etwas außerhalb von Manali, im sogenannten Old-Manali zu versuchen, fanden wir schließlich eine einfache, aber saubere Bleibe mit tollem Blick auf die Berge. Hier gab es auch eine riesige Gemeinschaftsveranda, die für den restlichen Nachmittag Hankas Revier wurde. Unterdessen bugsierte Erik die Honda geschickt über Stufen und offene Kabelgräben den schmalen Weg zum Guesthouse hinauf, um in der wärmenden Sonne endlich – und vor allem ohne von deiner Traube Inder umringt zu sein – das Kettenritzel zu tauschen, das wir dank Olaf seit Delhi in der Tasche hatten. So ganz ohne Publikum sollte das Ganze dennoch nicht vonstatten gehen, denn Erik machte Bekanntschaft mit einem netten Typ aus Dresden. Wo man doch überall auf Sachsen trifft! Robert hatte es mit einer Sportskollegin nach Manali verschlagen, wo die beiden Biathleten in den letzten Tagen an dem Versuch gescheitert waren, die umliegenden Gipfel in einer Wochenwandertour mit Skiern zu bewältigen. Die erste Nacht hatten sie schon unterhalb des Rohtang Passes abenteuerlich im Zelt verbracht, doch dann verletzte sich Robert am Fuß und die zwei mussten umkehren. Nun humpelte er fluchend durch Old-Manali – sein Urlaubstraum zerplatzt.


3. April 2005, Manali

75.710 km, ohne Koordinaten           

Da Old-Manali im Vergleich zum Hauptort ziemlich verschlafen wirkte, staunten wir nicht schlecht über das durchaus touristenfreundliche, kulinarische Angebot. Abgesehen von einer Pizzeria sowie einem tibetischen Restaurant gab es auch einen kleinen Laden, wo wir richtiges Brot kaufen konnten. Nicht minder war die Freude über ein Glas Nutella, das da wie selbstverständlich im Regal herumstand – dies schien der Himmel auf Erden und bedeutete ein genüssliches Frühstück auf der Terrasse. Während der Benzinkocher fauchend und (wieder einmal) hustend das Wasser für Eriks Kaffee zum Kochen brachte, beobachteten wir eingemummelt in unsere Motorradklamotten, wie die ersten Sonnenstrahlen die oberen Berghänge kitzelten. Es konnte noch einige Zeit dauern, bis die Sonne das Tal hinunter wanderte und so lange war erstmal frieren angesagt. Dafür versprach der wolkenlose Himmel einen traumhaft schönen Tag. 

Gut gelaunt und ausgeschlafen schwangen wir uns auf die Honda für einen Tagesausflug. Wollten wir doch mal sehen, wie weit man den Rohtang Pass hinauf kam. Es war eine Wohltat, ohne Gepäck zu fahren – und erst das neue Kettenritzel!!! Erik hatte sich nie so richtig an die ungewöhnlich kurze Übersetzung gewöhnt. Seit Bangkok fuhren wir gezwungenermaßen mit 17 anstatt 16 Zähnen auf dem Ritzel und das machte sich im Stop-and-Go Verkehr oder auf steilen, engen Gebirgsstraßen ziemlich unangenehm bemerkbar. Dank Olafs Hilfe, ein neues Ritzel aus Deutschland mitzubringen, genossen wir nun wieder Fahrspaß. 

Wir legten zunächst einen kurzen Zwischenstopp in Manali ein, wo wir am Busbahnhof tags zuvor einen Messerschleifer mit einem alten Schleifkarren gesichtet hatten. Da es unser Brotdolch vielleicht noch mit einem altersschwachen Hund aufnehmen konnte, aber nicht mehr mit einem Laib Brot, ließen wir der Klinge kurzerhand einen neuen Schliff verpassen. Hankas Papa hätten dabei vermutlich die Haare zu Berge gestanden. Zwar war das Messer anschließend etwas schärfer, hatte dafür aber nun ein paar Kerben mehr. Doch das sah der „Handwerker“ hier nicht so verbissen. 

Auf den nächsten Kilometern wurde uns gewahr, wie tibetisch die Gegend um Manali bereits geprägt ist: bunte Gebetsflaggen zerrten flatternd an Brücken und Stangen im Wind und wir sahen freundliche Gesichter mit asiatischen Gesichtszügen und typisch rötlich-gelber Hautfarbe. Die Männer trugen runde Käppis mit nach vorne umgeklapptem Saum. Bei den Frauen fielen die einfachen Kopftücher auf, die im Nacken zusammengeknotet waren und lang über die mit Fransen versehenen, dicken Chubas fielen. Es dauerte nicht lange, bis wir eines der Auffanglager für tibetische Flüchtlinge passierten. Die Behausungen wirkten katastrophal und waren nicht viel mehr als zusammengenagelte Blechbuden. Uns schien es rätselhaft, wie die Menschen unter diesen Bedingungen den eisigen Nachttemperaturen oder erst dem tiefen Winter hier standhielten.  

Für die „Großstädtler“ aus Delhi und anderswoher schien allein der Anblick von Schnee bereits wahre Frostbeulen auszulösen. Je höher wir uns die Straße nach Palchan hinaufschraubten, desto häufiger wurden die kleinen Bretterbuden, in denen frierende Touristen füllige Pelzmäntel und dicke Skianzüge ausleihen konnten. Es wirkte so albern!  

Noch alberner als je zuvor verhießen heute die kurvenbegleitenden Verkehrswarnschilder tolle Sprüche wie „On the bend go slow friend“. Als unseren Lieblingsspruch kürten wir jedoch „Be mild on my curves“. Das durften wir uns auf dem Rückweg keinesfalls fotografisch entgehen lassen! 

Zunächst liefen uns nämlich zum ersten Mal Yakrinder vor die Linse und sorgten mit ihrem tapsigen, doch überraschend schnellem Schritt und dem zottelig-dicken Fell für heitere Aufregung. Dabei konnten sie genauso stur sein, wie gewöhnliche Rindviecher und ließen sich nur dickköpfig in die gewünschte Richtung bringen. Wir bedauerten sehr, dass uns Tibet mit seiner faszinierenden Kultur und ungewöhnlichen Lebensart verschlossen bleiben sollte.  

Bis zum Rohtang Pass kamen wir gerade mal 50 km weit, danach versank die Passstraße im dicken Schnee und war gerade noch so als vage Schlängellinie in der Ferne auszumachen. Kurz vor dem letzten Dorf hatte sich daher ein regelrechter Menschenauflauf zusammengebraut. Kurzurlauber aus den südlicheren Breiten Indiens zelebrierten das Erlebnis, einmal im Leben im Schnee gewesen zu sein. Ausgelassen torkelten und taumelten die Leute in ihrer ausgeliehenen Pelzausrüstung durch das weiße Nass, rutschten auf aufgeblasenen LKW-Reifen die Hänge hinab oder ließen sich per Pony oder Schlitten bis zur Schneezunge des Passes hinauf ziehen. Die Szene wirkte ziemlich aufgesetzt und kommerziell, hatte aber dennoch einen besonderen Reiz.  

Mehr als der Schnee faszinierten uns die umliegenden Berge, die sich traumhaft von den frischgrünen Wiesen und blühenden Bäumen im Tal abhoben. Die Luft hier oben war eisig kalt und der Wind trieb die Kälte bis in die Knochen – dennoch verspürten wir ein innerliches Wohlgefühl, wie man es nur an einem sonnigen Schneetag erlebte. Mit großen Augen freuten wir uns anschließend an den blühenden Kirschbäumen in den Dörfern – ein duftendes, zartrosa und weißes Farbenspiel. Ein kleiner Bach verleitete dazu, eine kurze Aufwärmpause einzulegen und wir kamen auf die Idee, unsere Motorradplane einer gründlichen Frühjahrswäsche zu unterziehen. Seit die Tauben in Delhi ihre Spuren darauf hinterlassen hatten, falteten wir das Ding bereits nur noch mit gespreizten Fingern zusammen. Es wurde eine spaßige Aktion, die riesige, zeltartige Plane in der Strömung festzuhalten und dabei mit unserer Bürste zu bearbeiten – aber von Erfolg gekrönt, denn das Resultat konnte sich sehen und wieder anfassen lassen. 

Während unseres abschließenden Schilder-Shootings erlebten wir plötzlich einen Rollentausch. Mit quietschenden Reifen stoppte nämlich unvermittelt ein aufgemöbelter Jeep vor uns. Heraus sprangen zwei angeputzte Inderinnen mit ihren Begleitern, von denen die eine geradewegs mit den Worten „Foto, Foto“ auf uns zustürmte. Schwuppdiewupp fanden wir uns auch schon in der Rolle als Fotomodelle wieder. Geduldig grinsend ließen wir uns ablichten, ja das ganze Spektakel sogar auf Videoband festhalten. So schnell, wie die vier aus dem Nichts aufgetaucht waren, so schnell rauschten sie mit einem „Thank you“ auch schon wieder ab. Noch etwas benommen fragten wir uns, was diese Aktion nur zu bedeuten hatte? Woher kam nur diese Überschwenglichkeit - die Leute kannten uns ja gar nicht. Andererseits knipsten wir schließlich selbst nicht allzu knapp Szenen mit und von verschiedenen Leuten, denen wir unterwegs begegneten. So fühlte man sich also vor der Kamera... Jedenfalls fanden wir den Rollentausch ziemlich lustig und fingen anschließend gemütlich doch noch unsere Schnappschüsse von den witzigen Straßenschildern ein.


4. April 2005, Manali – McLeod Ganj

75.973 km, N 32-14-09 / E 76-19-38 

Obwohl wir uns in Gesellschaft der beiden sächsischen Biatlethen ganz wohl fühlten, wollten wir einander nicht länger aufhalten. Das nächste Etappenziel lockte und wir waren sehr gespannt auf das, was uns in McLeod Ganj, 250 km westwärts erwartete. 

Um der befahrenen Hauptstraße zurück ins Kullu Valley zu entgehen, wählten wir eine kleine Piste, die parallel auf der anderen Uferseite des Bea Rivers verlief. Auf dieser Seite des Flusses schienen die Dörfer um einiges verträumter und wir passierten eine abenteuerliche Hängebrücke, deren Holzplanken unter der Honda krachten und ächzten. Für Hanka war es schon Abenteuer genug, das schaukelnde Ding zu Fuß zu überqueren! 

Beim Blick in den Rückspiegel bot sich ein Bild aus gigantischen, schneebedeckten Bergen, die sich sichelartig um das fruchtbare Tal schmiegten. Noch deutlicher als auf dem Hinweg ließ diese Formation erkennen, dass der Weg nach Manali mit dem verschneiten Rohtang-Pass derzeit ein totes Ende war. 

Auch auf dem Weiterweg gen Westen saugten wir die Hochgebirgslandschaft in uns auf. Immer wieder begleiteten uns rechterhand die schneeweißen Bergzüge des Himalayas, während sich die Straße entlang steiler Hänge schlängelte oder durch blühende Täler schnitt. Hier und da belagerten kleine Affenbanden die Kurven – mit lebhaften Augen immer auf eine mögliche Fütterung wartend. 

Am späten Nachmittag erreichten wir Dharamsala. Seit 1959 ist der Name Synonym für den Ort, wo sich der Dalai Lama sowie die tibetische Regierung im Exil aufhalten. Vielleicht erhofften wir uns deshalb einen tibetisch angehauchten, ersten Eindruck von der Stadt, der sich leider nicht bestätigte. Dharamsala war laut, chaotisch und unübersichtlich wie beinahe jede andere indische Stadt. Enttäuscht wuselten wir uns durch den Verkehr, um den 9 km nördlich gelegenen Ortsteil McLeod Ganj zu erreichen. Ausgerechnet jetzt wurde die Straße neu geteert, was nicht nur für einen Stau an stinkenden Bussen, sondern auch für klebrige Schutzbleche sorgte. Erik gab Gas, wann immer sich ein Lücke auftat und so hangelten wir uns steil bergauf, um einen der beliebtesten Hangouts internationaler Backpacker zu erreichen: McLeod Ganj.  

Doch ganz so schnell kamen wir doch nicht an, denn plötzlich vollzog Erik einen Schwenk an den Straßenrand und suchte fluchend nach seinen Handschuhen, die vermeintlich hinter der Windschutzscheibe stecken sollten. Doch da klemmte nur noch einer, der andere war spurlos verschwunden! So ein Mist – das uns noch immer derartige Anfängerfehler passierten! Es war nicht das erste Mal, dass sich einer der Handschuhe von dort aus dem Staub gemacht hatte. Die Windschutzscheibe blieb damit der unglücklichste Ort, um die Lederdinger kurzzeitig zu verstauen. Genervt kramte Erik in seinem Kurzzeitgedächtnis – der zweite Handschuh musste sich irgendwo auf den letzten Kilometern verselbständigt haben. Keine Zweifel, nachdem wir ganz in der Nähe der Baustelle noch einen letzten Blick auf die Landkarte geworfen hatten, war Erik einfach wieder in seine alte Gewohnheit verfallen und hatte die lästigen Dinger einfach hinter die Scheibe gestopft: Schließlich waren es ja nur noch ein paar Kilometer bis zum Ziel. Mit geschärften Adleraugen kehrten wir um – den fauchenden Verkehrshindernissen entgegen, die wir bereits erfolgreich überholt hatten. Nun fuhren wir im Schleichtempo und suchten einer links, einer rechts, Straßengraben und Straße ab - den ganzen Weg zurück bis Dharamsala! Abgesehen von schmutzigen Müllresten war jedoch nichts zu finden! Wahrscheinlich freute sich gerade ein Inder über einen überdimensionalen, abgewetzten Lederhandschuh, denn es gab nichts, das in Indien unentdeckt blieb. Während Erik sich gewaltig über seine eigene Dummheit ärgerte und Hanka bereits im Geiste die kläglichen Möglichkeiten durchging, wie und wo denn für Eriks vergleichsweise riesigen Klauen Ersatz zu besorgen wäre, entdeckten wir den „Ausreißer“dann doch noch. Unschuldig lag er einfach am Straßenrand – nur 100 Meter vor der Stelle entfernt, an der Erik den Verlust bemerkt hatte. 

Erleichtert trieben wir die Honda die letzten Kilometer unserem Ziel entgegen, während langsam aber sicher die Dämmerung über uns hereinbrach. Die Handschuh-Aktion kostete uns zwar eine dreiviertel Stunde Zeit, war aber zum Glück noch einmal gut gegangen. Im Dunkeln hätten wir keine Chance gehabt, das schwarze Leder überhaupt wiederzufinden! 

Während Hanka am trubeligen Hauptplatz zwischen trillerpfeifenden, verkehrsregelnden Busfahrern, Lonely-Planet-lesenden Touristen und kahl rasierten Mönchen und Nonnen ein Auge auf Gepäck und Honda behielt, kletterte Erik ein ziemliches Dutzend an Treppen hangabwärts, um zum Tse Chok Ling Kloster zu gelangen. Auf dem Flug von Bangkok nach Delhi hatte uns ein Mädel neugierig darauf gemacht, hier die Gastfreundschaft der tibetischen Mönche in Anspruch zu nehmen. Angeblich konnte man im Kloster an den Zeremonien der Mönche teilnehmen – es hörte sich jedenfalls nach einem ganz besonderen Ort an, was uns natürlich interessierte. Leider waren alle Gastquartiere ausgebucht, lediglich die Bibliothek stand als notdürftiges Dach über dem Kopf zur Verfügung. Das war zwar lieb gemeint, aber wir wollten die Gastfreundschaft der Mönche nicht überstrapazieren. Erik stiefelte also keuchend die unzähligen Stufen zur Straße wieder hinauf, wo Hanka schon mal prophylaktisch den Lonely Planet nach alternativen Unterkünften durchforstet hatte. Wieder einmal schien das Parken entlang der steilen Hänge, an denen der Ort klebte, zum Problem zu werden. Nach den ersten beiden Fehlversuchen quatschte uns ein Typ nett an und lotste uns zu einem nagelneu eröffneten Guesthouse, in dem er selber seit kurzem arbeitete. Wir jubelten innerlich vor Freude angesichts des puren Luxus’, ein nagelneu eingerichtetes Zimmer zu beziehen. Es gab einen Balkon (musste man doch immer Möglichkeiten zum Wäschewaschen ins Kalkül ziehen), ein tip-top gefliestes Badezimmer und das Beste: ein frisches Bett mit einer richtig coolen Matratze und neuen Steppdecken, das geradezu zum Träumen einlud! Etwas Besseres konnte uns kurz vor Eriks Geburtstag gar nicht passieren!


5.-7. April 2005, McLeod Ganj

75.973 km, N 32-14-09 / E 76-19-38 

Blinzelnd lugte Erik aus den Kissen, um seinem mittlerweile dritten Geburtstag auf dieser Reise entgegen zu fiebern (Argentinien – Australien – Indien). Seinen 34. Geburtstag nahmen wir zum Anlass, um uns einen Wunsch zu erfüllen: Nachdem wir in den letzten Wochen die vegetarische indische Küche von Malai Kofta, Palak Paneer, Narrattan Korma, Dhal bis hin zu Paratha und Roti kennen, ja sogar schätzen gelernt hatten, wollten wir herausfinden, mit welchen Gewürzen man solch exotischen Geschmäcker zusammenstellte. In McLeod Ganj gab es eine großzügige Auswahl an Kochkursen indischer und tibetischer Art – ganz auf Backpacker spezialisiert. Flugs meldeten wir uns zu einer „Indian Cooking Lesson“ an und ehe wir uns versahen, schwangen wir auch schon die Kochlöffel. 

Die Kochküche allein war schon abenteuerlich genug: wir verwendeten einen seltsamen Schnellkochtopf, um die Linsen weich zu kochen. Das fauchende, pfeifende Ding machte nicht nur einen labilen Eindruck, sondern drohte jeden Moment zu explodieren oder ins All abzuheben. Die Wände waren schwarz vom Ruß, aber für indische Verhältnisse konnte man unser „Kochstudio“ dennoch als recht passabel bezeichnen. Natürlich durfte man hier wohl kaum ein Urteil mit europäischen Augen fällen – die ganze Sache machte jedenfalls einen Heidenspaß und wir lernten endlich, mit Cumin, Kurkuma, Chili und Masala zu hantieren. Zum Schluss übte sich Hanka darin, die kühnen Wendebewegungen nachzuahmen, um Chapathi zu formen (einfaches Fladenbrot) – es sah jedenfalls einfacher aus, als es tatsächlich war, solch filigrane „Frisbeescheiben“ herzustellen! 

Kulinarisch hatte McLeod Ganj jedenfalls so einiges zu bieten. Nicht nur an Eriks Geburtstag zelebrierten wir nachmittags das Ritual, irgendwo auf ausgesprochen leckeren Schokoladenkuchen und Kaffee einzukehren. Es gab auch einen fabelhaften Koreaner oder einen Italiener mit hausgemachter Pasta. Selbst das überall erhältliche tibetische Brot war nicht von schlechten Eltern, obwohl ja die tibetische Küche aufgrund der extremen, klimatischen Hochlandbedingungen grundsätzlich eher karg ausfällt. Die Krönung war jedoch ein fabelhaftes Frühstücksangebot mit Müsli, Naturjoghurt und frischen Früchten oder Varianten von Toast. Kein Wunder, dass es viele der Backpacker hier wochenlang aushalten. Aber wir sollten keine falschen Ambitionen unterstellen. Die meisten der Touris hatten nämlich ganz andere Beweggründe, die sie hier festhielten: da wäre natürlich die spirituelle Energie, die von einem solchen Ort ausging: Wenn nicht hier, wo sonst konnte man sich auf’s Meditieren konzentrieren, tibetische Kultur und Buddhismus studieren oder sich einfach eine Mission einreden, um Tibet zu retten. Schließlich streiften genug Nonnen und Mönche in ihren weinroten Kutten durch den Ort. Man konnte sich ohne weiteres selbst als Ausländer ihrem Kloster anschließen. Viele der Touristen warteten auch auf einen Termin für eine Audienz beim Dalai Lama – das war für manche eine ganze Reise wert. Auch wir wären neugierig auf eine solche Audienz gewesen, doch leider war der das tibetische Oberhaupt für die kommenden Wochen geschäftlich außer Landes. Stattdessen besuchten wir das Tibetische Museum, um wenigstens einen oberflächlichen Einblick in die Leidensgeschichte dieses Volkes zu bekommen. Es war zugegebenermaßen nicht untertrieben, was diese Menschen durchgemacht und noch immer auszustehen haben! Diese Eindrücke musste man erstmal für sich verarbeiten. 

Trotz des traurigen Hintergrundes einer tibetischen Exilstadt und der mittlerweile viel zu vielen Touristen wäre McLeod Ganj ein angenehmes Fleckchen Erde, wäre da nicht das wechselhafte und kühle Klima. Nebel und Regen waren in McLeod Ganj ein regelmäßiger Begleiter, so dass es mühsam wurde, unsere frisch gewaschenen Kleidungsstücke rechtzeitig trocken zu bekommen, bevor uns die Socken ausgingen. Für ein weiteres Klamottenproblem war jedoch endlich Rettung in Sicht: Hanka brauchte nämlich unbedingt irgendetwas Unförmiges, Sackartiges, um auf unserer Weiterreise durch Pakistan und den Iran die Reize einer Frau möglichst vollständig verschwinden zu lassen. Im knallbunten, indischen Sari konnte sie ja schlecht auftreten – geschweige denn in Trekkinghosen und T-Shirt. Da es in McLeod Ganj nur so von alternativen Leuten wimmelte, wurde es kein Problem, ein schwarzes, leinenartiges Kleid mit langen Ärmeln aufzutreiben, anständig weit und bis auf Knielänge geschnitten. Das Ganze gab es zwar auch im backpacker-echten, farbenfrohen Batik- und Flower-Power-Look, aber für unsere Absichten war das wohl nicht ganz der richtige Stil. Obwohl zu Hankas großen Vorfreuden zählte, irgendwann mal wieder ein „richtiges Mädchen“ sein zu dürfen – also ein luftiges Kleid zu tragen mit chicen Sandalettchen, Handtasche, Makeup und allem drum und dran – so befriedigte dieses Exemplar keineswegs diesen Traum. Das schwarze „Sackkleid“ sollte ja schließlich einem anderen Zweck dienen und so kam selbst beim Kauf dieses unförmigen Exemplars Freude auf und obendrein das gute Gefühl, wieder etwas erledigt zu haben.


8. April 2005, McLeod Ganj – Amritsar

76.182 km, N 31-37-08 / E 74-52-47 

Anfangs glaubten wir noch, ein fetter Nebel habe sich am Morgen über McLeod Ganj festgesetzt. Doch das komisch trübe Wetter hielt die ganze Fahrt über bis Amritsar an und erweckte den Anschein, als ob es kein Nebel, sondern eine Staub- und Smogschicht war, die die Sonne verdeckte. Heftige Windböen stiebten uns trotz Asphaltstraße völlig ein, so dass unsere Helmpolster und Jacken aussahen wir nach einem Offraod-Tag.  

Die Fahrerei gen Westen war zwar nicht annähernd so schön wir unsere letzten Tagesetappen, aber dafür blieben unsere Lachmuskeln heute besonders gut im Training. Gleich zweimal ergab es sich, dass wir das Spektakel verschlossener Bahnschranken erleben durften: Es dauerte nämlich so einige Minuten, bis sich das Verkehrschaos auf beiden Seiten der Schranken wieder entknotet hatte, weil jeweils alle Fahrspuren blockiert waren. In Indien stellt man sich bei einer temporären Barrikade wie einer Bahnschranke nämlich nicht etwa schön hintereinander in einer Schlange an, sondern drängelt sich nebeneinander bis ganz nach vorne. Von da aus schaut man, ob da wirklich ein Zug kommt. Schließlich will man sich ja nichts entgehen lassen. Selbstverständlich spielt sich dieses Gerangel auf beiden Seiten der Schranken ab, was ein absolut spannendes Tohuwabohu beim Öffnen der Schranken verheißt. Es dauert jedenfalls immer eine ganze Weile, bis sich das Chaos aus aneinander vorbeischiebenden Fortbewegungsmitteln aller Art wieder entwirrt hatte. 

Ganz anderes Verkehrschaos richteten die Busse und LKW’s in den unübersichtlichen Großstädten an. Manchmal blieben die Rußmonster einfach stehen und blockierten ohne Rücksicht auf Verluste die ganze Straße. Himmelangst konnte es einem anschließend bei den Aufhol- und Überholmanövern werden, die die anderen Busfahrer in einem solchen Stau starteten. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass es etwa um die Einhaltung von Busfahrplänen ging. (Ganz davon abgesehen schien es uns zweifelhaft, dass es sowas überhaupt gab.) Das Ganze war eher als ein tagtäglicher Nahkampf zu beschreiben, in dem die Großen den Ton angaben.  Begleitet von fortwährend trötenden Fanfarenhupen jagten die „Kings of the road“ alles aus dem Weg, was ihnen vor die Motorhaube kam – das reinste Kamikazekommando! Ganz unbewusst hatte sich Erik mittlerweile angewöhnt, mit unserer überdimensionierten Hupe im Staccato-Intervall mitzuhupen – damit wir beim Durchschlängeln nicht ganz übersehen wurden. Was hatte man auch für eine Wahl im indischen Verkehrs-Nahkampf? Das Chaos zehrte an den Nerven, aber man musste sich halt irgendwie durchsetzen. So versuchten wir auch im abgasschwangeren Trubel von Amritsar unser Glück auf die Probe zu stellen. Wenigstens stellte diesmal die Orientierung kein Problem dar, denn wir wurden ungefragt immer wieder von den anderen Verkehrsteilnehmern in die ungefähre Richtung gewunken – zum Goldenen Tempel. Dass uns dabei gleich zweimal jemand im Stop & Go ans Hinderrad donnerte, ließ sich verschmerzen. Inzwischen trug unser Nummernschild sowieso schon einige indische Beulen. 

Gespannt auf den Goldenen Tempel, steuerten wir geradewegs auf das Wahrzeichen der Millionenmetropole zu. Wie uns Cheryl und David in Bangkok erzählt hatten, konnte man dort nämlich in einem der Schlafsäle für Pilger bis zu drei Nächte lang kostenfrei übernachten – es sollte ein Abenteuer sein. Als ausländische Besucher fühlten wir uns anfangs sogar bevorzugt behandelt, als einer der Tempelwächter mit einem Knüppel auftauchte und neben Hanka wachsam Obacht gab, dass niemand aus der Meute, die uns im Innenhof des Dormitoriums sofort umzingelt hatte, der Honda zu nahe kam. Obwohl wir von der Unterkunft nicht viel erwarteten, kehrte Erik mit den Worten zum Motorrad zurück, dass er zu alt dafür sei, in solch einem „Stall“ zu übernachten. Die Schlafsäle wurden wohl eher ihrer ursprünglichen Bedeutung als Pilgerstätte gerecht: schmucklose, düstere Räume, vollgestopft mit eisernen Etagenbetten und Massen von Menschen. Obendrein wirkten die siffigen Matratzen, auf die man nicht mal seinen Schlafsack legen mochte, nicht unbedingt einladend. Hier war weder an Privatsphäre geschweige denn an Sicherheit zu denken. Jedenfalls schien gewiß, dass wir hier kein Auge zubekommen würden. Uns wunderte es daher, dass unsere australischen Freunde offenbar anderer Meinung über diese originellen Quartiere waren. War das mit dem Abenteuer scherzhaft gemeint...? Notgedrungen machten wir uns also auf die Suche nach einer alternativen Unterkunft. 

Wie zu erwarten war, ließ man sich ein bisschen Luxus in Amritsar teuer bezahlen. Dennoch schien uns das hellhörige Guesthouse, in das wir später eincheckten, in puncto Sicherheit und Privatsphäre die bessere Alternative. Wir konnten sogar ein halbwegs funktionstüchtiges Badezimmer unser eigen nennen und malten uns dabei lieber nicht die hygienischen Zustände im Dormitorium des Goldenen Tempels aus. Nach einer eiskalten Dusche zogen wir erfrischt zurück zum Goldenen Tempel, um diesen heiligen Ort erst einmal aus der Nähe auf uns wirken zu lassen. Die Stätte strahlte trotz Menschenmassen ein herrlich beruhigendes Flair aus. Umspielt von einem heiligen See und eingebettet von anmutig weißen Gebäuden und Arkadengängen, schillerte der Goldene Tempel in der Abendsonne. Barfuss und mit vorgeschriebener Kopfbedeckung drehten wir eine Runde durch das Areal, bis sich der Hunger meldete. Aber auch für dieses menschliche Bedürfnis wird hier gesorgt. In einer Art Kantine wird rund um die Uhr kostenlos Essen an die Pilger und Besucher der heiligen Stätte verteilt. Wir ließen es und nicht nehmen, diese Art der Verköstigung auszuprobieren. Es war unglaublich, wie gut die „Raubtierfütterung“ organisiert war, angefangen von Teller- und Platzverteilung, Essensausgabe, Putzdienst und Abwaschriege. Doch mehr zu den Einzelheiten morgen.


9. April 2005, Amritsar

76.182 km, N 31-37-08 / E 74-52-47 

Es war nicht schwer zu erraten, dass die Stadt nach dem heiligen See Amrit Sarovar benannt ist, der den Goldenen Tempel wie ein Pool umrandete. Hier führten die Sikhs ihre heiligen Badezeremonien durch, was vor der Kulisse des Goldenen Tempels mit seinen in orange gekleideten Wächtern wie in einem Märchen aus Tausend und einer Nacht anmutete. Während die Frauen mitsamt ihren knallbunten Saris in das heilige Wasser eintauchten, stiegen die Männer die Stufen in Unterhosen hinab, ohne dabei jedoch ihre farbenprächtigen Turbane abzunehmen. Diese kunstvoll gewickelten Werke aus meterlangen Stoffbahnen verbargen das lange Haar der Männer, das Zeit ihres Lebens nicht geschnitten und mit einem Holzkamm zusammengehalten wird. Schon den Jungen werden die Haare auf dem Vorderkopf zusammengeknotet und wie ein Knubbel mit einem einfachen Stofftuch, dem sogenannten „Patka“, umwickelt. Zum Wahrzeichen der Sikhs zählen außerdem der eiserne Armreif sowie ein kleiner Dolch am Gürtel als Zeichen der Selbstachtung, Gemeinschaftlichkeit und Gerechtigkeit. Obwohl es in Indien mehr als 13 Mio. Sikhs gibt, die damit die viertgrößte Religionsgemeinschaft des Landes bilden, macht dieser Anteil nur 2% der Gesamtbevölkerung aus! Interessant sind auch die prinzipiellen Glaubensansätze dieser Religion, wie z.B. Gleichberechtigung von Mann und Frau (ja keineswegs selbstverständlich) oder die Einstellung, religiöse Weisheit für sich selbst im Alltag zu nutzen. Man schreibt den Sikhs nicht ohne Grund einen hohen Bildungsstand zu und wir konnten oft spüren, wie offen und gastfreundlich sie sind. So ist auch der Goldene Tempel als heiliges Zentrum dieser Religion für jedermann frei zugänglich, selbst während der Lesungen aus der heiligen Schrift „Guru Granth Sahib“, die hier tagsüber per Lautsprecher ausgestrahlt werden. Jedenfalls würden wir die stolzen Männer mit ihren typischen Turbanen künftig mit anderen Augen sehen – in Indien oder daheim in der U-Bahn.  

Zu Mittag steuerten wir erneut die zum Tempel gehörende Kantine an. Während im Erdgeschoss mit großem Lärm in einer lustigen Kette von freiwilligen Helfern frisch gewaschene Thali-Teller aus Blech, Bestecks und Wasserbecher aus meterlangen Spülbecken verteilt wurden, schälten andere in den Arkadengängen säckeweise Zwiebeln und Knoblauch für den Nachschub an Kochzutaten. Davon werden ungeheure Mengen benötigt, denn tagtäglich werden hier etwa 35.000 Menschen verköstigt! Zum Essen begibt man sich in einen der vielen Säale, setzt sich geschwind im Schneidersitz in einer Reihe zu den anderen und wartet auf die Mahlzeit. Es war erstaunlich, mit welcher Routine und Ordnung das Ganze ablief: kein Drängeln, kein Schubsen und jeder wusste sogar, was eine Reihe war! Dann wurden verschiedene Eimer und Körbe durch durch die einzelnen Gänge geschleppt, wobei auf jedem Teller eine dicke Kelle Dhal, eine Kelle spinatfarbener Brei sowie ein Chapati landete. Anschließend erhielt man frisches Wasser in seinen Becher geschöpft, an das wir uns allerdings nicht heran trauten. Nachdem man den Teller leer hatte, brachte man das Geschirr zurück zu den Spülbecken, wo ein neuer Durchlauf für die blechernen Utensilien startete. Gleichzeitig wurde der Fußboden des Saales mit Wasser und großen Holzschiebern von den verkleckerten Essensresten gesäubert – einfach und effektiv!  

Das Essen an sich war eine einfache Mahlzeit. Schwer taten wir uns lediglich mit der ungewohnten Sitzposition. Wie schafften es die Inder nur, so locker und gekonnt im Schneidersitz zu hocken? Erik versuchte sein Bestes, die Knie auch nur annähernd gegen den Boden zu drücken, was kurz vor einem Krampf endete – wahrscheinlich müssen wir mal wieder zelten, um unsere Knochen zu dehnen...

Zum Nachtisch musste unbedingt noch ein Lassi her. Wir hatten nämlich nicht weit von unserem Guesthouse einen coolen Laden entdeckt, wo das leckere Joghurtgetränk mittels einer abenteuerlich umgebauten Standbohrmaschine halb auf der Straße zubereitet wurde. Die indischen Lassis werden wir jedenfalls vermissen, wenn wir morgen nach Pakistan aufbrechen! 

Für unseren letzten Nachmittag in Indien hatten wir uns noch ein besonderes Spektakel vorgenommen: Als „Showtime at the border“ im Lonely Planet hervorgehoben, wollten wir uns die tagtägliche Schließungszeremonie an der indisch-pakistanischen Grenze nicht entgehen lassen. Ein Minivan brachte uns zusammen mit zwei anderen Gästen unseres Quartiers mit einem kurzen Umweg zu einem Tempel nach Wagah, wo sich bereits unzählige Zuschauer eingefunden hatten. Auf beiden Seiten der Grenze füllten sich schnell die Reihen an Sitzplätzen, die wie Tribrünen vor den Grenztoren aufgebaut waren. Emsig und völlig albern wirkend, marschierten die Grenzsoldaten begleitet von einer Musikkapelle hin und her. Mit ihren Galoschen über den Stiefeln, dem schief hängenden Barett sowie dem aufgesetzt-strengen Blick wirkten die indischen Soldaten wie Kasperlpuppen. Uns fiel es schwer, das Lachen zu verkneifen angesichts der ulkigen Marschiererei – wobei die Beine bis in die Horizontale schwangen, während sich Rückrat und Gewehr in einer Einheit nach hinten bogen. Dabei wurden sämtliche Bewegungen mit Jubelrufen und Applaus honoriert, während gleichzeitig von der anderen Seite der Grenze lautstarke Buuuh-Rufe herüber dröhnten. Natürlich zahlte man den Pakistanis sämtliche Aktivitäten auf deren Seite mit gleicher Lautstärke heim. So richtig amüsant wurde das Ganze, als mit Sonnenuntergang jeweils die Landesflaggen vom Mast eingeholt, auf militärisch korrekte Art zusammengefaltet und wie eine Kostbarkeit im selben, beinschleudernden Exerzierschritt ins Wachhäuschen getragen wurden. Die Menge tobte vor Begeisterung! Doch hinter dieser albern wirkenden, zeremoniellen Fassade steckt weit mehr als nur eine Show: Pakistan und Indien liegen seit ihrer Spaltung vor 6 Jahrzehnten im Streit um Grenzverläufe und andere politische Themen. Trotz familiärer Bindungen auf beiden Seiten schürt dieser Streit einen Hass, der immer wieder schwere Unruhen mit sich bringt. Desto größeren Stellenwert muss man den Zeitungsmeldungen des Tages beimessen, dass nach 57 Jahren die Busverbindung von Pakistan nach Srinagar wieder aufgenommen worden ist! Vielleicht sogar ein historischer erster Schritt der Annäherung? Wir hoffen es.

 

Hanka und Erik
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